Spürhunde haben nach dem Einsturz eines Gründerzeithauses im sächsischen Görlitz keine Lebenszeichen mehr unter den Trümmern wahrgenommen. „Die Hunde schlagen bei Lebenszeichen an, was sie gestern auch gemacht haben“, erläuterte der Einsatzleiter der Feuerwehr Görlitz, Remo Kölzsch – heute hätten sie bislang aber nicht angeschlagen.Noch immer werden drei Menschen vermisst. Die Einsatzkräfte arbeiten sich mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. „Der Einsatz von großen Baggern würde die verschütteten Menschen mehr gefährden“, betonte Kölzsch. Eine große Gefahr bei der Rettungsaktion sei, dass sich nach wie vor Gas in den Hohlräumen befinden könnte. „Jeder Stein, jedes Brett muss per Hand angehoben werden, um eventuelle Hohlräume, in denen sich Gas angesammelt haben könnte, zu entdecken“, sagte Sebastian Schramm von der Feuerwehr Görlitz.Das Haus war am frühen Montagabend eingestürzt. Vermisst werden noch zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und ein Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit im Alter von 48 Jahren, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte. Zwei der ursprünglich fünf Vermissten waren kurz nach Mitternacht aufgetaucht – die beiden Feriengäste waren noch auf der Anreise.Die genaue Ursache steht bisher nicht fest. „Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus“, sagte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. „Es war eine lange und herausfordernde Nacht. Die Lebensrettung steht an erster Stelle“, betonte der CDU-Politiker. Insgesamt waren am Vortag 140 Einsatzkräfte am Unglücksort. Unterstützung komme von allen Seiten, auch aus dem benachbarten Polen. Zudem seien Höhenretter und auch Hundestaffeln im Einsatz. Überlebenschance liegt bei 72 Stunden Nach Polizeiangaben tritt auch am Dienstagmorgen noch immer Gas aus: Die Gefahr sei noch nicht gebannt. In der Nacht waren fünf Hunde im Einsatz – nach Feuerwehrangaben krochen sie in kleinste Höhlen. Der Einsatz werde mindestens den ganzen Tag, zur Not auch die kommende Nacht andauern. Die Überlebenschance liege bei diesen Temperaturen bei 72 Stunden, sagte Raik Schulze, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Görlitz.Man sei dabei, eine Lösung für das Problem des ausstehenden Gases zu finden, betonte Schramm. Unklar sei, in welchem Umfang Gas noch ausströmt. Baustatiker waren inzwischen vor Ort, Häuser links und rechts der Einsturzstelle können später wieder bezogen werden, aber nicht, bevor die Personensuche abgeschlossen ist. Von den 54 Leuten, die von der Evakuierung betroffen sind, sind vier in einer städtischen Villa untergebracht. Explosion war im Supermarkt zu hören Am Einsturzort hielt sich gestern Abend ein Mann auf, der seine Frau und seine Cousine in dem eingestürzten Gebäude vermutete. Erst am Nachmittag war er gemeinsam mit den beiden Frauen angekommen, um in dem Haus in einer Ferienwohnung Urlaub zu machen, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagt. Als er von einem kurzen Einkauf zurückkommt, liegt da, wo zuvor das Haus stand, nur noch ein großer Haufen Schutt. Trümmer liegen nach dem Einsturz eines Mehrfamilienhauses in der Innenstadt von Görlitz zwischen den beiden benachbarten Wohnhäusern. © dpa/Olgierd Linke Seine Frau und Cousine seien in der Wohnung geblieben. Im Supermarkt habe er eine Explosion gehört, erzählt der Tourist. Als er zurückgekommen sei, habe er direkt die Polizei und einen Krankenwagen alarmiert. Er hoffe so sehr, dass seine Frau, die erst 25 Jahre alt sei, noch lebe, sagt der Mann. Er verstehe nicht, wie es sein könne, dass so etwas passiere. Er habe Familienangehörige von sich, seiner Frau und seiner Cousine in Rumänien und Großbritannien informiert. Diese machten sich nun alle auf den Weg nach Deutschland. Rettungskräfte am Ort des Unglücks in der James-von-Moltke-Straße. © Paul Glaser/dpa In dem eingestürzten Haus befanden sich nach Angaben der Polizei Miet- und Ferienwohnungen. Laut Ordnungsamt handelt es sich bei dem Haus um ein Haus der Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen, die ein Tochterunternehmen der Stadt Görlitz ist.Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands. Sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt auch ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen. (dpa)
Eingestürztes Haus in Görlitz: Spürhunde nehmen in den Trümmern keine Lebenszeichen mehr wahr
Noch immer werden drei Menschen in den Trümmern eines Hauses in Görlitz vermutet. Das Gebäude stürzte am Montagabend ein. Die Suche wird durch das nach wie vor austretende Gas erschwert.










