KommentarDie «Robomobber» kommen – oder warum die Politik die Angst vor KI ernster nehmen mussDen Wettlauf mit der Maschine empfinden immer mehr Menschen als Existenzkampf. Erste Lieferroboter werden attackiert, KI-Projekte sabotiert. Doch die Politik schweigt zur grössten Herausforderung für den Arbeitsmarkt aller Zeiten – und hofft blind auf den Dampfmaschinen-Effekt.17.05.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenNiemand verkauft dir so bunte Halluzinationen, entwertet deine Fähigkeit zu denken so charmant. Die künstliche Intelligenz beharrt nicht auf ihren Positionen, möchte immer nur helfen, regt gar Liebe und Libido an. Und nebenbei löscht sie schon mal ganze Datenbanken, entschuldigt sich im Nachhinein und hilft dabei, die digitale Sauerei wieder aufzuwischen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Tatsächlich schleimt keiner besser als die KI. Noch nie kam eine technologische Revolution so nett daher. Und doch ahnen immer mehr Menschen, dass hinter der simulierten Freundlichkeit die Zäsur ihres Lebens lauert. Was wie Zugewandtheit wirkt, ist nur wertfreie Exekution von Wahrscheinlichkeiten, die vieles im Dasein toller oder toxischer machen könnte, so genau weiss das heute keiner. Die Szenarien oszillieren zwischen Machtmissbrauch, Massenarbeitslosigkeit, Megaproduktivität und medizinischen Wundern. Heerscharen KI-gesteuerter Roboter demonstrieren im Netz, wie sie dem Menschen zu Hause und in der Fabrik bald alle Arbeit abnehmen – und seine Würde gleich mit?Nun regt sich Widerstand. Die Anhänger des «Robomobbings» demolieren Lieferroboter und füttern KI-Projekte mit falschen Daten. Sie fragen sich, warum sie der Maschine menschliche Fähigkeiten antrainieren, ihrem Metzger das Messer in die Hand geben sollen. Neu ist das allerdings nicht. Maschinenstürmer gehören zum Fortschritt wie das Versprechen einer besseren Zukunft. In der Industrialisierung verloren durch die dampfbetriebene Mechanisierung viele Facharbeiter ihren Job und wurden durch schlechtbezahlte Ungelernte ersetzt. Die Zerstörung der Maschinen galt als Protestmittel der Wahl.Am Ende schuf jedoch jede technologische Revolution mehr neue Jobs, als sie alte vernichtete. Dass sich die Geschichte mit der künstlichen Intelligenz genauso wiederholt, hoffen insgeheim viele. Dann würde sich der Kollateralschaden auf die Transformationsopfer in der Statistik der Langzeitarbeitslosen beschränken. Doch was, wenn nicht? Was, wenn diese Technologie den Arbeitsmarkt implodieren lässt? Auch in der Schweiz besitzt die Politik nicht einmal den Ansatz einer Antwort auf solch ein Worst-Case-Szenario. Diese Planlosigkeit könnte der Fortschrittsfeindlichkeit noch mehr Auftrieb verleihen. Das wäre fatal für ein Land, dessen KI-Forschung zu den besten gehört.Die Techkönige von Open AI und Co. reagieren hingegen bereits auf den Abwehrreflex beim Fussvolk. Nach der Dauer-PR für das bedingungslose Grundeinkommen holen sie sich jetzt Hilfe von weit oben. Religion ist Opium fürs Volk, wissen nicht nur Karl-Marx-Jünger, sondern auch ihre Klassenfeinde. Vor wenigen Tagen trafen in New York KI und Kirche aufeinander. Das Silicon Valley will zusammen mit Religionsvertretern moralische Leitlinien für seine Maschinen diskutieren. Das elfte Gebot «Du sollst kein Copyright verletzen und keine Jobs vernichten» dürfte aber nur ein frommer Wunsch der Politik bleiben. Die KI ist nett, aber nicht naiv.Ich wünsche Ihnen weiterhin ein fortschrittliches Wochenende.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Die «Robomobber» kommen – oder warum die Politik die Angst vor KI ernster nehmen muss
Den Wettlauf mit der Maschine empfinden immer mehr Menschen als Existenzkampf. Erste Lieferroboter werden attackiert, KI-Projekte sabotiert. Doch die Politik schweigt zur grössten Herausforderung für den Arbeitsmarkt aller Zeiten – und hofft blind auf den Dampfmaschinen-Effekt.









