Es wurde als „landmark deal“ bezeichnet, was die USA und Australien im vergangenen Herbst beim Besuch von Ministerpräsident Anthony Albanese bei Donald Trump in Washington beschlossen hatten: Ein großes, strategisches Abkommen über die Förderung von Seltenen Erden in Down Under, bei dem beide Länder anfangs jeweils mehr als eine Milliarde Dollar in ausgewählte Projekte investieren sollten, um die Lieferketten schnell hochzufahren. Insgesamt wollten die Verbündeten 8,5 Milliarden Dollar investieren, mit einem Ziel: die Dominanz Chinas beim Abbau der kritischen Rohstoffe zu brechen.Es ist nicht völlig klar, ob Northern Minerals Geld auch aus diesem Fördertopf erhält. Das Unternehmen betreibt in Westaustralien das Browns-Range-Projekt, das als wichtigste Mine für Seltene Erden außerhalb Chinas gilt. Das Kernfeld mit dem Namen Wolverine-Depot gilt als reichste Lagerstätte des Landes für Dysprosium und Terbium. Die Elemente werden für den Bau von Hochleistungsmagneten verwendet, die in einer Vielzahl von Einsatzfeldern aus dem zivilen und militärischen Bereich Anwendung finden, unter anderem für Elektromotoren in der Autoindustrie oder für Laser von Kampfflugzeugen.Drei der Investoren kommen aus Festlandchina, zwei aus HongkongKlar ist: Die Mine soll von Canberra und Washington gefördert werden. Insgesamt liegen Kreditzusagen von der US-Export-Import-Bank sowie von Export Finance Australia über 230 Millionen US-Dollar vor. Das macht das Projekt zu einem Herzstück des Deals beider Länder vom Herbst – und ist der Grund, warum Australiens Regierung nun sechs Anteilseigner von Northern Minerals aus dem Unternehmen zu drängen versucht.Wie Finanzminister Jim Chalmers am Montag bekannt gab, hat er den sechs Investoren eine zwei Wochen dauernde Frist gesetzt, ihre Anteile an dem an Australiens Börse gelisteten Minenbetreiber zu verkaufen. Von denen haben drei ihren Sitz auf dem chinesischen Festland, zwei in Chinas Sonderverwaltungszone Hongkong, und einer auf den British Virgin Islands. Zusammen halten sie 17,6 Prozent der Anteile an Northern Minerals. Zuvor hatte das australische Foreign Investment Review Board Bedenken bezüglich der Großaktionäre angemeldet.Viel Freude hatten diese an der Aktie bisher nicht. Northern Minerals ist ein Pennystock. Der Kurs eines Anteilsscheins hat noch nie mehr als zehn australische Cent betragen. Bevor der Handel am Montag ausgesetzt wurde, lag der Aktienpreis bei zwei Cent. Wie viele Rohstoffförderer in Australien macht das Unternehmen in seiner Anfangszeit noch keinen Gewinn.Canberra vermutet, dass dies den sechs China zugeordneten Anteilseignern egal ist. Bereits vor zwei Jahren hat Finanzminister Chalmers angeordnet, dass – damals noch fünf – Anteilseigner ihre Anteile verkaufen müssten, aus Gründen der nationalen Sicherheit. Australien fürchtet, Chinas Regierung könne Einfluss auf Northern Minerals nehmen. Schließlich benutzt Peking seine Seltenen Erden als Druckmittel.