Als die ersten Videos über die aufgebrachten Anwohnerinnen und Anwohner von Punta Marina in sozialen Medien auftauchten, ahnten sie wohl nicht, dass ihr Protest bald auch internationale Schlagzeilen machen würde. Für sie beginnt der Ärger seit Wochen oft vor Sonnenaufgang: Dann schreien die Pfauen, springen auf Autos, laufen über Dächer und hinterlassen Kot auf Terrassen und Balkonen. In dem Badeort an der italienischen Adriaküste ist aus einer exotischen Attraktion ein Ärgernis geworden, über das nun der ganze Ort streitet.Seit Jahren leben Pfauen in Punta Marina, einem Lido an der Adriaküste bei Ravenna. Lange hielten sie sich vor allem im weitläufigen Pinienwald hinter dem Ort auf; für viele Urlauber galten die Tiere als exotische Attraktion des Badeorts. Dann kam der Corona-Lockdown, der in Italien besonders strikt war. Während Straßen und Ferienanlagen leerer wurden, zogen die Tiere häufiger durch die Wohngebiete. Die wenigen Menschen, denen sie begegneten, fütterten sie offenbar. So gewöhnten sich die Pfauen an Häuser, Gärten und Straßen – und aus den ursprünglich geschätzten 40 Tieren wurden nach und nach deutlich mehr. Inzwischen ziehen nach Schätzungen rund hundert Pfauen durch den Ort.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Für viele Bewohner ist die Grenze damit erreicht. Die Tiere sind laut, besonders in der Paarungszeit. Sie hinterlassen Kot auf Grundstücken, in Gärten und auf Autos, beschädigen Dächer und Motorhauben und können auf Straßen zur Gefahr werden. Manche Bewohner sprechen inzwischen offen von einer „Invasion“. Die ganze Stadt sei zur Geisel geworden, klagen einige von ihnen. Meloni-Partei kritisiert lokale Behörden Zumindest einige. Andere Bewohner und zahlreiche Tierschützer halten genau diese Wortwahl für Teil des Problems. Sie werfen Medien vor, vor allem die lautesten Beschwerden zu verstärken. Von einer „Invasion“ könne keine Rede sein, behaupten Experten wie etwa der Wissenschaftsjournalist Marco Ferrari. Pfauen seien keine gefährlichen Tiere und keine Plage im eigentlichen Sinn. Sie könnten Schäden verursachen und aggressiv reagieren, wenn man sie störe. Viele Probleme entstünden zudem – wie so oft – erst durch Menschen, die Tiere trotz Verbots füttern und sie so an Häuser, Straßen und Gärten gewöhnen.Das Dorf ist darüber gespalten. Die einen wollen vor allem Ruhe, weniger Kot und weniger Schäden. Die anderen ärgern sich, dass ausgerechnet die Pfauen nun zum Problem erklärt werden, nachdem Menschen sie jahrelang gefüttert und in den Ort gelockt haben. Für sie ist nicht das Tier die Plage, sondern der Umgang mit ihm. Was alles noch komplizierter macht: Die Pfauen bringen dem Ort inzwischen auch Aufmerksamkeit. Seit die Videos kursieren, reisen Besucher nach Punta Marina, fotografieren die Tiere und teilen die Bilder weiter. Wie es weitergeht, ist unklar. Nun greift auch die Partei von Giorgia Meloni den Fall auf. Fratelli d’Italia wirft der von Bürgermeister Alessandro Barattoni und dem Partito Democratico geführten Stadtverwaltung von Ravenna vor, den Ärger in Punta Marina zu lange hingenommen und den Alltag der Bewohner zu lange ignoriert zu haben.De Stadt prüft inzwischen eine Zählung der Tiere und mögliche Umsiedlungen. Bis eine Lösung gefunden ist, beginnt der Streit für viele Bewohner wohl jeden Morgen neu – kurz vor Sonnenaufgang.
Invasion der Pfauen: Ein italienischer Badeort verzweifelt an seinen schönsten Vögeln
An einem Urlaubsort an der Adriaküste ist aus einer exotischen Attraktion ein Ärgernis geworden, über das nun der ganze Ort streitet.











