PfadnavigationHomeSportFußballInternationale LigenArsenals MeisterschaftDie glücklichen Erben der „Invincibles“Stand: 14:09 UhrLesedauer: 4 MinutenSpontane Meisterfeier auf den Straßen im Norden Londons nach Arsenals TitelgewinnQuelle: AFP/BROOK MITCHELLVor 22 Jahren schrieb Arsenal Geschichte mit einem Team der Unbesiegbaren. Nun feiern die Londoner erneut den Titelgewinn in England. Vertrauen und Geduld haben sich ausgezahlt. Nun soll die Krönung in der Champions League folgen.Kurz vor halb zehn englischer Zeit war es, als am Dienstagabend in North London alle Dämme brachen. Menschen, die es mit dem FC Arsenal halten, rissen die Fenster auf und schrien ihre Freude heraus. Andere stiegen in ihre Autos und fuhren hupend umher – und die, die in den unzähligen Pubs und Bars waren, jubelten unfassbar laut. Durch den Patzer von Manchester City, das nur 1:1 beim FC Bournemouth gespielt hatte, sicherte sich Arsenal den Meistertitel in der englischen Premier League. Einen Spieltag vor dem Saisonende liegen die Gunners jetzt uneinholbar auf Platz eins – und sind erstmals seit 2004 wieder Meister im Mutterland des Fußballs.Die Spieler von Arsenal, die Montag mit einem 1:0 gegen den FC Burnley vorgelegt hatten – das Tor erzielte Kai Havertz – feierten ihren Triumph im Trainingszentrum in Colney, außerhalb Londons. Als der Titelgewinn sicher war, hüpften sie umher, sprangen auf Tische und Stühle – und sangen immer wieder: „Campeones, campeones, olé, olé, olé!“. „Endlich wieder dort, wo wir hingehören“, schreibt Premier StarmerAls einer der Ersten meldete sich Premierminister und Arsenal-Fan Keir Starmer zu Wort. „22 lange Jahre für Arsenal“, schrieb Starmer, der politisch stark unter Druck steht. „Aber endlich sind wir wieder dort, wo wir hingehören. Champions!“ Stramer ist verrückt nach Fußball und bekennender Arsenal-Fan. Trainer Mikel Arteta, einst Pep Guardiolas Assistent bei Man City, übertrumpfte damit seinen einstigen Lehrmeister. Ein Machtwechsel? Guardiola wird City Berichten zufolge am Saisonende nach zehn Jahren verlassen. Seit dem siebten Premier-League-Spieltag standen die Londoner fast durchgängig an der Tabellenspitze. Zwischenzeitlich hatte Arsenal neun Punkte Vorsprung (wobei Man City weniger Spiele absolviert hatte). Doch auf den letzten Metern schien die Puste auszugehen. Das Team wirkte zunehmend nervös.Lesen Sie auchNach der Niederlage gegen Man City zog der punktgleiche Konkurrent wegen der besseren Tordifferenz sogar kurzzeitig vorbei. „Panik auf Londons Straßen“, unkten City-Anhänger auf einem Transparent. In Anspielung darauf zeigten Arsenal-Fans nach der Titelentscheidung ein anderes Banner: „Party auf Londons Straßen“.Lesen Sie auch22 Jahre hatten der Klub und seine Anhänger auf den Titelgewinn warten müssen. Als er letztmals gelang, spielte der Klub noch im legendären Highbury-Stadion – und hatte eine Mannschaft, die man die „Invincibles“ nannte, die Unbesiegbaren. Unter Trainer Arsène Wenger schaffte es das Team damals als einzige Mannschaft in der Geschichte der Premier League eine komplette Spielzeit (38 Spiele) ohne eine einzige Niederlage zu überstehen. Angeführt wurde die Mannschaft von legendären Spielern wie Thierry Henry, Patrick Vieira, Robert Pirès, Dennis Bergkamp und dem deutschen Torhüter Jens Lehmann.Im Anschluss wurde Arsenal fünfmal Vizemeister, zuletzt drei Jahre in Folge. Nun hat es der 44 Jahre alte Mikel Arteta endlich geschafft, mit seinem Team den Titel zu holen. Von den 37 bisherigen Premier-League-Partien gingen nur vier verloren, 26 haben die Gunners gewonnen – 17 davon zu null. Eine beeindruckende Bilanz unter dem spanischen Trainer, der als Architekt des Erfolgs gilt. Als Arteta damals kam, leitete er einen Umbruch ein. „Arteta hat ein toxisches Chaos übernommen“, schrieb der „Telegraph“. Ein Titelkandidat war Arsenal da schon lange nicht mehr. Arteta scheute sich aber nicht, formschwache oder egoistische Stars wie Mesut Özil und Pierre-Emerick Aubameyang auszusortieren. Er baute eine neue Mannschaft auf, deren Leistungsträger heute Bukayo Saka, Martin Ødegaard oder Declan Rice heißen, und stärkte den Zusammenhalt. „Trust the process“ („Vertraue dem Prozess“) lautete sein Mantra, das er vor allem dann wiederholte, wenn es nicht so gut lief. Die Klubführung um Miteigentümer Josh Kroenke wurde für ihre Geduld belohnt. Kritiker monieren, dass Artetas Fußball zu sehr auf Sicherheit und Ballbesitz angelegt ist. Dem Coach, der während der Saison oft verbissen wirkte, dürfte das spätestens jetzt herzlich egal sein. „Mikel Arteta hat seinen Platz in unserer Geschichte als einer der größten Trainer aller Zeiten gefestigt“, hieß es nach dem Titelgewinn auf der Arsenal-Website.Im Champions-League-Finale gegen Paris St. Germain soll am 30. Mai (18.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) der nächste Titel folgen. Noch nie triumphierten die Engländer in der Königsklasse.LaGa mit dpa