12 Punkte für …? Zum siebzigsten Mal findet an diesem Samstagabend der Eurovision Song Contest statt. 25 Songs treten im großen Finale des Musikwettbewerbs in Wien an, darunter auch der deutsche Song „Fire“ von Sarah Engels. Rund um den eigentlich betont unpolitischen ESC gibt es wie auch in den vergangenen Jahren allerdings politische Verwerfungen, vor allem wegen der Teilnahme Israels. Die Rundfunkanstalten aus Spanien, Irland, Slowenien, Island und den Niederlanden treten beim diesjährigen Song Contest deshalb nicht an. Dieser Abend verspricht also nicht nur musikalisch turbulent zu werden.Unsere Autorinnen und Autoren nehmen Sie mit – aus Wien und vor dem Fernseher – durch Stunden voller Windmaschinen, großer Gefühle und Goldregen.Wichtige UpdatesWegen der Moderation noch mal ...Das waren alle Songs02 DeutschlandWillkommen aus der HalleEindrücke aus dem israelischen Fancafé in WienAbstimmung in der RedaktionIn wenigen Minuten sind die Telefone zur Abstimmung geschlossen. Soll, wie die Buchmacher meinen, wirklich Finnland gewinnen? Oder doch lieber Malta oder Tschechien? Hier ein kurzes Stimmungsbild aus der Redaktion: Für wen würden wir anrufen?Aurelie: BulgarienStefan: Moldau und GriechenlandAnn-Marlen: DänemarkMichael: RumänienMarie: Moldau und PolenBerit: Rumänien und DänemarkJohannes: Polen und RumänienThore: BulgarienMartin: AustralienNewsdeskPatrick IllingerWas macht heute Abend eigentlich Spanien?Was war das für eine Aufregung vor zwei Jahren, als Spanien beim Musikfestival von Benidorm seinen Beitrag für den ESC in Malmö auswählte. Das Lied „Zorra“ siegte und spaltete das ganze Land. Sängerin Mery Bas ließ sich von Männern im schwarzen Latexkorsett umtanzen, während sie sich dazu bekannte, eine „Zorra“ zu sein, eine Schlampe, und was für eine, na und? Sie wollte der Männerwelt den abwertenden Begriff entreißen, Feminismus 2.0. Die einen fanden es gut, die anderen nicht, aber alle hatten eine Meinung. Der ESC ist in Spanien immer ein Thema gewesen, seit das Land 1961 erstmals mitmachte. Noch heute kennt fast jede Spanierin und jeder Spanier das Lied, mit dem ihr Land 1968 erstmals siegte: „La la la“, vorgetragen von Massiel. Die Geschichte dieses unwahrscheinlichen Sieges (Spanien war noch eine Diktatur) wurde im vergangenen Jahr als unterhaltsame Miniserie verfilmt.Wie krass also, dass Spanien in diesem Jahr den Wettbewerb boykottiert, aus Protest gegen Israels Palästina-Politik. Das Staatsfernsehen RTVE, in vergangenen Jahren treuer Anhänger und Sender des Ereignisses, wird das Ereignis auf keinem seiner Kanäle übertragen, auch nicht digital und nicht als Liveblog. Die sonst übliche Vorberichterstattung fehlt in diesem Jahr auch. Der ESC 2026 findet in Spanien nicht statt.Doch so einschneidend dieser Schritt angesichts der spanischen ESC-Historie erscheinen mag: Es scheint kaum jemanden zu jucken. Das Boulevardmagazin Hola schrieb zwar von einem „Historischen Blackout“, äußerte aber, so wie die allermeisten Medien, Verständnis für die Gründe. Die Kritik an Israels Vorgehen in Gaza reicht in Spanien weit in konservative Kreise hinein. Gut möglich, dass sich mancherorts hartnäckige ESC-Freunde treffen, und den Wettbewerb gemeinsam auf Youtube verfolgen. Aber ohne einen spanischen Beitrag ist das öffentliche Interesse spürbar erkaltet. Der Wettbewerb könnte in die Bedeutungslosigkeit abrutschen, mahnte die Zeitung El País.Berit KruseFür alle, denen es zu schnell ging, so hat die deutsche Jury abgestimmt:Polen: 12 PunkteItalien: 10 PunkteFinnland: 8 PunkteBulgarien: 7 PunkteFrankreich: 6 PunkteAustralien: 5 PunkteDänemark: 4 PunkteIsrael: 3 PunkteKroatien: 2 PunkteSchweden: 1 Punkte"Look Mum No Computer" (Vereinigtes Königreich, zur Erinnerung: "Eins, Zwei, Drei" und viele Tische (?) auf der Bühne) bisher mit so guten Umfragewerten wie zuletzt der britische Premier Keir Starmer. Immer wieder erstaunlich, dass das Land von Adele, Oasis und Amy Winehouse immer so kräftig daneben langt beim ESC.Stefan NiggemeierWas wäre der ESC ohne die ausufernde Punktevergabe? Für manche Fans ist die Musik nur das notwendige Beiwerk, und die eigentliche Show beginnt erst mit den Schalten in die einzelnen Länder. Doch das Ritual, das jahrzehntelang einen wesentlichen Reiz dieser Veranstaltung ausgemacht hat, ist längst nicht mehr, was es war. Dass nicht mehr alle Punkte einzeln, von 1 bis 12 genannt (und dann auch noch auf englisch oder französisch oder englisch und französisch wiederholt) werden, ist vermutlich eine Notwendigkeit angesichts der Zahl der teilnehmenden Nationen. Michael SchnippertNach zehn von 35 Länder-Jurys führt Bulgarien mit 64 Punkten vor Italien mit 52 Punkten. Auf Platz 3 steht Australien mit 46 Punkten.Berit KruseIn der Vergangenheit haben oft sehr bekannte Gesichter die Punkte für Deutschland vorgetragen: Moderatorinnen wie Ina Müller oder Barbara Schöneberger, vor drei Jahren wurde man von Elton überrascht. In diesem Jahr verrät der nichtbinäre Musiker Wavvyboi, wem wir aus Deutschland douze points verleihen. Für ESC-Ultras, die auch den Vorentscheid verfolgen, ist Wavvyboi nicht unbekannt: Mit dem Song "black glitter" wollte Wavvyboi für Deutschland beim diesjährigen ESC antreten und landete knapp auf dem zweiten Platz.NewsdeskRalf WiegandEine ESC-Erinnerung aus Hannover: Was, wenn Deutschland doch gewinnt?Wer das Vergnügen hatte, im Jahr 2010 für die SZ als Korrespondent Norddeutschland zu beackern, war plötzlich mittendrin im Hype um die Gesamtschülerin aus Hannover, weil, ja genau, Hannover eben, da kommt sie her und da flog sie hin nach ihrem Sieg in Oslo, weswegen der Korrespondent einen Außentermin hatte: Flughafen Hannover-Langenhagen, Rollfeld, Ankunft der deutschen ESC-Delegation. Die Boeing 737-300 namens „Eberswalde“ landete am 30. Mai um 15.29 Uhr. Es war eine Art Staatsempfang, den die Stadt der damals 19-Jährigen bereitete, was vor allem an Christian Wulff lag. Wulff war noch Ministerpräsident von Niedersachsen, aber auch bereits „designierter Bundespräsident“, und dafür konnte er an diesem verregneten Nachmittag schon mal üben, was ihm sichtlich gefiel. Er übermittelte sehr staatsmännisch die Glückwünsche des ganzen Landes und der Bundeskanzlerin (Angela Merkel, wer’s vergessen hat) und schob die Sängerin und deren Mentor, einen gewissen Stefan Raab, persönlich durch die Menschenmenge (und sich damit ins Bild). Schon am Flughafen hatten sich Tausende Menschen eingefunden und all das schwarz-rot-goldene Zeug mitgebracht, was seit der Fußball-WM 2006 im Keller verstaubte; in der Stadt dann: 30 000 bis 40 000 Fans, „Ihr seid ja verrückt, geht rein, es regnet“, rief Lena Meyer-Landrut ihnen zu, ehe sie selbst reinging, und zwar ins Rathaus. Dort, wo sie im Goldenen Buch notierte: „Wow! Verdammte Axt, ist das geil! Dankeschönst. Leni“ Hannover war übrigens damals drauf und dran, der „place to be“ der Bundesrepublik zu werden – wer oder was ist schon Berlin? Hannover hatte nun die ESC-Siegerin, den nächsten Bundespräsidenten, den letzten Kanzler (Schröder, wer’s vergessen hat), Veronica Ferres hatte einen Investor aus Hannover geheiratet, die Expo war noch im Gedächtnis, und sogar die Hell´s Angels und die Bandidos hatten Frieden geschlossen – in einer Anwaltskanzlei in Hannover. Und damit zum Heute: Sarah Engels stammt aus Köln. Der Kollege Christoph Koopmann, der das Vergnügen hat, Nordrhein-Westfalen als Korrespondent für die SZ zu beackern, weiß nun ja, was auf ihn zukäme im Fall der Fälle. Dankeschönst!Und da sind die ersten zwei Punkte für Deutschland! Von der bulgarischen Jury, vielen Dank dafür. Null Punkte werden es also schon mal nicht.Stefan NiggemeierIch lehne mich mal weit aus dem Fenster und tippe, dass Israel gewinnen könnte. Der Song von Noam Bettan ist gut und fällt dadurch positiv auf, dass er nicht so auf krasse Auffälligkeit setzt. Anders gesagt: Er ist in diesem sehr lauten Umfeld angenehm leise. Und er profitiert, ob man will oder nicht, von der Kontroverse um Israel. Es gibt Zuschauer, die aus Prinzip nicht für Israel abstimmen, egal wie gut der Beitrag ist. Und es gibt Zuschauer, die aus Prinzip für Israel stimmen, ganz egal wer mit welchem Song da antritt, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Selbst wenn man annimmt, dass die letztere Gruppe kleiner ist, ist ihre Wirkung um ein Vielfaches größer: Die Stimmen der Israel-Boykotteure verteilen sich auf viele andere Länder, während die Stimmen der Israel-Unterstützer alle Israel zugutekommen.Ja, man wünschte sich, dass allein die Qualität des Beitrags entscheidet, aber Sympathien oder Antipathien zu Ländern spielen beim ESC immer auch eine Rolle, und das ist in extremer Weise bei Israel der Fall. Ich glaube, in diesem Jahr ist der Song gut genug, um zusammen mit dem Unterstützer-Effekt Israel einen Sieg zu bringen. Der Eurovision würde das für das nächste Jahr erhebliche Kopfschmerzen bescheren.Aurelie von BlazekovicWem das alles zu schrill war, es zum Beispiel nur der Familie zuliebe bis hierhin geschafft hat, der wird jetzt belohnt. "Vienna" von Billy Joel, so ein schönes, sehnsüchtiges, traurige Lied. "Vienna waits for you": Heidi Klum würde an dieser Stelle sagen, dass diese Worte nur für EINEN heute Abend gelten können ...... und Ende.Schon ist die Abstimmung beendet. Jetzt werden die Stimmen ausgezählt. Die Punktevergabe ist nun zum Greifen nah.Berit KruseDer Fakt, dass mal vier Länder zusammen gewonnen haben, ist natürlich cool. Aber ich bin bei euch, Ann-Marlen und Stefan: Selbst das funktioniert von "Professor Eurovision" vorgetragen nicht. Die Übersetzungen von Torsten Schorn helfen auch nicht. Dann lieber noch einmal den Rückblick einspielen, bitte.Stefan NiggemeierJe häufiger ich Victoria Swarowski in diesen „Professor Eurovision“-Filmchen sehe, desto weniger bin ich überzeugt, dass sie nicht komplett KI-generiert ist.Während jetzt alle paar Minuten der Rückblick auf den Abend gezeigt wird, fällt mir auf: Es gibt in diesem Jahr keinen Beitrag, der deutlich heraussticht. Das war in vorherigen Jahren schon anders. Wenige Ausreißer bei diesem Song Contest – sowohl nach oben, als auch nach unten. Mehr ladenTickarooLive Blog Software