Die Regionalwahl in Andalusien stürzt Spaniens Konservative in ein DilemmaDer Partido Popular bleibt in den Regionen auf Erfolgskurs, verliert aber in Andalusien die absolute Mehrheit. Die nötigen Bündnisse mit der extremen Rechten werden zum Risiko bei der nationalen Wahl im nächsten Jahr.Florian Haupt, Barcelona18.05.2026, 15.45 Uhr4 LeseminutenIm Wahlkampf in Andalusien versuchte sich der konservative Kandidat Juanma Moreno Bonilla mit leiseren Tönen von der Konkurrenz am rechten Rand zu lösen. Das gelang nur teilweise.Marcelo del Pozo / ReutersIm Wahlkampf in Andalusien versuchte sich der konservative Kandidat Juanma Moreno Bonilla mit leiseren Tönen von der Konkurrenz am rechten Rand zu lösen. Das gelang nur teilweise.Jesus Merida / ImagoDie Konservativen haben die Regionalwahl in Andalusien gewonnen, strategisch aber könnten sie dennoch zu den Verlierern des Urnengangs in Spaniens bevölkerungsreichster Region gehören. Zwar gewann der Partido Popular (PP) mit 53 Mandaten beinahe so viele Sitze wie die Sozialisten (28), die Rechts-aussen-Partei Vox (15), die linke Regionalpartei «Vorwärts Andalusien» (8) und die Linksalternative «Für Andalusien» (5) zusammen – aber eben nur beinahe.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der PP verliert gegenüber 2022 fünf Mandate und verpasst die absolute Mehrheit damit um zwei Sitze. Das dürfte erhebliche Folgen für das nationale Panorama vor der nächsten landesweiten Wahl haben. Dann – voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027 – wollen die Konservativen den sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez ablösen, woran sie in der Vergangenheit immer wieder knapp gescheitert sind.Die Dominanz in Spaniens Regionen gilt als Machtbasis der Konservativen. Zuletzt reichten ihre Wahlsiege jedoch oft nicht mehr für eigene Mehrheiten. Ohne Unterstützung anderer Parteien regieren sie nur noch in Galizien, Madrid und La Rioja. Nun muss auch der konservative Wahlsieger in Andalusien, Juanma Moreno Bonilla, mit Vox verhandeln – so wie in diesem Jahr bereits seine Parteikollegen in Extremadura, Aragón und Kastilien-León.Im strategischen LabyrinthMoreno gilt als herausragender Vertreter des moderaten Flügels der PP, zu dem ursprünglich auch der Parteichef Alberto Núñez Feijóo gezählt wurde, ehe er sich im strategischen Labyrinth verfing.Die Mitte umgarnen und dafür die rechte Flanke weiter für Vox öffnen? Oder mit der Integration von Vox-Positionen verlorene Wähler vom rechten Rand zurückholen auf Kosten der im polarisierten Spanien traditionell wenigen, aber meist entscheidenden Wechselwähler im Zentrum? Je nach politischer Konjunktur laviert Feijóo seit Jahren zwischen diesen Optionen. Morenos 41,6 Prozent Stimmenanteil in Andalusien dürfen da immer noch als beachtlicher Erfolg gelten; zumal in historischer Perspektive.Spaniens südliche Region war jahrzehntelang die rote Festung schlechthin und die Wiege des PSOE-Establishments. Seit dem Ende der Diktatur bis 2018 regierten die Sozialisten ununterbrochen, meist mit absoluter Mehrheit. Erst im Zuge von Korruptionsskandalen, der Aufsplitterung des Zweiparteiensystems und der Empörung über die Duldung der Sánchez-Regierung durch katalanische und baskische Separatisten ging die Hegemonie verloren.Durchbruch von Vox in AndalusienAndalusien markierte auch den Beginn der Parlamentsgeschichte von Vox. Bei der Wahl 2018 schaffte die 2014 gegründete Partei dort erstmals den Einzug in ein Abgeordnetenhaus und verhalf Moreno mit ihren Stimmen damals ins Amt des Regionalpräsidenten. In Spanien fiel die in Deutschland vielzitierte «Brandmauer», ohne dass sie jemals wirklich errichtet worden wäre. Moreno kennt seinen Verhandlungspartner also bereits.Allerdings tritt Vox inzwischen erfahrener, organisierter und mit dem klaren Ziel auf, den PP vor sich herzutreiben. Im benachbarten Extremadura setzte die Rechts-aussen-Partei bei den Koalitionsverhandlungen vor wenigen Monaten einen Passus durch, wonach Bürger mit einer «realen, dauerhaften und verifizierbaren Verwurzelung» in der Region bei den öffentlichen Leistungen bevorzugt werden sollen. Inwieweit diese Absichtserklärung verfassungsrechtlich Bestand haben kann, muss die Praxis zeigen – der Europäische Gerichtshof erklärte zuletzt einen vergleichbaren Fall aus Italien zu einer illegalen Diskriminierung.Gleichwohl verkauft Vox die Massnahme unter dem Schlagwort «nationale Priorität» als neuen Hit – im wahrsten Sinne des Wortes: So lautete der Titel ihres Wahlkampfsongs in Andalusien.Nun dürfte der Begriff in den kommenden Monaten noch häufig fallen, denn Vox hat bereits angekündigt, ihn zur Grundlage der Verhandlungen mit Moreno zu machen. Zwar legte die Partei in Andalusien kaum zu: Mit 13,8 Prozent gewann sie gegenüber 2022 lediglich 0,3 Prozentpunkte hinzu. Ihr Einfluss aber wächst deutlich. Denn ohne Vox kann Moreno keine stabile Mehrheit bilden; eine Duldung durch andere Parteien gilt als ausgeschlossen. Für den 56-Jährigen ist es deshalb ein «ungemütlicher Sieg», wie die liberal-konservative Zeitung «El Mundo» schreibt.Auch auf nationaler Ebene ist der PP nun mehr denn je «an Vox gekettet», wie die linksliberale «La Vanguardia» kommentiert. Das Dilemma ist strukturell: Je mehr Vox konservative Landesregierungen stützt, desto glaubhafter kann Sánchez nächstes Jahr seinen eigenen Wahlkampfhit abspielen: die Warnung vor einer Rückkehr reaktionärer Kräfte an die Schalthebel des Königreichs. Ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der Diktatur ist das eine Vorstellung, die bis anhin immer noch genügend Spanier abschreckte, um ihm seine Mehrheiten zu sichern.Passend zum Artikel
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Der Partido Popular bleibt in den Regionen auf Erfolgskurs, verliert aber in Andalusien die absolute Mehrheit. Die nötigen Bündnisse mit der extremen Rechten werden zum Risiko bei der nationalen Wahl im nächsten Jahr.










