PfadnavigationHomeWissenschaftOstsee-Drama„Wal lebt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr“ – Meeresmuseum stuft Rettung als gescheitert einVeröffentlicht am 05.05.2026Lesedauer: 4 MinutenUm den Buckelwal Timmy gibt es widersprüchliche Informationen: Während das Deutsche Meeresmuseum von seinem Tod ausgeht, meldet die Wahlretterinitiative aktuelle Tracker-Signale. WELT-Reporter Gerrit Schröder berichtet.Der Buckelwal wurde am Wochenende freigelassen. Doch Experten des Deutschen Meeresmuseums sagen: Das Tier lebt höchstwahrscheinlich nicht mehr. Daten eines Trackers, der am Wal befestigt war, sind bislang geheim.Der Verbleib des am Samstag in der Nordsee ausgesetzten Buckelwals ist weiterhin ungeklärt. Das Deutsche Meeresmuseum hat nun aber eine deutliche Einschätzung veröffentlicht – und geht davon aus, dass das Tier ertrunken ist.„Da sich der Wal in einem extrem geschwächten Zustand befand und nach früheren Rettungsversuchen innerhalb kurzer Zeit immer wieder strandete, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen, und nicht mehr lebt“, teilte das Museum am Dienstag mit. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Da es keine Daten zu dem Tier gebe, müsse die Rettungsmission als gescheitert angesehen werden, sagte eine Sprecherin des Meeresmuseums der Zeitung.Weder dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern noch dem Museum liegen demnach Daten des Trackers vor. Wie die „FAZ“ berichtet, konnte eine Sprecherin des Umweltministeriums daher die Frage, ob der Wal noch lebt, nicht beantworten. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) forderte die Initiative zur Offenlegung der Daten auf.Zwar sprach der Minister mit Blick auf die Einschätzungen des Museums von „Spekulationen“, denen er sich „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht anschließen wolle. Er sei allerdings der Auffassung, dass „die relevanten Daten zum Wal zügig vorgelegt und die offenen Fragen aufgeklärt werden müssen“. Dies sei im Vorfeld mit der Initiative vereinbart worden. Er erwarte, die Informationen zeitnah zu erhalten.Lesen Sie auchDas Meeresmuseum wertete Drohnenaufnahmen vom 2. Mai, in denen das Tier in der Nordsee Luft ausblies und tauchte, als letzte Lebenszeichen. Das müsse aber nicht unbedingt ein Zeichen für einen guten, gesundheitlichen Zustand des Tieres sein. So habe das Tier vermutlich unter Adrenalin gestanden, sagte eine Sprecherin des Museums. Durch den Transport sei das Tier zusätzlich wohl sehr geschwächt gewesen. Während des Transports in der sogenannten Barge sei der Wal auch wiederholt an die Wand gedrückt worden, so die Sprecherin weiter. Museum fordert Offenlegung der Tracker-Daten Um Klarheit um den Verbleib des Tieres zu schaffen, fordert das Museum das Walretter-Team auf, das exakte Modell des Trackers, Ort und Art der Befestigung sowie die übermittelten Rohdaten – und im besten Fall die Liveübertragung – offenzulegen. „Verifizierbare Informationen über den Zustand des Wals sind nicht nur von großem wissenschaftlichem und öffentlichem Interesse, sondern sollten im Eigeninteresse der privaten Initiative erfolgen, um nachweisen zu können, ob die Rettungsmission für den Buckelwal Erfolg hatte“, so die Sprecherin zur „FAZ“. Lesen Sie auchZuvor hatten auch andere Experten Zweifel an der Aussagekraft der Tracker-Daten geäußert. Konkret ging es um die Frage, ob der Sender Vital- oder Ortszeichen des Tieres verschicke. Zwar sei das konkrete Modell nicht bekannt, ein GPS- oder Satellitentracker liefere aber üblicherweise keine Vitalzeichen im medizinischen Sinne, hieß es vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). „Echte Vitalparameter würden spezielle Sensorik voraussetzen.“ „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit“, betonte der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus. Auch Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace hatte betont, ein GPS-Tracker erfasse und übermittle keine Vitaldaten. Rettungs-Initiative hält Details zum Tracker geheimWelcher Sendertyp konkret verwendet worden sein soll, hatten auf Anfrage weder die Initiative, Jeffrey Foster vom beteiligten Whale Sanctuary Project noch das in die Prüfung der Aktion eingebundene Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns mitgeteilt. Nach Angaben der Kleintierärztin Kirsten Tönnies von der Privatinitiative wurde der Tracker am Tier festgeschraubt. Üblicherweise werde der Sender mittels Durchstich an der Rückenfinne befestigt, da er nur an der Wasseroberfläche, also oben am Tier angebracht, Daten liefere, erklärte der Meeresbiologe Boris Culik, früher beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Ein so befestigter Tracker könne gar keine Vitaldaten wie Herz- und Atemfrequenz ermitteln, erklärte Maack.Lesen Sie auchGetestet worden sei der Tracker vor dem Freisetzen nicht noch mal, hatte Tönnies auch gesagt. Aus Expertensicht ist das sowohl unüblich als auch unverständlich. „Eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz wäre aus fachlicher Sicht üblich und zu erwarten gewesen“, hieß es vom ITAW. Madsen teilte mit: „Es ist ziemlich amateurhaft, den Sender nicht zuerst zu testen.“ Dass er nicht funktioniert, hätte demnach spätestens nach der Installation am Tier auffallen müssen.Die Allgemeinheit soll das Schicksal des Wals ohnehin nicht verfolgen können: Die Informationen würden nur den Teammitgliedern und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Initiative vor der Freisetzung erklärt. Es sei „sehr seltsam und unprofessionell“, solche Informationen nicht öffentlich zugänglich zu machen, meint Meeresbiologe Madsen.Der mehrfach an Ostsee-Küsten gestrandete Buckelwal war am Samstagmorgen im Meer freigelassen worden. Der im Atlantik heimische Säuger irrte seit Anfang März vor der deutschen Ostsee-Küste umher und strandete mehrfach. Zuvor hatte er sich offensichtlich in Netzen verfangen, deren Reste er im Maul trug. Rund vier Wochen lang lag er in einem Seitenarm der Wismarer Bucht bei der Insel Poel auf Grund.jho/saha mit dpa
„Timmy“: „Wal lebt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr“ – Meeresmuseum stuft Rettung als gescheitert ein - WELT
Der Buckelwal wurde am Wochenende freigelassen. Doch Experten des Deutschen Meeresmuseums sagen: Das Tier lebt höchstwahrscheinlich nicht mehr. Daten eines Trackers, der am Wal befestigt war, sind bislang geheim.








