Über 250 verschiedene Rebsorten sind in der Schweiz zu finden. Ich stelle fünf Spezialitäten vor, die eigenständige und hochwertige Weine ergeben.Kleines Weinland, grosse Rebsorten-Vielfalt: Auf knapp 15 000 Hektaren werden hierzulande über 250 verschiedene Trauben kultiviert. Allerdings machen fünf Varietäten rund drei Viertel der Rebfläche aus: Pinot noir, Chasselas, Gamay, Merlot sowie Müller-Thurgau.Was indessen das Weinland Schweiz einzigartig macht, sind Spezialitäten, die ausschliesslich in unseren Breitengraden angepflanzt werden. Wir haben vier ursprüngliche Sorten sowie eine neue Kreuzung ausgesucht, die für eigenständige und exzellente Weine stehen. Davon zeugt ein entsprechendes Beispiel eines Top-Weinguts.CompleterEs handelt sich um eine sehr alte Rebsorte aus der Region Malans im Kanton Graubünden. Der Name stammt wahrscheinlich vom Completorium, dem lateinischen Namen für das abendliche Gebet der Mönche. Completer hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, beträgt doch die Rebfläche bereits 17 Hektaren, wie der weinwirtschaftlichen Statistik 2025 des Bundesamtes für Landwirtschaft zu entnehmen ist.Completer-Weine haben laut dem Buch «Schweizer Rebsorten» von José Vouillamoz das grösste Lagerpotenzial unter den Gewächsen der Schweiz. Sie sind kräftig, üppig, besitzen eine hohe Säure und oft einen hohen Alkoholgehalt. Ein hervorragendes Beispiel ist der Completer Solera des Weinguts Obrecht aus der Bündner Herrschaft. Wegen der hohen Nachfrage wird der Wein (Preis auf Anfrage) zugeteilt. Um eine Flasche zu ergattern, muss man sich registrieren lassen.RäuschlingRäuschling ist wie Completer ausschliesslich in der Schweiz zu finden, namentlich im Kanton Zürich. Gemäss dem Rebsortenforscher Vouillamoz hat die Traube ihren Ursprung im deutschen Rheintal, wo sie im Jahr 1546 möglicherweise unter dem alten Namen Drutsch erwähnt wurde. Heute sind damit rund 29 Hektaren Rebfläche bepflanzt.Die Weissweine zeigen sich nicht allzu schwer, frisch und überaus langlebig, wie der Räuschling Seehalden des Weinguts Schwarzenbach vom Zürichsee beweist. Die Spezialität gehört zur Schatzkammer der Winzervereinigung Mémoire des Vins Suisses. Aufgenommen werden nur Weine, die mindestens zehn Jahre reifen können. Das schafft der Seehalden problemlos. Den 2024er gibt es für 34 Franken; über schwarzenbach-weinbau.ch.LafnetschaIm Wallis sind zahlreiche Exoten zu finden, etwa Lafnetscha. Lediglich 2,6 Hektaren beträgt der Bestand. Es handelt sich um eine natürliche Kreuzung zwischen der Humagne aus dem Wallis und Completer.Die Rarität wurde 1627 zum ersten Mal unter dem Namen Lachneschen erwähnt. Der wichtigste und beste Produzent ist zweifellos das Weingut Chanton in Visp. Darin sind sich alle Kenner einig. Der Weisswein ist aromatisch vielfältig, komplex am Gaumen und besitzt eine relativ hohe Säure. Das ermöglicht eine längere Lagerung. Man versuche den Lafnetscha 2023 von Chanton. 29 Franken; direkt über chanton.ch.BondolaDie Sorte ist im Tessin beheimatet, verliert aber tendenziell an Bedeutung. Nur noch acht Hektaren Rebfläche sind laut Statistik vorhanden. Bondola wurde 1785 zum ersten Mal als «feine Rebsorte» erwähnt. Die Fahne für diese seltene Varietät hält vor allem die Azienda Mondò in Sementina hoch. Ihr Bondola del Nonu Mario ist denn auch Teil des Mémoire. Der Wein ist fruchtig, dicht, mit feinen Gerbstoffen, besitzt eine gute Säure und hat einen leicht herben Abgang. Der aktuelle Jahrgang 2023 kostet 23 Franken; über aziendamondo.ch.DiolinoirIm Gegensatz zu den vier erstgenannten Sorten ist Diolinoir eine relativ neue Kreuzung, und zwar aus Robin noir und Pinot noir. Sie wurde 1970 durchgeführt. Wie Vouillamoz in seinem Buch schreibt, wurde die Traube zuerst vor allem in Verschnitten dafür verwendet, um die Farbe des Weins zu intensivieren. Heute wird Diolinoir aber auch reinsortig ausgebaut und ist zunehmend beliebter bei Winzern und Konsumenten.125 Hektaren sind damit bestockt, vorwiegend im Wallis. Ein gelungenes Beispiel keltert aber auch das Weingut Le Petit Château am Murtensee, wie der farbintensive, mittelschwere Diolinoir 2021 zeigt. 36 Franken; über lepetitchateau.ch. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Fünf rare Rebsorten aus der Schweiz und ihre Weine
Über 250 verschiedene Rebsorten sind in der Schweiz zu finden. Ich stelle fünf Spezialitäten vor, die eigenständige und hochwertige Weine ergeben.









