Glaubt man dem gemeinen Vorurteil, sind Pfauen zwar schön, aber stolz und eitel. Glaubt man den Einwohnern von Punta Marina, sind sie vor allem laut und lästig. Das Dorf an der italienischen Adriaküste, ein Ortsteil von Ravenna, ist derzeit regelmäßig in den italienischen Medien zu sehen, weil sich hier eine größere Zahl Pfauen angesiedelt hat. Sie spazieren durch Hinterhöfe und halten den Verkehr auf, sie hacken gegen glänzende Abluftrohre und zerkratzen Autos, sie machen Dreck, und zwar „alle 15 bis 20 Minuten“, wie ein Anwohner im Fernsehen klagte. Und sie schreien.Pfauenschreie, für alle, die nicht in Punta Marina wohnen und zuletzt wenig italienisches Radio gehört haben, klingen durchdringend und schrill, ein wenig wie Katzen auf Ecstasy. Von einer „Invasion“ sprechen einige in Punta Marina. Dabei sind die Tiere nicht plötzlich aufgetaucht, sondern haben sich in den vergangenen Jahren schlicht stark vermehrt. Wie viele Pfauen es überhaupt sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Lokalmedien sprechen von schätzungsweise etwa 100 Exemplaren, eine „wissenschaftliche Zählung“ solle jetzt Gewissheit bringen, heißt es. 2023 waren es der Stadtverwaltung Ravenna zufolge noch 40 Stück.Für einige Bewohner von Punta Marina ist die Pfauenobergrenze längst erreicht. Sie wollen, dass die Vögel wegkommen, egal wie. Eindrücklich auf den Punkt gebracht hat es eine Einwohnerin, die zum Internet-Meme geworden ist. Sie rief nur ein lang gezogenes Wort in die Fernsehmikrofone: „Bastaaaaa!“ Es klang einem Pfauenschrei nicht unähnlich.Andere Puntamarinesi, die weniger laut zu hören sind, pochen auf den Tierschutz und betonen, dass man lange friedlich mit den Pfauen koexistiert habe. Von Experten heißt es, ein Problem sei es, wenn die Tiere gefüttert würden. Womit die Menschen nicht ganz unschuldig sein dürften an der Misere.Noch lästiger als die Pfauen sind die ReporterDer Pfau hat also durchaus das Zeug zur Spaltung. Doch noch problematischer als das Tier an sich ist für einige inzwischen die mediale Aufmerksamkeit, die es mit sich bringt. Mittlerweile berichten italienische Medien schon darüber, dass selbst CNN über die Pfauen berichtet. Das Nachmittagsfernsehen schaltet regelmäßig nach Punta Marina. Reporterinnen, Schaulustige und Touristen reisen an. Sie spazieren durch Hinterhöfe und halten den Verkehr auf, sie stellen ihre Stative überall hin, sie filmen und fotografieren. Wie viel Dreck sie machen, ist nicht bekannt.Die Bewohner Roms dagegen haben mit einer anderen Spezies zu tun, die zuletzt vermehrt im Stadtgebiet gesichtet wird: Wildschweine. Ganze Wildschweinfamilien spazieren durch den Verkehr, als wollten sie nur mal eben auf einen Espresso in die Bar. Am Sonntag riefen Passanten in der Nähe des Vatikans die Polizei, nachdem sie ein kräftiges Exemplar gesichtet hatten. 25 Einsatzkräfte brachten das Tier dann in das nächstgelegene Naturschutzgebiet. Auch hier sind Experten sich einig, dass die Tiere keinesfalls gefüttert werden dürfen. Der Trost für die Römer: Wildschweine mögen zwar weniger schön sein als Pfauen, aber dafür weder stolz noch eitel. Sie sind anpassungsfähige Allesfresser, dürften damit rundum bodenständig sein und gewiss für alle außerhalb völlig uninteressant.
Pfauen an der Adria: Die Invasion von Punta Marina bringt Lärm und Dreck
In Punta Marina bei Ravenna sorgen etwa 100 Pfauen für Lärm und Dreck und spalten die Bevölkerung. Womöglich sind die Medien aber das größere Problem.













