Nach tagelanger Suche haben Rettungskräfte die vier Leichname der vermissten italienischen Taucher „ziemlich nah beieinander“ im tiefsten Teil der Unterwasserhöhle gefunden. Das bestätigte am Montag ein Sprecher der maledivischen Regierung. Der fünfte Taucher war schon zuvor in einem vorderen Teil der Höhle tot aufgefunden worden. Am Dienstag teilte die Regierung mit, dass finnische Spezialtaucher zwei der Leichen geborgen hätten.Nachdem die fünf Italiener am Donnerstag vergangener Woche während eines Tauchgangs auf dem maledivischen Vaavu-Atoll verschwunden waren, hatte eine mehrtägige Suchaktion begonnen. Dabei kam auch ein maledivischer Militärtaucher ums Leben.Es war der schwerste Tauchunfall in der Geschichte der Malediven. Polizeiliche Ermittlungen wurden aufgenommen. Gegen die Taucher und ihre Begleiter werden nun Vorwürfe laut. „Die italienische Gruppe hatte keine Genehmigung, tiefer als 30 Meter zu tauchen“, erklärte der Regierungssprecher der Nachrichtenwebsite „Maldives Independent“. Demnach befindet sich der Eingang der Höhle mehr als 50 Meter unter dem Meeresspiegel. Die drei dahinterliegenden Höhlenkammern seien nur über einen schmalen Gang zu erreichen, der noch tiefer unter die Wasseroberfläche führe.Italiener nur mit Geräten zum Freizeittauchen ausgerüstetFür Tauchgänge unter 30 Meter Tiefe und in Unterwasserhöhlen müssen auf den Malediven Genehmigungen eingeholt werden. Die Italiener seien nur mit Geräten zum Freizeittauchen ausgerüstet gewesen und nicht mit der für große Tiefen notwendigen Spezialausrüstung, heißt es. „Ein Höhlentauchgang mit einem Einstieg in 58 Meter Tiefe ist kein Tauchplatz für normale Sporttaucher“, schrieb der maledivische Tauchspezialist Shafraz Naeem, der nach eigenen Angaben schon oft in den Höhlen getaucht ist, auf der Plattform X. „Warum wurden also die geltenden Tauchvorschriften und Tiefenbegrenzungen missachtet?“Die vier Verunglückten hatten Verbindungen zur Universität Genua und waren aus beruflichen Gründen auf die Malediven gereist: Es handelt sich demnach um die Meeresbiologin Monica Montefalcone und ihre Tochter, die an der Universität studierte, eine wissenschaftliche Assistentin und einen Uniabsolventen. Die fünfte Person war Gianluca Benedetti, ein erfahrener Tauchführer, der die Gruppe begleitet hatte.Am Tag des Tauchgangs galt die Warnstufe „Gelb“Offenbar hatten an dem Tag des Tauchgangs ungünstige Wetterbedingungen geherrscht, es galt die Warnstufe „Gelb“. Zwanzig weitere Italiener aus der Reisegruppe seien auf dem Schiff geblieben, der Yacht Duke of York des italienischen Reiseanbieters Albatros. Der Ehemann der Meeresbiologin wies gegenüber „La Repubblica“ die Spekulationen über eine mögliche Fahrlässigkeit der Taucher zurück. Seine Frau gehöre „zu den besten Taucherinnen der Welt“ und habe „bestimmt schon 5000 Tauchgänge absolviert“. „Und sie war immer sehr gewissenhaft. Niemals hätte sie das Leben unserer Tochter oder anderer Kinder gefährdet.“Der Tauchspezialist Shafraz wies darauf hin, dass es sich um eine besonders tückische Tauchumgebung handele. „Höhlen sind gnadenlos, weil man dort keinen direkten Aufstieg durchführen kann“, schrieb er auf X. „In 75 Meter Tiefe, mit nur einer Luftflasche, kann selbst ein kleines Problem innerhalb weniger Minuten zu einer ausweglosen Situation führen“, so Shafraz. Ein italienischer Tauchlehrer sagte der BBC, dass womöglich „Sauerstoffvergiftung“ eine Rolle gespielt habe, zu der es in großen Tiefen kommen könne. Wenn das Gasgemisch nicht stimme, könne der Sauerstoff in bestimmten Tiefen giftig werden.Shafraz erhob zudem Vorwürfe gegen die Verantwortlichen für den ersten Rettungseinsatz, bei dem ein maledivischer Militärtaucher ums Leben gekommen war. Die Rettungskräfte des Militärs seien weder für das Tauchen in diesen Tiefen trainiert noch mit dem richtigen Equipment ausgerüstet gewesen. Die Führung des Einsatzes hatten nach dem Todesfall Spezialisten aus dem Ausland übernommen, darunter drei finnische Höhlentaucher, die im Jahr 2014 teilweise an der Bergung von zwei Tauchern aus dem norwegischen Plura-Höhlensystem beteiligt waren. Zudem waren zwei Spezialisten aus Italien angereist. Am Mittwoch sollen die zwei weiteren Leichen geborgen werden.
Malediven: Wer ist verantwortlich für das Tauchunglück?
Nach dem Tauchunglück mit fünf toten Italienern erhebt ein maledivischer Fachmann Vorwürfe: Die Taucher hätten sich nicht an Vorschriften gehalten. Der Mann einer verunglückten Meeresbiologin widerspricht vehement.













