Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation: Gegen Spaniens Ex-Regierungschef José Luis Zapatero wird ermitteltDer Sozialist war von 2004 bis 2011 Ministerpräsident. Er blieb auch nach seinem Abgang einflussreich. Später soll er seine Kontakte genutzt haben, um Vertrauten Millionensummen zu verschaffen. Für die Regierung kommt der Skandal zur Unzeit.20.05.2026, 10.00 Uhr3 LeseminutenFünfzehn Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit ist José Luis Zapatero weiterhin eine prominente Figur in Spaniens Politik. Nun steht er im Zentrum einer Korruptionsaffäre.ImagoBeamte der spanischen Nationalpolizei haben am Dienstagnachmittag die Calle de Ferraz im Madrider Stadtzentrum in Aufruhr versetzt. Dort verschafften sie sich Zugang zum Büro des ehemaligen spanischen Regierungschefs José Luis Zapatero. Auch die Geschäftsräume von drei Unternehmen, die mit Zapatero in Verbindung stehen, wurden durchsucht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Audiencia Nacional ermittelt gegen den früheren Spitzenpolitiker wegen mutmasslicher Einflussnahme und Geldwäsche bei der staatlichen Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra. Das Obergericht wirft Zapatero zudem Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation sowie Urkundenfälschung vor. Zapatero wies die Vorwürfe in einer Videobotschaft zurück und beteuerte seine Unschuld.Der 65-Jährige ist der erste spanische Ministerpräsident seit dem Übergang zur Demokratie, gegen den ein offizielles Ermittlungsverfahren läuft. Am 2. Juni muss er vor dem Gericht in Madrid aussagen.Ermittler der Nationalpolizei verstauen mehrere Kartons und Behälter mit potenziellem Beweismaterial aus Zapateros Büro in einem Einsatzfahrzeug.Rodrigo Jimenez / EPAEin Netzwerk von Dubai über die Schweiz bis VenezuelaHintergrund der Ermittlungen ist die staatliche Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra im März 2021. Über den Staatsfonds Sepi erhielt das Unternehmen damals 53 Millionen Euro aus einem Corona-Hilfsprogramm. Die Rettung war umstritten; Plus Ultra ist eine kleine Airline mit einigen wenigen Flugzeugen, die Ziele in Venezuela, Kolumbien und Peru anfliegt.Die Vorwürfe wiegen schwer: Laut dem Ermittlungsrichter José Luis Calama soll Zapatero seine Kontakte in höchste Regierungskreise genutzt haben, um die Rettung der Airline zugunsten Dritter zu beeinflussen. Das geht aus einem 85-seitigen Gerichtsbeschluss hervor. Das Gericht wirft Zapatero und Personen aus seinem Umfeld zudem vor, knapp zwei Millionen Euro aus dem mutmasslichen Korruptionsnetzwerk erhalten zu haben. Ein Teil der Zahlungen soll an ihn persönlich, ein anderer an eine Firma seiner beiden Töchter geflossen sein.Die Beteiligten hätten Briefkastenfirmen und undurchsichtige Finanzkanäle genutzt, «um die Herkunft und den Verbleib der Gelder zu verschleiern und sich finanziell zu bereichern», schreibt der Richter. Das Netzwerk soll Konten in der Schweiz, in Frankreich und in Dubai unterhalten haben. Laut dem Beschluss verfügten Zapatero und sein Umfeld zudem schon vor der offiziellen Bekanntgabe über Insiderinformationen zur Staatshilfe.Neben der Rettung von Plus Ultra soll das Netzwerk auch Einfluss auf Venezuelas Luftfahrtbehörde genommen haben, um Flugrechte für die Airline zu sichern. Zapateros enge Verbindungen zu Venezuela sorgen in Spanien immer wieder für Diskussionen. Der frühere Ministerpräsident trat in den vergangenen Jahren mehrfach als inoffizieller Vermittler zwischen Spanien und der Regierung in Caracas auf. Das ist vor allem der konservativen Opposition ein Dorn im Auge.Im Dezember 2015 traf Zapatero offiziell die damalige venezolanische Aussenministerin und heutige Präsidentin Delcy Rodríguez. Nach Maduros Sturz 2026 reiste er mehrfach nach Caracas, unter anderem um über die Freilassung von Gefangenen zu verhandeln.ImagoZapatero wird zur Belastung für SánchezZapatero ist auch rund fünfzehn Jahre nach Ende seiner Amtszeit als Regierungschef weiterhin eine prominente Figur in der sozialistischen Partei des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez. Er gehört der Regierung nicht an, tritt aber regelmässig in den Medien und öffentlichen Debatten als Unterstützer von Sánchez auf.Der Skandal kommt für Sánchez zur Unzeit. Am Wochenende erlitt seine PSOE bei der Regionalwahl in Andalusien eine schwere Niederlage. In ihrer einstigen Hochburg, die sie 37 Jahre lang regierte, hat die Partei innert zwanzig Jahren die Hälfte ihrer Wähler verloren. Es ist bereits die vierte Region innerhalb eines Jahres, die die Sozialisten nach historisch schlechten Ergebnissen an die konservative Opposition verlieren.Hinzu kommen Schmiergeld-, Sex- und Korruptionsaffären ehemaliger Vertrauter sowie Ermittlungen gegen Sánchez’ Ehefrau Begoña Gómez wegen mutmasslicher persönlicher Bereicherung.Die Regierung zeigt sich dennoch demonstrativ entspannt. Eine Sprecherin sagte am Dienstag, man verfolge den Fall mit «Gelassenheit, Zuversicht und grundlegendem Respekt» für die Unschuldsvermutung.Passend zum Artikel
Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation: Gegen Spaniens Ex-Regierungschef José Luis Zapatero wird ermittelt
Der Sozialist war von 2004 bis 2011 Ministerpräsident. Er blieb auch nach seinem Abgang einflussreich. Später soll er seine Kontakte genutzt haben, um Vertrauten Millionensummen zu verschaffen. Für die Regierung kommt der Skandal zur Unzeit.










