Der Wal ist tot. Aber die Menschen, die sich um ihn gesorgt haben, leben. Und haben die Chance, Wal- und Artenschutz nicht als Event zu zelebrieren.

L iebe Trauergemeinde, nun ist er also von uns geschwommen in den ewigen Ozean der Zeit. Timmy/Hope/der Wal ist tot. Er hinterlässt 80 Millionen Trauernde, Trauerkritiker sowie einen verzweifelten Medienbetrieb, der sich jetzt wieder Irankrieg, Energiekrise oder Brandmauer zuwenden muss.

Unser besonderes Mitgefühl gilt den engsten Angehörigen, also den „Bild“-Reportern vorort, die nun keine Spesenabrechnung mehr einreichen können, um ihrer Neigung zu Tagebuchkitsch zu frönen: „Es war still, fast idyllisch, und doch lag eine bedrückende, beinahe friedhofsartige Ruhe über der sogenannten Kirchsee in der Wismarbucht. Als die Dämmerung über die Insel Poel hereinbrach, war nur leises Vogelgezwitscher und in der Ferne das Muhen der Rinder zu hören.“

Jetzt hingegen: Möwengeschrei und das Schweigen der Rinder. Alle News-Blogs und Live-Streams (wiederum bild.de: „Du guckst es doch auch!“) werden abgeschaltet. Passend zum Eurovision Song Contest wartete man eigentlich nur noch auf die Rückkehr von Alexandra: Mein Freund, der Wal, ist tot / er sank im frühen Morgenrot.