Startseite

Politik

Deutschland

Bundesregierung: Auch die hier sind leider nur Klempner der Macht Olaf Scholz könne es nicht, hat Friedrich Merz einmal gedonnert. Aber kann seine Regierung es besser? Nach dem jüngsten Koalitionsausschuss kommen neue Zweifel auf. Ein Kommentar.

KOMMENTAR von Max Haerder 13.05.2026 - 15:03 Uhr CSU-Chef Markus Söder, Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sowie Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister (v.l.n.r.) Foto: IMAGO/Bernd ElmenthalerErinnern Sie sich noch an Jacob Schrot? Während des Antrittsbesuchs von Friedrich Merz bei Donald Trump im vergangenen Sommer saß ein recht junger Mann direkt neben dem Kanzler auf dem Sofa im Oval Office. Das war Schrot, der Leiter des Kanzlerbüros. War, das muss man betonen. Zum Jahreswechsel, nach kaum mehr als acht Monaten im Dienst, verlor er seinen Job.Schon damals rangen verschiedene Deutungen miteinander, wer für die suboptimalen ersten Regierungsmonate bis Weihnachten die meiste Verantwortung trug. Jens Spahn, der CDU‑Fraktionschef? Thorsten Frei, der Kanzleramtsminister?Bundesregierung Die mächtigen Unbekannten – das macht Merz' Büro-Chefwechsel so spannend Friedrich Merz tauscht seinen Büroleiter aus. So eine Rochade ist in der Hauptstadt keine Kleinigkeit. Einige in der CDU hoffen jetzt auf die Wirtschaftswende – vielleicht zu früh. von Max Haerder und Benedikt Becker„Im Hinterzimmer der Macht muss nicht jeder alles machen; es muss klar sein, wer was macht“, gab ein CDU-Veteran mit jahrelanger Regierungs-Nahkampferfahrung zu Protokoll. Seine Lesart: Es ist unter Merz leider gar nicht klar. Es traf dann Schrot, den ohne Hausmacht in der Partei.Ob Entlastungsprämie oder Tankrabatt: Die Absichten sind gut, die Ergebnisse nichtNach etwas mehr als einem vollen Jahr dieser Bundesregierung lässt sich allerdings bilanzieren: Der Einzige, der heute stärker denn je wirkt, ist Spahn. Dieser Mann ist keine Katze mit neun ­Leben. Eher ein geschmeidiger, listiger Panther mit 99. Alle anderen, den Kanzler eingeschlossen? Tja. Puh. Hm.Dieser ­Regierung unterlaufen immer noch sehr viele handwerkliche Fehler. Sie wirkt matt, desorientiert, oft ratlos, manchmal gereizt. Sie sucht nach Aufbruch und Befreiungsschlägen – und findet sie nicht.Weil in der Hauptstadt allerdings gerade sehr viel darüber geredet wird, ob die Härte der Kritik (auch und gerade der journalistischen) zu oft in Häme hinabgleitet, sei hier eines gesagt: Die meisten, die in Berlin Politik gestalten, sind nicht nur ehrgeizig oder geltungsbedürftig, sondern vor allem fleißig und am Wohl des Landes interessiert. Ja, wirklich.Bundesregierung 365 Tage. So lang. So schwer. Ein Jahr ist die große Koalition im Amt. Was sie bisher an Entscheidungen getroffen hat, überzeugt nicht. Und die großen Reformen kommen erst noch. Eine Bilanz. von Max HaerderMan hat das Bedürfnis, dies vorwegzuschieben, weil es zurzeit wieder so viel Anlass zur Kritik gibt, dass man die guten Absichten schnell übergeht und übersieht.Friedrich Merz und die großen ReformenMan hört es. Und doch fehlt einem der Glaube. Nicht, weil nicht die meisten Beteiligten das Gute wollen. Sondern weil die Fliehkräfte mittlerweile Überhand nehmen. Die einen wollen endlich mal ohne die ewige SPD regieren. Die anderen trauen Merz bis heute nicht über den Weg. Wie viele wohl ein SPD-Parteibuch in der Tasche hatten, als sie den Kanzler auf dem DGB-Bundeskongress ausbuhten?Er sei ein „Klempner der Macht“, hat Merz einmal über Olaf Scholz gesagt. „Sie können es nicht.“ Da dachte er wirklich noch, er könne es besser. Überhaupt besitzt dieser Kanzler ein großes Talent für Sätze, die mit Macht auf ihn zurückfallen. Mittlerweile steht er selbst knietief im Wasser. Und niemand stoppt den Rohrbruch.Zur Startseite