PfadnavigationHomeICONISTTrendsKunstdorf im EngadinNoch mehr Zauber für den Festsaal der AlpenVeröffentlicht am 28.01.2026Lesedauer: 4 MinutenGiorgio Pace: Kulturproduzent und Gründer des Artprojekts „Der Pavilion“, mit dem er St. Moritz neue künstlerische Impulse geben willQuelle: via Giorgio PaceSt. Moritz gehört zu den schillerndsten Orten der Welt. Der Italiener Giorgio Pace, ein brillanter Kopf und Gestalter, will mit einem neuen Art Space den alten Glanz bewahren – und zugleich für neue Impulse sorgen.Kreative Darbietungen an Wintersportorten – etwa in Bronze gegossene Skier am Hoteleingang (als Mahnmal der Klimakrise) oder blinkende Neonschriftzüge in der Champagner-Bar („Ice Ice Baby“) – können mitunter irritierend wirken, oft sogar sehr bemüht. St. Moritz im Schweizer Engadin indes beweist nicht erst seit den Tagen von Gunter Sachs, dass Design weit mehr kann, als nur Hotel-Chic und Chalet-Deko zu sein – nämlich wirklich Sammler und Schöngeister begeistern. Das gilt gerade an Skiorten.Ein gesunder Körper braucht schließlich auch einen gesunden Geist. Und dieser nährt sich nicht von Pulverschnee und geschmolzenem Käse allein.Schöne Objekte, das wusste schon Obelix, beleben das Gemüt. Und nirgends werden sie so stilvoll ausgestellt wie in diesem Festsaal der Alpen, der mit seinem pittoresken Ambiente zwischen vielen Dreitausendern schon etliche Kreative inspiriert hat. Ob in der Natur, draußen auf einer Eisbahn, wo sich Carsten Höllers pinkfarbenes Spiegelkarussell dreht, seine „Verwirrungsmaschine“, wie er es nennt – ein Instagram-Magnet! Ob in Heuschobern, Kirchen, Galerien: Im ganzen Engadin kann sich das Auge an der Kunst erfrischen. Not Vital, Engadiner Architekt und Bildhauer mit Weltruhm, errichtete am Fuß seines Schlosses Tarasp im Unterengadin eine schneeweiße Treppe, auf der man sogar in den Himmel steigen kann. Und so wächst St. Moritz mitsamt Umgebung immer mehr zu einer Art globalen Kunstdorf.„Der Pavilion“ heißt ein neues Artprojekt, das sich Giorgio Pace ausgedacht hat. Eine Art mobiler Salon im größeren Rahmen, mit dem der Italiener an verschiedenen Standorten in und um St. Moritz den Dialog zwischen Menschen und Ort fördern, sowie die Handwerkskünste der Gegend stärker integrieren will. Der Kulturproduzent aus Termoli, einer Kleinstadt an der Adriaküste, ist bekannt in der Welt der Kreativen. Pace arbeitete für internationale Institutionen wie das Metropolitan Museum in New York und die Biennale von Venedig, war Verleger des Mode- und Kunstmagazins „Visionaire“. Kaum jemand pflegt Kontakte so virtuos wie er, mit einem Gespür für Talente – und eben Schnee. „Diese Kulisse! Dieses Wetter! Diese Atmosphäre ist nicht zu toppen!“, schwärmt der 59-Jährige, der das Engadin seit vielen Jahren sein Zuhause nennt. Das Erlesen pflegen, auch außerhalb der SaisonDort fand über Jahre die „Nomad Circle“ statt, eine reisende Luxusmesse, die von Pace ins Leben gerufen wurde. 2025 stieg er aus. „,Der Pavilion‘ ist die konsequente Weiterentwicklung dessen, was ich in den vergangenen 15 Jahren aufgebaut habe“, sagt er. Ein fixes Gebäude gibt es bisher nicht, das muss erst gebaut werden. Bis dahin will er verschiedene Orte der Gegend bespielen. Geplant sind Ausstellungen und Konzerte in Privatchalets, eine hochsommerliche Blumen- und Gartenschau in St. Moritz-Bad, ein Schokoladenfestival im Hotel „Badrutt’s Palace“. So will er das Erlesene pflegen, auch außerhalb der Hochsaison im Winter. „St. Moritz braucht eine Attraktion, die das ganze Jahr über besteht und das Traditionelle feiert wie die Weltoffenheit dieses Ortes“, sagt Pace. St. Moritz in die Zukunft zu führen – auch darum geht es ihm. Den alten Charme zu bewahren und den Ort zugleich für die nächste Generation zu öffnen, eine neue Klientel. Gerade auch in der Sommerzeit, in der ohnehin immer mehr Urlauber vor der zunehmenden Hitze flüchten – zum Beispiel in die Berge. Lesen Sie auch„Singular Voices“ ist der Titel der Ausstellung, mit der Pace am 29. Januar seinen „Pavilion“ eröffnet. Gezeigt werden Möbel und Designobjekte, sehr umsichtig selektiert. Darunter eine Anrichte aus den 1930ern von Gio Ponti, dem Altmeister und Gestalter des weltberühmten Hotels „Parco Dei Principi“ in Sorrent. Dazu Keramikarbeiten wie die Amphore des ägyptischen Künstlers Wael Shawky (Foto unten). Präsentiert werden die Kostbarkeiten, die man auch kaufen kann, im Hotel „Eden“. Aber Pace will hoch hinaus und, wie erwähnt, irgendwann ein eigenes Gebäude. 30 Millionen Schweizer Franken sind veranschlagt, Finanzierungspläne gibt es schon. Bloß wer baut? Lord Norman Foster kommt gern und oft nach St. Moritz, ist nur derzeit ausgebucht. Der Star-Architekt, 90 Jahre alt, soll das dortige altehrwürdige Hotel „Kulm“ der griechischen Reeder-Familie Niarchos umgestalten, für angeblich 125 Millionen Schweizer Franken. Mit modernisierter Lobby, Einkaufspassage und noch mehr Platz für Events. Wie Fürst Lampedusa in „Il Gattopardo“ sagte: „Es muss sich alles ändern, damit alles so bleibt, wie es ist.“