Die Unbesiegbaren sind zurück: Arsenal feiert nach zwei Jahrzehnten endlich wieder den englischen MeistertitelWeil Manchester City gegen Bournemouth patzt, gewinnen die Gunners die Premier League. Der Erfolg ist das Vermächtnis des Trainers Arteta – mit Leidenschaft führte er die Mannschaft zum Titel.Sven Haist, London20.05.2026, 13.09 Uhr5 LeseminutenAktualisiertKai Havertz steht seit drei Jahren beim FC Arsenal unter Vertrag. Er ist der erste deutsche Profi seit dem Torhüter Jens Lehmann im Jahr 2004, der mit den Gunners die Meisterschaft gewinnt.Andrew Couldridge / ReutersVor einigen Jahren liess Mikel Arteta auf dem Trainingsgelände des Arsenal FC die Konturen der Premier-League-Trophäe in eine Wand einarbeiten. Allerdings war der Pokal geschwärzt. Er sollte erst zu sehen sein, wenn die Mannschaft den Titel gewonnen hat. Seit Dienstagabend dürfte die Trophäe nun endlich hell erstrahlen: Nach 22 Jahren ist Arsenal wieder englischer Fussballmeister.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Für den langersehnten Triumph genügte den Londonern nach dem Heimsieg gegen Burnley am Montag ein Ausrutscher des Titelkonkurrenten Manchester City. Der Tabellenzweite kam beim AFC Bournemouth, der sich noch für die Champions League qualifizieren könnte, nicht über ein 1:1 hinaus.Die letzten Spielminuten wurden für Arsenal vor dem Fernseher zur Zitterpartie, da die Mannschaft von Josep Guardiola kurz davor war, doch noch zu gewinnen. Eine Entscheidung wäre dann erst am letzten Spieltag gefallen. Diese Nervenprobe, auswärts bei Crystal Palace, bleibt den Gunners erspart – sie liegen jetzt uneinholbar vier Punkte vorn.Auch der Premierminister Keir Starmer gratuliertDie Saison war für den Klub ohnehin aufreibend genug. Drei der vergangenen vier Ligasiege gingen 1:0 aus. Im April musste man sogar kurz die Tabellenführung abgeben, weil der komfortable Vorsprung verspielt war. Es drohte der vierte zweite Platz in Serie.Diesmal bewahrte der Klub jedoch Ruhe und Souveränität. Die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit könnten geholfen haben. Sowohl für Arteta als Chefcoach als auch für sämtliche Spieler im Kader mit Ausnahme des Stürmers Gabriel Jesus ist es die erste Meisterschaft in der Premier League.Das Team tritt die Nachfolge von Arsène Wengers «The Invincibles» an, die vor 22 Jahren den Titel ohne Saisonniederlage holten – so lange liegt der letzte Triumph zurück. Insgesamt ist es für den Klub die 14. Meisterschaft. Nur Manchester United und der Liverpool FC übertrumpfen das.Mit grosser Leidenschaft, ja beinahe getrieben führte Mikel Arteta seine Mannschaft zurück zum Erfolg.Hannah McKay / ReutersKai Havertz (links) erzielt am Montagabend gegen Burnley das wegweisende Tor für die Gunners.Kirsty Wigglesworth / APZu den Gratulanten zählte auch der britische Premierminister Keir Starmer. «Endlich sind wir wieder dort, wo wir hingehören!», schrieb der bekennende Arsenal-Fan. Dass die Meisterschaft zunächst vor dem Fernseher bejubelt werden musste, schien die Gunners kaum zu stören.Die Spieler verbrachten den Abend gemeinsam auf dem Trainingsgelände, während sich Zehntausende Fans rund ums Stadion versammelten, als würde dort bereits eine Titelparade abgehalten. Unter ihnen war der frühere Meistertorjäger Ian Wright. Auch daran liess sich die hohe Bedeutung des Titels für den Arsenal FC ableiten.Der Erfolg ist das Vermächtnis des Trainers Arteta. Der 44-jährige Baske übernahm im Dezember 2019 den Trainerposten, nachdem der Verein so tief gefallen war wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Gunners schienen national und international den Anschluss zu verpassen. Die Nachwirkungen der langen, am Ende verblassenden Wenger-Ära waren nicht zu übersehen.Einmal entfachte er Feuer, damit der Funke überspringtKurioserweise gab Arteta seine Zusage unmittelbar nach einer deutlichen Heimniederlage von Arsenal gegen Manchester City, bei der er noch als Assistent Guardiolas auf der gegnerischen Seite gestanden hatte. «50 Prozent des Stadions waren leer», erinnerte er sich. Als früheren Spielführer der Gunners habe ihn das betroffen gemacht: «Wir mussten alles neu aufbauen.»Dabei erhielt er uneingeschränkte Rückendeckung. Der Verein befindet sich im Besitz des amerikanischen Multimilliardärs Stan Kroenke. Seit seinem Einstieg im Jahr 2007 baute er seinen Einfluss schrittweise aus, bis er den Klub 2018 vollständig übernahm.Unter Arteta investierte Arsenal rund eine Milliarde Franken in neue Spieler, davon knapp 300 Millionen im Vorsommer nach zuvor drei zweiten Plätzen in Serie. Er griff auf ungewöhnliche Massnahmen zurück, um seine Spieler immer wieder von sich zu überzeugen.Vor dieser Spielzeit überraschte er etwa mit einem von künstlicher Intelligenz generierten Ohrwurm, der ausschliesslich aus den Namen seiner Spieler besteht. Zudem pflanzte er Olivenbäume oder verwendete Glühbirnen als Symbol für Energie. Vergangenen April entfachte er auf dem Trainingsplatz Feuer. Er wollte, dass der Funke im Titelrennen auf seine Mannschaft überspringt.Der frühere Arsenal-Stürmer Ian Wright (links, im Arsenal-Shirt) feiert am Dienstagabend inmitten der Fans den Meistertitel.Alberto Pezzali / APTausende Arsenal-Fans versammeln sich am Dienstagabend vor dem Stadion, um den ersten Meistertitel seit 22 Jahren zu feiern.Alberto Pezzali / APErfolgreich wie Jürgen KloppVor allem aber hielt Arteta an seinen Schwerpunkten in dieser Saison fest: defensives Verhalten und offensive Standards. Die Abwehr Arsenals ist kaum zu überwinden. Keine Mannschaft auf Spitzenniveau kassierte weniger Gegentreffer, lediglich 41 in 61 Pflichtspielen. Das liegt auch daran, dass die Gunners in dieser Premier-League-Saison bisher weder einen Elfmeter verursacht noch einen Platzverweis erhalten haben. Ähnlich beachtlich sind die Standards: Arsenal erzielte daraus 28 seiner 69 Ligatore, davon 18 nach Ecken – ein neuer Bestwert. Dafür verantwortlich ist der Standardtrainer Nicolas Jover, den Arteta zunächst zu City und später zu Arsenal holte.So machte Arteta das zuvor häufig als «soft» charakterisierte Arsenal zu einem widerstandsfähigen Gegner. Die Kommentatoren übten sich derweil in Stilkritik. «So macht mir unser Sport keinen Spass», schimpfte der Niederländer Ruud Gullit, Europameister von 1988. Als Arteta kürzlich selbst nach einem zerfahrenen und nervösen 1:0 seines Teams gefragt wurde, ob er weitere emotional belastende Auftritte dieser Form verkraften könne, erwiderte er: «Ja, wir nehmen auch 50!» Der Weg zur ersten Meisterschaft seit einer halben Ewigkeit sei eben nicht mit Rosen gepflastert, erklärte er.Ähnlich wie Jürgen Klopp beim Liverpool FC hat Arteta die Gunners erfolgreich transformiert. Der Verein ist für ihn eine Herzensangelegenheit. Das erklärt seine immense Leidenschaft, die Arteta stets auch bei seinem sehr aktiven Coaching an der Seitenlinie ausstrahlt. Manchmal wirkte er beinahe getrieben von seinem Ziel, den Klub zu alter Grösse zurückzuführen.Es dürfte ihn besonders freuen, dass es ihm noch gelang, bevor sein einstiger Lehrmeister Guardiola in Manchester aufhört. Guardiola beglückwünschte Arteta zu einer «phänomenalen» Leistung.Sollte Mikel Arteta den Ligagewinn nun sogar noch mit dem ersten Champions-League-Titel der Klubgeschichte gegen Paris Saint-Germain in Budapest krönen, gelänge ihm ein historisches Werk.Passend zum Artikel
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Weil Manchester City gegen Bournemouth patzt, gewinnen die Gunners die Premier League. Der Erfolg ist das Vermächtnis des Trainers Arteta – mit Leidenschaft führte er die Mannschaft zum Titel.










