PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHamburgs Bewerbung„Sagen Sie ‚Ja‘ zu Olympia“ – Tschentschers lang erwarteter AppellVeröffentlicht am 06.05.2026Lesedauer: 4 MinutenHamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher bei seiner Regierungserklärung vor dem Hamburger ParlamentQuelle: Ulrich Perrey/dpaLange hielt sich Hamburgs Bürgermeister in der Debatte zurück, jetzt folgte die Regierungserklärung zur Olympia-Bewerbung. Tschentscher setzte auf Skepsisabbau – und bat fast zaghaft um ein „Ja“.Lange saß Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) still daneben, wenn in der Bürgerschaft über die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele gestritten wurde. Zwar sprach er in den vergangenen Monaten immer wieder über die Olympia-Bewerbung der Hansestadt und warb für das Referendum am 31. Mai. Doch das tat er vor allem auf Parteiterminen in den Bezirken, nicht im Rathaus, nicht vor dem Parlament, nicht vor der großen Öffentlichkeit.In der Bürgerschaft übernahm zuletzt Sportsenator Andy Grote (SPD) das Pult, punktuell unterstützt von Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) und der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). Jedes Mal stellte die Opposition dieselbe Frage: Warum spricht der Bürgermeister nicht selbst? Vor zwei Wochen brachte die „Hamburger Morgenpost“ das in einer Zeile auf den Punkt: „Wo ist der Bürgermeister?“ 2015, so die alte Diagnose, sei die Olympia-Bewerbung auch an der Arroganz des damaligen Bürgermeisters Olaf Scholz gescheitert. 2026 könnte sie daran scheitern, dass Tschentscher den Bürgern gar nicht erst die Mühe macht, sie überzeugen zu wollen.Lesen Sie auchAm Mittwoch änderte sich das. Tschentscher setzte das Thema Olympia mit einer Regierungserklärung selbst auf die Tagesordnung. Das ist das gewichtigste Format, das ein Hamburger Bürgermeister hat: die Bühne, auf der ein Senat seine Linie erklärt, seinen Anspruch formuliert, seine Politik begründet.Schon zu Beginn ordnete Tschentscher seine Rede ein. Er wolle „darlegen“, welche Chancen der Senat mit Olympia verbinde und warum Hamburg dem Deutschen Olympischen Sportbund ein „hervorragendes Angebot“ machen könne. Zunächst bat er die Hamburgerinnen und Hamburger ganz nüchtern, sich an der Abstimmung am 31. Mai zu beteiligen.Die Bewerbung, die Tschentscher verteidigte, ist längst eine andere als 2015. Damals blieb der Eindruck zurück, ein großes Projekt werde mit zu vielen offenen Fragen verkauft. Diesmal wirkt es, als sei genau dort angesetzt worden. Olympia erscheint nicht als Ausnahmezustand, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs. „Olympia verdrängt keine anderen Projekte“, sagte Tschentscher.Lesen Sie auchSo legte sich die Rede eng an die Kritik der vergangenen Monate. Tschentscher nannte Einwände „wichtig“, weil sie dazu zwängen, genau hinzuschauen, und arbeitete sie dann Punkt für Punkt ab. Je weiter er in diese Auseinandersetzung ging, desto klarer wurde sein Ton. Er löste sich spürbar vom Transkript, auch von einer Gestik, die an manchen Stellen einstudiert wirkte. Als es um die immer wieder vorgebrachte Frage ging, ob öffentliche Mittel nicht besser anders eingesetzt würden, wurde er deutlich: „schlicht falsch“, „eine Irreführung und Täuschung“.In solchen Momenten gewann die Rede an Kontur. Die Passagen, in denen Tschentscher sich um Emotionen bemühte, blieben dahinter zurück. Zwar tauchten Bilder auf – die „spektakuläre Kulisse“ der Stadt, eine „schwimmende Bühne“ auf der Alster, am Ende sogar ein „Sommermärchen ‚Made in Hamburg‘“–, doch sie blieben Einschübe in einer insgesamt streng geführten Erklärung.So entstand das Bild einer Bewerbung, die aus ihrer eigenen Vergangenheit gelernt hat und Vertrauen vor allem dort herstellen will, wo es früher gefehlt hat. Sie ist robust argumentiert, klar strukturiert und auf Zustimmung angelegt – aber weniger darauf, Begeisterung zu entfachen.Lesen Sie auchDeutlich begeisterter von der olympischen Idee klang nahezu zeitgleich Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Der SPD-Politiker warb auf der Digitalmesse OMR offener für Olympia, sprach von „tollen Olympia-Bewerbungen“, lobte Hamburg ausdrücklich und betonte erneut die Unterstützung des Bundes. Er habe „eine Garantie für die Olympischen Spiele gegeben“, sagte Klingbeil in den Hamburger Messehallen. „Wir können das, egal wie knapp die Kassen sind, mitfinanzieren“„Wir können das, egal wie knapp die Kassen sind, mitfinanzieren“, erklärte der Finanzminister. Er habe wenig Verständnis für Verzagtheit gegenüber Großereignissen, sagte er. „Es hat unserem Land immer gutgetan, wenn wir solche Großevents hatten, egal ob Olympische Spiele, ob Fußball-Weltmeister- oder -Europameisterschaft.“ Deswegen unterstütze die Bundesregierung eine Bewerbung aus Deutschland. „Wir wollen die Olympischen Spiele haben“, sagte Klingbeil. „Und: Ich freue mich drauf.“Lesen Sie auchIm Rathaus blieb dieser Ton die Ausnahme. Erst kurz vor Ende der 20-minütigen Rede tauschte Tschentscher Pathos gegen Pragmatismus. Es gehe bei der Bewerbung „nicht darum, ob jetzt schon alles perfekt ist“, sagte er. Kein Projekt dieser Größenordnung sei vollständig planbar, nichts bis ins Letzte vorhersagbar. Entscheidend sei etwas anderes: „Haben wir den Mut“, fragte er, „die Herausforderung der bedeutendsten Sportveranstaltung der Welt anzunehmen? Trauen wir uns zu, dieses Projekt gemeinsam anzugehen und verantwortungsvoll umzusetzen?“ Dann folgte seine Antwort: „Ja, wir können das“ – wahrscheinlich sogar besser als viele andere Städte der Welt.Tschentscher endete mit dem Appell, der seit Wochen von ihm erwartet worden war, den er aber lange hinausgezögert hatte. „Sagen Sie ‚Ja‘ zu Olympia.“
Hamburgs Bewerbung: „Sagen Sie ‚Ja‘ zu Olympia“ – Tschentschers lang erwarteter Appell - WELT
Lange hielt sich Hamburgs Bürgermeister in der Debatte zurück, jetzt folgte die Regierungserklärung zur Olympia-Bewerbung. Tschentscher setzte auf Skepsisabbau – und bat fast zaghaft um ein „Ja“.






