PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHansa-TheaterSöhne Hamburgs eröffnen Varieté-SaisonVeröffentlicht am 07.11.2025Lesedauer: 5 MinutenAuf der Bühne des Hansa Theaters (v.l.): Intendant Ulrich Waller, Joja Wendt, Stefan Gwildis, Rolf Clausen und Intendant Thomas CollienQuelle: Simon BrachmannDie Söhne Hamburgs – so heißt eine Supergroup aus Joja Wendt, Rolf Clausen und Stefan Gwildis – begeisterten bei der Premiere des neuen Varieté-Programms im Hansa-Theater als „Reiseführer“ durch eine zauberhafte Show mit internationaler Spitzenartistik.Wenn die Saison des Varieté im Hansa-Theater beginnt, verwandelt sich der Steindamm nahe dem Hamburger Hauptbahnhof von einer quirligen Schmuddelmeile in ein Trottoir der Gegensätze. Da werden die Drogensüchtigen, Prostituierten und Bettler, die Zocker, Islamisten und Dealer plötzlich zu einer kleinen Randgruppe neben all den schick gekleideten Theaterbesuchern. Ein roter Teppich auf dem Gehweg durchschneidet das Elend und eine weithin strahlende Beleuchtung über dem Entree erhellt die Nacht.Wer den Saal des zauberhaften, historischen, unter Denkmalschutz stehenden Theaters betritt, vergisst das Elend draußen vor der Tür und seinen Alltag binnen weniger Sekunden, darf in den kommenden Stunden pure Magie erleben. Die abwechslungsreiche Reise durch die Welt der Artistik wechselt während der Saison immer mal wieder den Reiseführer. Zum Auftakt übernahmen Die Söhne Hamburgs den Job, den sonst bekannte Künstler wie Katie Freudenschuss, Robert Kreis oder Dirk Bielefeldt ausfüllen, mit Bravour. Die Söhne Hamburgs zum Auftakt der Hansa-SaisonWendt, Clausen und Gwildis kennen sich aus alten Zeiten, etwa den späten Siebziger und frühen Achtzigerjahren, und treten seit 2011 als Trio mit musikalischen Comedy-Nummern auf, die brennende Themen in den Raum stellen und zu Diskussionen anregen. So räumen sie ein- für allemal mit dem Vorurteil auf, dass Männer nicht multitaskingfähig seien, indem sie gleichzeitig Gitarre spielen, Äpfel jonglieren und dazu singend dreiste Behauptungen darüber aufstellen, was sie jetzt noch alles gleichzeitig tun könnten. Dann wieder stimmen sie ein selbstkritisches Lied über alte, weiße Männer an, die zum Verdruss des Rests der Bevölkerung noch immer ein Teil von ihr sind. Lesen Sie auchAlle Söhne Hamburgs sind erfolgreiche Solokünstler in den besten Jahren. Damit treten sie zugleich in die Fußstapfen und etwas aus der Reihe der Altstars heraus, die sonst die Hansa-Premieren als Überraschungsgäste zu etwas ganz Besonderem machten, wie etwa Roberto Blanco, die Kessler-Zwillinge, Bill Ramsey oder Gitte Haenning. War es die Furcht, in Vergessenheit zu geraten und später nicht auf die Bühne zurückgerufen zu werden? Wer weiß. Das Publikum jedenfalls lachte sich schlapp und war begeistert. Musikalisch waren die Darbietungen der Söhne Hamburgs ohnehin herausragend. So machte Gwildis als Schlagzeuger an Mülltonne, Kochtopf und Highheads eine ebenso gute Figur wie als Sänger, während Wendt das Klavier zu einem Maschinengewehr der Töne werden ließ und Clausen beeindruckend die Ukulele zupfte. Unterstützt wurden die drei von der Live-Band der Hansa-Boys unter der Leitung des legendären Saxofonisten Andreas Böther.Körperbeherrschung in höchster PerfektionDas bunte Varieté-Programm enthält in der neuen Saison acht artistische Nummern, aus denen sich jeder Zuschauer seine Lieblingsnummer wählen darf. Zu den Favoriten zählt dabei das Family Duo Ikarian. Sofani Taye und Bereket Afera krönen die jahrhundertealte Technik der Fußakrobatik mit einer neuen Glanznummer. Während der eine den anderen auf den Füßen balanciert und herumwirbelt, vollführt jener in rasender Reihe gestreckte Salti, als wäre er ein Windrad bei Sturm und landet aus der Bewegung heraus sicher im Stand – auf den Fußsohlen des unten Liegenden. Für manche Zuschauer ging nichts über die Jonglierkünste von Paul Ponce, dessen Frau Lia ihm assistierte. Ponce verkörpert die sechste Generation einer Zirkusfamilie, sein Talent wurde ihm also in die Wiege gelegt. Dennoch steckt unendlich viel harte Arbeit hinter seiner Nummer, die es leicht aussehen lässt, bis zu acht Hüte oder vier Keulen gleichzeitig zu meterweiten Ausflügen im Raum um ihn herum zu veranlassen, die alle nur ein Ziel kennen: In die Hände des Jongleurs zurückzukehren. Ponce beherrscht seine Kunst meisterhaft. Lesen Sie auchSchwer beeindruckend sind auch die Schießkünste von Mr. & Mrs. G. mit der Armbrust, deren Rahmen von Wilhelm Tell zu Wilhelm Tell führte. Zum Auftakt schossen die beiden in einer Art Tell-Duell einander Luftballons über dem Kopf weg, zum Höhepunkt pfeilte Mr. G seiner Mrs. einen Apfel direkt vom Kopf. Zwischendurch mochte man kaum hinsehen, wenn der Schuss absichtlich nach hinten losging oder aus einer Entfernung von mehreren Metern eine kleine, gehaltene Spielkarte zum Ziel hatte und nicht verfehlte. Ein scharfer Blick und eine ruhige Hand sind für diese Kunst offenbar eine gute Basis.Der Balance-Künstler Maxim Krieger balanciert auf Türmen, die er selbst unter sich auftürmt, während sie schon erklommen hat und auf wackligsten Konstruktionen die Stellung hält. Mit seinem bis in die letzte Faser durchtrainierten Körper gelingen ihm dabei erstaunlichste Handstände auf Gebilden, die an kleine Elbtower erinnern, die eines Tages ganz groß werden sollen. Den akrobatischen Teil des Abends eröffnete die kanadische Artistin Charlotte O‘Sullivan mit einer sogenannten Hair Suspension. Das bedeutet, sich an den eigenen Haaren von der Bühne oder aus einem Sumpf zu ziehen, während der Körper rotiert, bis den Zuschauern schwindlig wird. Getränke und Speisen zum herzerwärmenden ProgrammDie Schwarzlichtkünstler und Pantomimen vom Halves Project, bauten mal die seitlichen Hälften, mal oben und unten eines Körpers zu interessanten, anmutigen Figuren zusammen und zerrten einander ohne Gnade ins Licht – jedenfalls, soweit sie sichtbar wurden. Das Kontorsionsduo Vilja, schwedische Zwillingsschwestern, die scheinbar über biegbare Knochen verfügen, bog und wand sich auf faszinierende Weise. Der Magier Winston Fuenmayor zauberte schließlich sehr viele Dinge aus dem Nichts auf die Bühne, die schließlich voll von Spielkarten war, das Nichts noch leerer.Mancher Besucher rief bei der Premiere mit der Tischklingel einen Kellner und genoss während der Vorstellung ein Getränk oder gar ein Menü von der reichhaltigen Speisekarte des Varietés. Der Hauptgenuss des Abends aber blieb das Bühnenprogramm, das an einem kalten Herbst- oder Wintertag zumindest herzerwärmend wirkt.Varieté im Hansa Theater, Saison 25/26, diverse Termine bis 8. März 2026
Hansa-Theater: Söhne Hamburgs eröffnen Varieté-Saison - WELT
Die Söhne Hamburgs – so heißt eine Supergroup aus Joja Wendt, Rolf Clausen und Stefan Gwildis – begeisterten bei der Premiere des neuen Varieté-Programms im Hansa-Theater als „Reiseführer“ durch eine zauberhafte Show mit internationaler Spitzenartistik.






