Eine Bushaltestelle mit nur wenigen Passagieren täglich. Und ein Veloweg für 4500 Franken pro MeterDer Zürcher Kantonsrat verabschiedet einen Millionenkredit. Doch dessen Verhältnismässigkeit gibt zu reden.18.05.2026, 16.49 Uhr3 LeseminutenDer Kanton will die Radweglücke entlang der Gockhauserstrasse schliessen und die Bushaltestellen hindernisfrei ausbauen.Baudirektion des Kantons ZürichSchiebt man Aufgaben von heute auf morgen, von morgen auf übermorgen und von übermorgen auf . . . – dann stapeln sie sich irgendwann. Das geht jedermann mit unbeantworteter Post so. Dem Kanton Zürich auch – nur mit Baustellen. So kommt es, dass in Dübendorf bald gleich mehrere anstehen: Dort finanziert der Kanton einen Teil eines Projekts, zu dem ein Radweg gehört, eine elektronische Busspur, eine hindernisfreie Bushaltestelle, besserer Hochwasserschutz, eine neue Strassenbeleuchtung und eine sanierte Kanalisation.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In der Diskussion des Kantonsrats zum Projekt gaben dabei vor allem zwei Punkte zu reden: die Kosten (18 Millionen Franken). Und wie viele Menschen die Bushaltestelle pro Tag nutzen (2).Der Kanton soll 7,5 der 18 Millionen Franken Gesamtkosten tragen. Allein die Erneuerung der Bushaltestelle kostet gesamthaft eine halbe Million Franken. Simon Vlk (FDP) sagt: «Da stellt sich durchaus die Frage, ob es verhältnismässig ist, mehr als eine halbe Million Franken auszugeben für eine Haltestelle, die im Schnitt von zwei Personen pro Tag genutzt wird.»Doch gemäss Vorgaben des Bundes müssen alle Bushaltestellen für Menschen mit Behinderung zugänglich sein, auch wenn sie kaum genutzt werden. Deswegen wird nun auch die Haltestelle Kämmaten, ausserhalb des Dübendorfer Ortsteils Gockhausen, instand gesetzt.In dieser Debatte, bei der es im Prinzip lediglich um den Kredit für das Projekt ging, hätte der Kantonsrat ausserdem auch nicht beschliessen können, die Bushaltestelle Kämmaten schlichtweg ganz zu schliessen.Schwachpunkt im kantonalen RadwegnetzAuch der Radweg gab zu reden: Der kostet 4480 Franken pro Meter. Er ist damit einer der teuersten Radwege der vergangenen Jahre, wie Walter Honegger (SVP, Wald) sagte.Diskutiert wurde, ob statt eines Velowegs lediglich ein Velostreifen gereicht hätte. Hätte er nicht, so der Tenor. Denn die Gockhauserstrasse wird ausserorts mit 80 Kilometern pro Stunde befahren. Roger Schmutz (SP, Wettswil am Albis) sagte: «Velofahren auf einer solchen Strasse ist nur etwas für hartgesottene Menschen mit Nerven aus Stahl.»Die Strecke über die Gockhauserstrasse gilt seit langem als Schwachpunkt im kantonalen Radwegnetz. Ausserdem wird die Veloverbindung von Zürich nach Dübendorf vollständig, wenn der Abschnitt von Dübendorf nach Gockhausen ausgebaut wird. Die Hoffnung: dass einige Pendler, die diese Strecke bis anhin mit dem Auto gefahren sind, in Zukunft das Velo wählen werden. Judith Stofer (AL, Dübendorf) sagte: «Ich bin überzeugt, dass einige sportliche Velofahrerinnen künftig das Velo nutzen, um nach Zürich zu gelangen.»Sicherheit für Velos «ungenügend»Deshalb, und weil die Situation für Velofahrer entlang der 80er-Strecke durchaus gefährlich ist, wurde der Kredit nicht abgelehnt, trotz den hohen Kosten. «Die Sicherheitssituation für Radfahrende auf diesem Abschnitt ist schon lange ungenügend», sagte etwa Simon Vlk (FDP). «Deshalb ist es sinnvoll, das Projekt jetzt auf diese Weise umzusetzen.»Sascha Ullmann (GLP, Zollikon) hob ebenfalls hervor, dass gleich mehrere Projekte gleichzeitig umgesetzt würden: «Durch die gemeinsame Realisierung werden Synergien genutzt», sagte er. «Das ist vorausschauende Infrastrukturpolitik.» Auch Regierungsrat Neukom sagte: «Es ist wichtig, all diese Anliegen zu bündeln. Es wäre ja sinnlos, nach zwei, drei Jahren schon wieder eine Baustelle zu machen.»Der Kantonsrat akzeptierte den Kredit. Der Bau soll im zweiten Halbjahr 2027 beginnen.Passend zum Artikel