Wenn sich die Aktionäre der Commerzbank an diesem Mittwoch in Wiesbaden zur Hauptversammlung treffen, wird vor allem eine Frage leidenschaftlich diskutiert werden: Wie lange gibt es die traditionsreiche Bank noch als unabhängiges Unternehmen?

Das Handelsblatt erwartet, „dass die Bank im Übernahmekampf mit dem italienischen Konkurrenten Unicredit den Kürzeren zieht und nach 156 Jahren ihre Eigenständigkeit verliert“. Das Blatt zitiert Klaus Nieding, den Vizepräsidenten der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), mit den Worten: „Die Schlinge um die Commerzbank zieht sich langsam zu.“ Die Bank sei nicht „mit höheren Gewinnen und Ausschüttungen“ zu retten: „Irgendwann droht ein böses Erwachen“, sagt Nieding.

Die Übernahmeschlacht läuft demnach nach dem Willen von Andrea Orcel ab, dem umtriebigen CEO der Unicredit. Am Ende, so glauben die Experten, läuft es auf den Preis hinaus. Wenn Orcel ein Angebot machen sollte, das die Aktionäre nicht ablehnen können, entsteht ein neuer Banken-Riese. Mit der Übernahme der Commerzbank durch Unicredit würde die neue Bank eine Bilanzsumme von rund 1,3 Billionen Dollar haben, doppelt so viel wie Lehman Brothers 2008 und deutlich mehr als doppelt so viel wie Credit Suisse 2023.