Todesstrafe: Die Zahl der Hinrichtungen hat massiv zugenommen, mit Iran als deutlichem TreiberDie Zahl der dokumentierten Hinrichtungen ist 2025 laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International um 78 Prozent gestiegen. Das tatsächliche Ausmass lässt sich kaum beziffern – Tendenz steigend.18.05.2026, 11.58 Uhr4 LeseminutenNicht nur wegen schwerer Verbrechen wie Mord: Einige Länder wenden die Todesstrafe bei Drogendelikten oder wegen politischen Widerstands an.Christoph Hardt / ImagoDie Mehrheit der Länder haben die Todesstrafe abgeschafft und anerkennen das Recht auf Leben. Doch in seltenen Fällen bleiben Hinrichtungen an der Tagesordnung. So etwa in Iran.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im vergangenen April vermeldete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International vier Hinrichtungen in weniger als 24 Stunden. Anfang dieses Monats drangen aus Teheran beunruhigende Berichte an die Öffentlichkeit: Irans Regime nutzte die Waffenruhe im Krieg gegen Israel und die USA, um im Innern seine Gegner zu beseitigen. Die Erhängungen, meist im Morgengrauen, sind Teil einer Welle von Hinrichtungen, die seit der Protestbewegung von 2022 anhält. Die Regime-Schergen richteten in Iran im Schnitt rund sechs Personen pro Tag hin.Das besagt die neuste Statistik, die Amnesty International am Montag veröffentlicht hat. 2025 wurden weltweit 78 Prozent mehr Menschen im Vergleich zum Vorjahr mittels Todesstrafe getötet. So viele Fälle gab es seit 1981 nicht mehr. In konkreten Zahlen waren es 2707 Personen in 17 Nationen, wobei 2159 Hinrichtungen nur auf Iran abfallen.Laut Amnesty International tötete die Islamische Republik 2025 mehr als doppelt so viele Menschen mit Hinrichtungen wie noch 2024. «In Iran können wir derzeit auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten», sagt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland.In mehreren Ländern fast doppelt so viele FälleDoch nicht nur Iran wies im vergangenen Jahr höhere Zahlen auf. Wie im Amnesty-Bericht festgehalten ist, gehe der Anstieg auf eine kleine Gruppe von Staaten zurück. So wies auch Saudiarabien mit mindestens 356 Hinrichtungen einen hohen Wert auf, häufig im Zusammenhang mit Drogendelikten. In Kuwait stiegen die Fälle von 6 auf 17 und waren somit fast dreimal so hoch wie im Vorjahr. In mehreren Ländern verdoppelten sie sich fast innerhalb eines Jahres wie etwa in Ägypten (von 13 auf 23), Singapur (von 9 auf 17) und den USA (von 25 auf 47).Der Anstieg in den USA geht auch mit der zweiten Amtsübernahme von Präsident Donald Trump Anfang 2025 einher. Am Tag seiner Vereidigung unterzeichnete er die erste von zwei Durchführungsverordnungen. Mit der Todesstrafe sollten die Menschen in den USA «vor Vergewaltigern, Mördern und Monstern» geschützt werden. Generalstaatsanwältin Pam Bondi hob darauf das Hinrichtungs-Moratorium der Biden-Regierung per sofort auf. Zudem wies Bondi die Bundesstaatsanwälte an, in allen möglichen Fällen die Todesstrafe zu beantragen.Hohe Dunkelziffer in ChinaZu den allgemein gestiegenen Zahlen kommt das grosse Fragezeichen China, wo Daten zur Todesstrafe ein Staatsgeheimnis sind. Aber die Schätzungen von Amnesty International gehen in die Tausende. China bleibe das Land mit den meisten Hinrichtungen weltweit, schreibt die Menschenrechtsorganisation in ihrer Medienmitteilung zur neusten Statistik. Sie bezeichnet die weltweit gestiegenen Zahlen als «besorgniserregenden Rückschritt, der nicht unbeantwortet bleiben darf».Länder wie China, Iran oder Nordkorea würden die Todesstrafe gezielt dazu einsetzen, um abweichende Meinungen zu unterdrücken und ihre Macht über benachteiligte und marginalisierte Gruppen zu demonstrieren, verurteilt Amnesty International.Hälfte der Hinrichtungen betrifft DrogendelikteMehrere Länder setzen die Todesstrafe als abschreckendes Mittel ein, um Drogen zu bekämpfen. Mit 46 Prozent standen im vergangenen Jahr fast die Hälfte der bekannten Hinrichtungen im Zusammenhang mit Drogendelikten. «Die Todesstrafe verletzt die Würde des Menschen immer in ihrem Kern. Doch Menschen für Straftaten wie Drogendelikte hinzurichten, ist zusätzlich ein klarer Bruch des Völkerrechts», so Duchrow von Amnesty Deutschland.Diese Tendenz dürfte steigend sein. So verschärften Nationen wie Algerien, Kuwait oder die Malediven ihre Gesetze im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Drogen und weiteten die Todesstrafe aus.Auch Terrorismus im FokusDie Menschenrechtsorganisation macht darauf aufmerksam, wie auch in Bezug auf andere Tatbestände härtere Gesetze in Arbeit sind. Burkina Faso plant, die Todesstrafe bei Hochverrat, Terrorismus und Spionage wiedereinzuführen. In Nigeria werde geprüft, terroristische Aktivitäten mit Hinrichtungen zu bestrafen. Indonesien, China, Nordkorea, Myanmar: All diese Staaten kommen im Amnesty-International-Bericht als Länder vor, in denen die Todesstrafe ausgeweitet werden soll.Auch mehrere US-Gliedstaaten verabschiedeten Gesetzesänderungen, um die Todesstrafe leichter anzuwenden. So wurden in acht Gliedstaaten 17 Gesetzesvorlagen verabschiedet, doppelt so viele wie im Jahr 2024.Vor wenigen Monaten überraschte auch das israelische Parlament, als es die Todesstrafe für Terroristen einführte. Das Gesetz ist so formuliert, dass de facto ausschliesslich Palästinenser davon betroffen sind. Die diskriminierende Vorlage des rechtsextremen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir sorgte international für Kritik.«Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit. Dass immer noch Regierungen darauf setzen, zeigt eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben», sagt Duchrow von Amnesty Deutschland.Weissrussland als positives BeispielTrotz dem deutlichen Anstieg von Hinrichtungen weist Amnesty International auch auf Fortschritte hin. Staaten, die die Todesstrafe anwenden, würden zunehmend isoliert – wobei das weder auf China noch auf die USA zutrifft. Weissrussland habe im Jahr 2025 erstmals in der 31-jährigen Amtszeit von Präsident Alexander Lukaschenko weder ein neues Todesurteil verhängt noch eines vollstreckt.Positiv ist laut Amnesty, dass die Zahl der Länder stabil geblieben ist, die die Todesstrafe anwenden. Seit 2018 waren dies jeweils höchstens zwanzig Nationen. In 113 Staaten ist die Todesstrafe gänzlich abgeschafft. In weiteren 32 wird sie nicht mehr angewandt, obwohl sie gesetzlich für einzelne Fälle noch zulässig wäre.Mit Agenturmaterial.Passend zum Artikel
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