Wer in den USA geboren ist, ist Amerikaner – Trump scheitert mit seinem Versuch, das Geburtsrecht umzustossenDer Supreme Court erteilt einem zentralen Anliegen des Präsidenten eine Abfuhr. Gleichzeitig feiert Trump ein Verdikt, welches Transpersonen vom Frauensport an Schulen ausschliesst.30.06.2026, 19.42 Uhr3 LeseminutenNach gut 150-jährigem amerikanischem Recht ist jeder, der im Land geboren ist, amerikanischer Staatsbürger. Trump wollte das ändern.Jacquelyn Martin / APVor rund zwei Jahren ist Barbara aus Honduras in die USA gekommen. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren drei Kindern war die Frau, die wir nur mit Vornamen kennen, vor der Gewalt der Gang Mara 18 aus ihrer Heimat geflohen. In New Hampshire, wo bis heute ihr Asylverfahren läuft, wurde sie schwanger. Dann, im Oktober 2025, bekam Barbara ihr viertes Kind. Nach gut 150-jährigem amerikanischem Recht besass das Baby automatisch die Staatsbürgerschaft der USA.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das wollte Donald Trump ändern. Zwar veranlasste nicht explizit ihr Fall den Präsidenten, die Gesetzgebung anpassen zu wollen. Doch die Honduranerin war die Namensgeberin in der Sammelklage «Trump v. Barbara», mit der sich Betroffene dagegen wehrten, dass das amerikanische Geburtsrecht gekippt würde.Denn Trump hatte gleich am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit eine «executive order» erlassen, die für den «Schutz der Bedeutung und des Wertes der amerikanischen Staatsbürgerschaft» argumentierte. Der Präsident prangerte nicht nur an, dass schwangere Frauen gezielt kurz vor der Geburt in die USA reisten, um die amerikanische Staatsbürgerschaft für ihr Kind zu erlangen.Konkret wollte er allen Neugeborenen die Staatsbürgerschaft verweigern, deren Eltern keinen Daueraufenthaltsstatus besitzen. Also auch Asylsuchenden wie Barbara. Wenn der Präsident mit seinem Anliegen durchgedrungen wäre, gälte ihr viertes Kind nun als staatenlos.Ursprünglich ging es um SklavenDoch der Supreme Court gab den Klägern recht. In einer fast zweihundertseitigen Urteilsbegründung, die die Tragweite des Falls veranschaulicht, hob er die Durchführungsverordnung des Präsidenten auf und bestätigte die «birthright citizenship», wonach in den USA praktisch alle im Land geborenen Kinder automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten (Ausnahmen sind vorwiegend Diplomatenkinder).Mit sechs zu drei Stimmen sahen die Richter in Trumps Dekret den 14. Verfassungszusatz verletzt, der die Staatsbürgerschaft allen Personen zuspricht, «die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert wurden und ihrer Gesetzeshoheit unterstehen». Der Artikel war 1868 in die Verfassung aufgenommen worden, um den befreiten Sklaven und ihren Kindern die Staatsbürgerschaft zu verleihen.«Staatsbürgerschaft», so schrieb der oberste Richter John G. Roberts junior nun in seinem Verdikt, «bedeutete damals wie heute das Recht, Rechte zu haben – und frei an unserer politischen Gemeinschaft teilzunehmen». Die Verfasser des 14. Zusatzartikels hätten «dieses Versprechen auf jeden ‹frei geborenen Menschen in diesem Land›» ausgedehnt. «Wir halten dieses Versprechen heute ein.»Trump gibt sich trotzigWährend sich in diesem Urteil drei konservative Richter ihren politisch eher links stehenden Kollegen anschlossen und Trump eine Niederlage bereiteten, brachten zwei weitere breit diskutierte Fälle eher die ideologische Linie des Gerichts zur Geltung: In «West Virginia v. B. P. J.» und in «Little v. Hecox» billigte der Supreme Court Verbote für Transgender-Athletinnen im Frauensport an öffentlichen Schulen.Den Gliedstaaten müsse es möglich sein, «Frauen- und Mädchensport für biologische Frauen aufrechterhalten zu können», schrieb der Richter Brett Kavanaugh in seiner Begründung, wobei er aber hinzufügte, dass es keine Athletin, sei sie eine biologische Frau oder transgender, verdiene, «geächtet oder verunglimpft zu werden».Trump feierte das Urteil als einen «grossen Sieg». Das Gericht habe «gegen die Teilnahme von Männern am Frauensport» entschieden, schrieb er auf Truth Social. Damit sei «diese lächerliche Situation endlich vom Tisch». Zu seiner Niederlage im Geburtsrecht gab er sich trotzig: Eine «schwerfällige Verfassungsänderung» sei gar nicht erforderlich, schrieb Trump. Mit einer neuen Gesetzgebung im Kongress, so behauptete er frei heraus, könne das «ungerechte Geburtsrecht» genauso gut abgeschafft werden.Passend zum Artikel