Ein Maulbeerbäumchen im Streuobstgarten vor der Kunstkirche St. Matthäus setzt bald an zur Blüte, die Wurzeln stecken in einem großen Baumschultopf, wie all die anderen. Auch Apfelbäume haben die Leute von St. Matthäus gepflanzt. Wohl im Sinne eines zwar Martin Luther zugeschriebenen, aber eher aus der düsteren Zeit unterm Hakenkreuz und im Krieg stammenden berühmten Apfelbäumchenzitats: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Es spendete einst trotzig Trost inmitten der Weltuntergangsstimmung.

Von St. Matthäus, der feingliedrigen Backsteinkirche im Stil der oberitalienischen Romanik am Kulturforum, die mittlerweile unter der Wucht des Prestigemuseumsbaus „berlin modern“ fast verschwindet, sieht man von der Potsdamer Straße aus bloß noch den besteigbaren Turm.

Am 17. Mai 1846 wurde der Sakralbau geweiht. Schinkel-Schüler August Stüler hatte ihn entworfen für das einstige Feld- und Wiesenareal vor den Toren Berlins, wo noch um 1700 aus Frankreich immigrierte Hugenotten ihre Seidenraupenzucht betrieben. Damals wuchs da ein kleiner Wald aus Maulbeerbäumen. Bis Ende der Napoleonischen Kriege.

Danach wurde die Gegend rasch zum noblen Zentrum des wohlhabenden und kulturell pulsierenden Tiergartenviertels bebaut. In dessen südlichem Teil entstanden großbürgerliche Villen und Straßenzüge. Höhere Beamte, Unternehmer, Künstler und Wissenschaftler ließen sich nieder.