PfadnavigationHomeICONISTModeGewagter TrendVon wegen Schlabberlook! So gut können Ballonhosen aussehenVeröffentlicht am 28.03.2026Lesedauer: 7 MinutenOb orientalisch angehaucht oder minimalistisch – die Ballonhose ist überallQuelle: Getty Images/Jeremy MoellerBallonhose, Haremshose, Pluderhose: So zahlreich wie die Namen der Hose mit weitem Bein und engem Bund am Knöchel sind die Möglichkeiten, sie zu tragen. Wie der Look alltagstauglich wird – und wo man die schönsten Modelle zum Nachkaufen findet.Wir haben gerade einmal ein Viertel des Jahres hinter uns, aber modisch sind schon zwei vergangene Dekaden wiederbelebt worden: Im Januar griff Nostalgie für das Jahr 2016 um sich, mehrere Trends der Zehnerjahre wurden neu aufgelegt, Keilabsatz-Sneaker von Isabel Marant etwa und nietenbesetzte Heels von Valentino. Im Februar löste dann die „Love Story“ von John F. Kennedy Jr. und Carolyn Bessette-Kennedy ein Revival des Minimalismus der Neunziger aus. Zeit, sich zwischen Haarreifen und Rollkragenpullovern à la „CBK“ auszuruhen, bleibt aber nicht, denn der nächste Trend naht schon heran: Die Ballonhose, auch als Pluderhose, Haremshose, Pumphose oder Sarouel-Hose bekannt, ist wieder da. Auch sie ist eine alte Bekannte, ihre Premiere in der westlichen Modewelt hatte sie 1911. Damals präsentierte Paul Poiret sie vor europäischem Publikum.Poiret gilt als frühes Marketing-Genie und war seiner Zeit oft voraus. Er kreierte Düfte, lange bevor das in der Modebranche zum guten Ton gehörte, seine Kreationen zeigte er auf Events. So auch 1911, als er zu den „Tausend und zwei Nächten“ in Paris lud. Eine Mottoparty mit Marketingkniff: Die Gäste waren eingeladen, in „persisch inspirierten“ Looks zu erscheinen. Wer das nicht tat, konnte gehen – oder ein Design aus Poirets aktueller, passenderweise ganz im orientalischen Stil gehaltenen Kollektion leihen. Ein Entwurf sorgte für besonders viel Aufsehen: Die Haremshose für Damen mit weiten, an den Knöcheln eng zusammenlaufenden Beinen. Inspiriert von der Silwar- oder auch Saroual-Hose, in Persien und im Osmanischen Reich schon seit Jahrhunderten sowohl von Männern als auch Frauen getragen, war Poirets Variante kühn, denn in Europa waren Anfang des 20. Jahrhunderts Hosen an Frauenbeinen noch die Ausnahme, erst ab den 1920er Jahren setzen sie sich langsam durch. Poirets Hosendesign sorgte aber auch für Begeisterung, die Vorteile waren einfach zu überzeugend: Praktischer als ein Kleid oder Rock, mindestens so elegant und auch noch bequem.Prägnanter Schnitt in zahlreichen VariationenDiese Vorteile überzeugen bis heute, gerade, wenn die Temperaturen steigen und es zu warm für enge Jeans, aber noch zu kalt für zart-flatternde Kleider ist. Jetzt kehrt das Beinkleid (hier passt der Begriff tatsächlich) als Ballonhose zurück. Der Name hat sich geändert, das Prinzip kaum: Von der Hüfte an umhüllt weit fallender Stoff das Bein, am Knöchel läuft er schmal zusammen, mal mit schlichtem Saum, mal mit Schleifen, Rüschen oder Knöpfen verziert. Wie viel Stoff die Beine umspielt, variiert ebenso wie die Weise, auf die die Ballonhose daherkommt: In den unbeschwert-romantischen Stil der australischen Marke Zimmermann fügen sich in der Kollektion für diesen Frühling und Sommer weit geschnittene Ballonhosen nahtlos ein, etwa beim Jumpsuit „Luna“ aus Viskose in warmem Ocker (1425 Euro). Eine mit handgemachten Plissees versehene Variante von Adam Lippes changiert in cognacfarbenem Jacquard und wird am Saum geknüpft (knapp 2100 Euro). Etro bleibt seinem Mut zu fantasievollen Mustern und starken Farben auch bei Ballonhosen (990 Euro) treu und zeigte in Mailand mit der Kombination aus gemusterter Hose und klassischem Hemd, dass entspannter Luxus-Boho-Charme auch jenseits von Blumenwiesen und Musikfestivals funktioniert.Michael Kors ging in seiner Kollektion für Frühjahr und Sommer 2026 noch weiter. In New York präsentierte er eine erstaunlich formell anmutende Variante der sonst so leger-verspielten Hose: Zur hellgrauen, fließenden Ballonhose aus leichter Wolle und Innenfutter aus Seide (1400 Euro) waren hier eine Schluppenbluse und ein Oversize-Blazer in derselben Optik zu sehen. Alles Ton in Ton und durchaus bürotauglich. Kors hat auch transparente Seiden-Ballonhosen in Espressobraun (rund 1440 Euro) und, für den ganz großen Auftritt, ein per Hand mit Pailletten übersätes schwarzes Modell (knapp 6250 Euro) im Frühlingssortiment.Diese Vielfalt ist auch mit kleinerem Budget zu haben: Das dänische Label Day Birger et Mikkelsen bietet eine elegante, abendtaugliche Version mit dezentem Fransendetail für 250 Euro. The Frankie Shop ein fließendes, halbtransparentes Modell (150 Euro). Bei der spanischen Inditex-Tochter Massimo Dutti gibt es eine minimalistische Variante in dunkelblauem oder beigem Satin aus Viskose für rund 90 Euro. H&M hat neben der ausladenden Baumwoll-Variante für rund 35 Euro ebenfalls schmale Modelle im Sortiment, etwa aus Viskose, Nylon und Polyester für rund 25 Euro sowie geblümte, halbtransparente Varianten (20 Euro). Ballonhosen im Denimlook* bietet auch Amazon für rund 30 Euro.Lesen Sie auchIn der Modewelt scheint man sich über das Revival der Ballonhose also einig zu sein. Aber der Stoff, der die Beine so großzügig umspielt, hat durchaus das Zeug zum Polarisieren. Je nach Alter und Reiseerfahrungen weckt er nämlich ganz unterschiedliche Assoziationen: Die einen denken unweigerlich an Barbara Eden in der 60er-Jahre-Serie „Bezaubernde Jeannie“, die anderen an Rucksack-Touristen mit unkonventionellen Vorstellungen von Körperhygiene in Südostasien, die nächsten an Yoga-„Mäuse“, die durch den Prenzlauer Berg spazieren. Dass der prägnante Schnitt in all seinen Variationen jetzt trotzdem wieder so allgegenwärtig ist und gute Chancen hat, sich von seinem ambivalenten Image zu lösen, ist ausgerechnet einem nicht minder umstrittenen Trend geschuldet: Die Abkehr vom engen, gerade verlaufenden Hosenbein machte in den letzten Jahren nämlich die „Barrel Leg“-Jeans vor. Die an der Taille hoch und schmal, ab den Oberschenkeln immer weiter und zum Knöchel hin wieder schmal verlaufende Hosenform verhindert zuverlässig das schon so oft angekündigte Comeback der Skinny-Jeans. Wie man den „Bezaubernde Jeannie“-Look vermeidetDer Schnitt widerspricht dem wohl klassischsten aller Mode-Tipps, laut dem man vermeiden sollte, was aufträgt. Die Barrel-Jeans zaubert davon völlig unbeeindruckt gleich mehrere Zentimeter Beinumfang hinzu, sie ist die jeansgewordene Absage an den Schlankheitswahn. Die Ballonhose, meist aus dünneren, zarteren Stoffen bestehend, ist eine wortwörtlich flexible Alternative: Spätestens, wenn ein Windhauch kommt, zeigt sich die Silhouette des Beins hinter dem Stoff. Bei aller Ballon-Begeisterung sollte man aber nicht über die Herausforderungen hinwegsehen, die die Hose mit sich bringt. Schuhe und Accessoires etwa beeinflussen, wie sie wirkt: Kombiniert mit Goldschmuck, hohem Zopf, dunklem Lidstrich und knappen Oberteil kann der Look schnell aussehen, als wäre man auf dem Weg zu einer Kostümparty, deren Motto die bereits erwähnte „Bezaubernde Jeannie“ ist. Auch beim Schnitt sollte man aufpassen, wie der Selbstversuch zeigt: Mit einer Körpergröße von 1,68 Metern und einer Beinlänge, die sehr weit von jener einer Nadja Auermann entfernt ist, birgt die extrem weite Variante der Ballonhose ihre Tücken – vor allem, wenn sie nicht aus fließendem Stoff besteht. Die aufgebauschte Form kann den Look dann nicht mehr wie eine coole Absage an den Schlankheitswahn, sondern einfach nur unproportioniert aussehen lassen. Und dann sind da noch Schleifen am Saum. Je tiefer sie angebracht und je flachere Schuhe man trägt, desto schneller kann das hübsche Detail über den Boden schleifen, sodass man darauf tritt, womöglich stolpert und das stolze Flanieren im angesagten Look abrupt beendet ist. Zu Ballonhosen mit Schleifen-verziertem Saum empfehlen sich also eher Schuhe und Sandalen mit Absatz und genug Abstand zwischen Schleifenende und Boden.Bis es endlich warm für Sandalen und die finale Entscheidung gefallen ist, ob und wenn ja, welche Ballonhose die Frühjahrsgarderobe nun ergänzen soll, kann man die Silhouette auch in der Selbstmach-Variante testen: Dafür muss man nur eine weit geschnittene Hose in knöchelhohe Stiefel stecken und so drapieren, dass sie wie eine Ballonhose aussieht. Auf diese Weise kann man den Trend schon jetzt tragen und damit der Zeit voraus sein. Fast so, wie einst Paul Poiret.*Dieser Text enthält Affiliate-Links. 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Ballonhosen-Revival: Warum der luftige Look wieder im Trend liegt - WELT
Ballonhose, Haremshose, Pluderhose: So zahlreich wie die Namen der Hose mit weitem Bein und engem Bund am Knöchel sind auch die Möglichkeiten, sie zu tragen. Wie der Look alltagstauglich wird – und wo man aktuell die schönsten Modelle zum Nachkaufen findet.







