PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungAmerikanischer Supreme Court„Ehe für alle“ bleibt unangetastet – vorerstVon Alexander GörlachVeröffentlicht am 11.11.2025Lesedauer: 3 MinutenEine Regenbogenflagge vor dem Supreme Court in Washington, D.C.Quelle: AFP/MOLLY RILEYDer amerikanische Supreme Court will die gleichgeschlechtliche Ehe nicht neu verhandeln. Da aber gut zwei Drittel der Anhänger der Republikaner nach wie vor gegen diese Form der Ehe sind, ist das jedoch nur ein Etappensieg für die Befürworter.Amerikas Bürgerrechtsbewegung kann für einen Moment aufatmen: Der Supreme Court wird sich nicht noch einmal die „Ehe für alle“ vornehmen. Es war befürchtet worden, dass das konservativ besetze Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hier denselben Weg gehen könnte, wie zuvor beim Recht auf Abtreibung. Dieses hat der Supreme Court abgeschafft mit der Folge, dass nun in 14 Bundesstaaten Frauen auch nach Vergewaltigung oder Inzest ein Kind austragen müssen.Angestrengt wurde die Klage von Kim Davis, einer Angestellten in einem Standesamt im Bundesstaat Kentucky, die sich geweigert hatte, aus religiösen Gründen Trauscheine für homosexuelle Paare auszugeben. Im Frühjahr hatten zudem neun Bundesstaaten den Supreme Court aufgefordert, das Urteil von 2015 zu revidieren, darunter auch Texas. Da die Konservativen dank der Berufungen von Trump-Kandidaten ans Oberste Gericht eine Mehrheit haben, gab man sich siegesgewiss. Jetzt kam der Rückschlag.Verlässlichkeit und KontinuitätRechtsexperten verwiesen schon seit Langem darauf, dass eine Umkehr der geltenden Gesetzeslage für die 820.000 homosexuellen Paare, die seit der Legalisierung vor zehn Jahren geheiratet haben, nicht hinnehmbar sei. Es müsse weiterhin der Grundsatz gelten, dem sich der Supreme Court von jeher verschrieben habe, dass Verlässlichkeit und Kontinuität in der Rechtsprechung bestehen müssen. Denn nur so können Menschen ihren Lebensweg planen und gestalten.Überhaupt, und das scheint das rechts-religiöse Maga-Umfeld nicht zu verstehen oder verstehen zu wollen, entscheiden Richter weder bei der gleichgeschlechtlichen Ehe noch der Abtreibungsfrage über die moralische Qualität einer Handlung, sondern sind damit befasst, eine Gleichheit aller US-Amerikaner vor dem Gesetz herzustellen, wie sie der 14. Zusatzartikel der US-Verfassung mit der „Equal Protection Clause“ garantiert.Lesen Sie auchDas sieht die Mehrheit der Amerikaner genauso. Umfragen zeigen deutliche Mehrheiten für die „Ehe für alle“. Drei Dutzend Republikaner haben 2022 gemeinsam mit den Demokraten für den „Respect of Marriage Act“ gestimmt, ein Gesetzespaket, das die Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts sowie die Ehe zwischen Menschen verschiedener Ethnien schützt. Immer wieder hatten erzkonservative Stimmen damit gedroht, der inter-ethnischen Ehe den Garaus zu machen, sollte der Supreme Court diese Frage zurück an die Bundesstaaten delegieren. Die dahinter liegende Haltung erinnert an den Straftatbestand der, von den Nazis sogenannten „Rassenschande“, die Mischehen unter Strafe stellte.Die Mehrheit für die gleichgeschlechtliche Ehe liefern die Wähler der Demokraten und die unabhängigen, nicht als Wähler registrierten US-Bürger. Über zwei Drittel der Republikaner sind nach wie vor gegen dieses Rechtsinstitut. Es wird also nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich US-Gerichte mit der „Ehe für alle“ beschäftigen werden.Alexander Görlach unterrichtet Demokratietheorie an der New York University.
Supreme Court: Warum Amerika über die „Ehe für alle“ steitet - WELT
Der amerikanische Supreme Court will die gleichgeschlechtliche Ehe nicht neu verhandeln. Da aber gut zwei Drittel der Anhänger der Republikaner nach wie vor gegen diese Form der Ehe sind, ist das jedoch nur ein Etappensieg für die Befürworter.








