Wenn der Nacken schmerzt und der Kopf dröhnt, obwohl ihr eigentlich nur acht Stunden am Schreibtisch gesessen habt, könnte das Problem tiefer liegen als in einer schlechten Haltung. Es könnte ein grundlegendes Missverhältnis zwischen eurer Biologie und der modernen Welt sein. Zu diesem Schluss kommen zwei Anthropologen in einer umfassenden Analyse, die nahelegt, dass unsere körperliche Hardware schlicht nicht für das moderne Software-Update namens Industrialisierung ausgelegt ist.Anzeige

Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachjournal Biological Reviews. Darin argumentieren Colin Shaw von der Universität Zürich in der Schweiz und Daniel Longman von der Loughborough University im britischen Leicestershire, dass die Geschwindigkeit der technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrhunderte unsere biologische Anpassungsfähigkeit überholt hat. Das Phänomen bezeichnen sie als „Environmental Mismatch Hypothesis“, also die Hypothese der evolutionären Fehlanpassung.

Der Löwe, der niemals geht

Das zentrale Problem liegt laut den Wissenschaftlern in der Art und Weise, wie unser Körper Stress verarbeitet. In unserer evolutionären Vergangenheit war Stress meist akut und überlebenswichtig. „In unserem angestammten Zustand waren wir gut angepasst, um mit akutem Stress umzugehen, um Raubtieren auszuweichen oder sie zu konfrontieren“, erklärt Colin Shaw. „Kampf oder Flucht. Der Löwe kam gelegentlich vorbei, und man musste bereit sein, sich zu verteidigen – oder wegzulaufen.“Anzeige