Die Konservativen haben in Andalusien die absolute Mehrheit verloren und brauchen nun die Rechtspopulisten zum Regieren. Damit setzt sich eine Serie fort: Es ist die vierte Regionalwahl in Spanien seit Ende 2025, in der die PP (Partido Popular) zwar stärkste Partei wird, aber von Vox abhängig ist, um regieren zu können. Andalusien hat dabei das größte politische Gewicht.Es handelt sich nicht nur um die flächenmäßig größte und bevölkerungsreichste autonome Region Spaniens, die fast vier Jahrzehnte lang die Hochburg der sozialistischen PSOE-Partei von Ministerpräsident Pedro Sánchez war. In Andalusien regiert seit 2018 mit dem Regionalpräsidenten Juan Manuel Moreno der wichtigste Vertreter des moderaten und pragmatischen Flügels der konservativen PP. Moreno hatte nie versucht, Vox mit populistischen Forderungen zu bekämpfen.Doch jetzt verlor die PP dort fünf Mandate und verfehlte knapp die absolute Mehrheit, die Moreno 2022 gewonnen hatte. Damals konnte er auf die Unterstützung der Rechtspopulisten verzichten, die er vier Jahre zuvor noch brauchte, um die Sozialisten nach 37 Jahren von der Macht in ihrer „Herzkammer Andalusien“ zu vertreiben. Schon in der Wahlnacht stellte die Vox-Partei, die nur ein Mandat dazugewonnen hatte, Bedingungen: Wie bei den Koalitionsverhandlungen in den anderen Regionen verlangt sie „nationale Priorität“ für Spanier. Einheimische sollen demnach bei staatlichen Leistungen, wie der Vergabe von Sozialwohnungen, Vorrang vor Migranten haben.Schmerzhafte Niederlage für die regierenden SozialistenVox konnte in Andalusien jedoch nur minimal von den leichten Verlusten der PP profitieren. Der Aufstieg der extremen Rechten, der im vergangenen Jahr zu beobachten war, hat sich deutlich verlangsamt. Aber auch in Andalusien kommen die rechten Parteien auf knapp 60 Prozent der Stimmen. Sie hätten aus heutiger Sicht gute Chancen auf die absolute Mehrheit bei der spanischen Parlamentswahl, die 2027 ansteht. Die PP wäre aber auch dann auf Vox als Koalitions- oder Tolerierungspartner angewiesen, denn große Koalitionen wie in Deutschland sind in Spanien unvorstellbar.Für die linke Minderheitskoalition von Pedro Sánchez bedeutet Andalusien eine besonders schmerzhafte Niederlage. Obwohl die bisherige Finanzministerin, die aus Andalusien stammende María Jesús Montero, als Spitzenkandidatin angetreten war, erzielte die PSOE-Partei (mit 28 Abgeordneten) ihr historisch schlechtestes Ergebnis mit weniger als den gut 50 Prozent, die die Sozialisten noch 2004 erhalten hatten.Auch das Linksbündnis, dem sein Koalitionspartner Sumar angehört, verlor Stimmen an die Linksnationalisten von „Adelante Andalucía“. Bei der Parlamentswahl setzt Sánchez nun wieder auf die Angst der Wähler vor einer nationalen Regierung, an der Vox beteiligt ist oder auf die sie großen Einfluss hat. 2023 gelang ihm auf diese Weise seine Wiederwahl, obwohl die PP damals stärkste Partei geworden war.