Die Suche nach den Vermissten in dem eingestürzten Haus in Görlitz gleicht einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Einsatzkräfte sehen bei den möglicherweise drei Verschütteten eine Überlebenschance für bis zu 72 Stunden. „Wir sprechen immer noch von einer Vermisstensuche und nicht von einer Bergung“, sagte ein Polizeisprecher am späten Dienstagvormittag. Das Haus war am frühen Montagabend eingestürzt. Die 72 Stunden laufen am Donnerstagabend ab.Nach dem Einsturz des Gründerzeithauses werden bei der Suche nach den drei Vermissten auch spezielle Spürhunde eingesetzt. „Die Hunde schlagen bei Lebenszeichen an, was sie gestern auch gemacht haben“, erläuterte der Einsatzleiter der Feuerwehr Görlitz, Remo Kölzsch. Heute hätten sie bislang aber nicht angeschlagen.Die Einsatzkräfte arbeiten sich mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. „Der Einsatz von großen Baggern würde die verschütteten Menschen mehr gefährden“, betonte Kölzsch. Eine große Gefahr bei der Rettungsaktion sei, dass sich nach wie vor Gas in den Hohlräumen befinden könnte.Vermisst werden zwei junge Touristinnen und ein MannVermisst werden noch zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und ein 48 Jahre alter Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte. Zwei der ursprünglich fünf Vermissten waren kurz nach Mitternacht aufgetaucht – die beiden Feriengäste waren noch auf der Anreise. In dem eingestürzten Haus befanden sich nach Angaben der Polizei Miet- und Ferienwohnungen.Die gesamte James-von-Moltke-Straße unweit des Görlitzer Bahnhofs ist abgesperrt, zahlreiche Einsatzfahrzeuge des THW und der Feuerwehr stehen bereit. Die vor dem Einsturz dort noch geparkten Autos sind mit einer feinen Staubschicht bedeckt. Ein Bagger mit einem langen Greifarm zieht vorsichtig Trümmer an die Seite und mehrere Einsatzkräfte des THW räumen mit Schaufeln und bloßen Händen die Trümmer zur Seite.Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) tragen mit Händen den Schuttberg des eingestürzten Wohnhauses in der Innenstadt von Görlitz ab. Als Ursache wird eine Gasexplosion vermutet. Paul Glaser/Paul Glaser/dpaDie genaue Ursache des Unglücks steht noch nicht fest. „Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus“, sagte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. „Es war eine lange und herausfordernde Nacht. Die Lebensrettung steht an erster Stelle“, betonte der CDU-Politiker. Insgesamt waren am Vortag 140 Einsatzkräfte am Unglücksort. Unterstützung komme von allen Seiten, auch aus dem benachbarten Polen. Zudem seien Höhenretter im Einsatz.Eine Anwohnerin beschrieb am Tag danach die Explosion und wie viel Rauch durch das gekippte Balkonfenster in ihre Wohnung zog. „Es war wie so eine Bombe“, sagte Kerstin Wauer. Ein anderer Anwohner sagte dem Sender Radio Lausitz, es habe einen großen Knall und eine große Erschütterung gegeben. „Ich bin instinktiv erst mal unter den Tisch gekrabbelt und habe dann den Notruf gewählt“, betonte er. Vom Balkon aus habe er schreiende Menschen vernommen. „Als gelernter Klempner habe ich gleich an Gasexplosion gedacht.“ Ein anderer Augenzeuge sagte: „Ich dachte schon, bei uns fällt ebenfalls das Haus ein, das hat so einen Hieb gegeben.“Man sei dabei, eine Lösung für das Gas-Problem zu finden, betonte Feuerwehr-Einsatzleiter Sebastian Schramm. Unklar sei, in welchem Umfang noch Gas ausströme. Baustatiker waren inzwischen vor Ort, Häuser links und rechts der Einsturzstelle können später wieder bezogen werden, aber nicht, bevor die Personensuche abgeschlossen ist. Von den 54 Menschen, die von der Evakuierung betroffen sind, sind vier in einer städtischen Villa untergebracht.Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands, sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57 000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt auch ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen.
Nach Hauseinsturz in Görlitz werden immer noch drei Menschen vermisst
Helfer arbeiten mit bloßen Händen, um die Verschütteten nicht zu gefährden. Spürhunde sind im Einsatz. Gleichzeitig tritt noch Gas aus.











