Israel und der ESC: Keine Lust mehr auf Kulturkampf

Die Bulgarin Dara gewinnt mit einem überzeugenden Popsong. Doch dass Israel Platz zwei holte und Publikumsliebling war, ist die eigentliche Sensation.

Vom Publikum an die Spitze gewählt: der israelische Sänger Noam Bettan

D ass es in der frühen Sonntagnacht in der Wiener Stadthalle über alle international geschalteten Mikrofone zu deutlich hörbaren „Bulgaria, Bulgaria“-Rufen kam, ist nicht als antiisraelisch zu werten. Es ging nur noch darum, ob die aus Varna stammende Popchanteuse Dara den 70. Eurovision Song Contest gewinnt – oder der Israeli Noam Bettan. Dieser lag bis zur allerletzten Wertung auf dem ersten Platz: Würde sie, die erst in der Probenwoche von Wien anzeigte, wie hungrig sie mit ihrem Lied „Bangaranga“ auf einen der allerersten Plätze war, gar gewinnen?

Sie tat es – und bekam auch vom Televoting, der Publikumsabstimmung in den 35 Teilnahmeländern, die allermeisten Punkte: Erstmals seit 2017 gab es also eine ESC-Siegerin, die sowohl die Jurys als auch das Publikum am stärksten überzeugte.