PfadnavigationHomePanoramaMarkus Lanz„Hören Sie auf“, entgegnet Lanz Wagenknecht – dann wendet er sich mit brüchiger Stimme an AktivistinVeröffentlicht am 03.11.2025Lesedauer: 4 Minuten„Wenn Sie mich nicht einladen, sehen Sie mich nicht“, beklagt WagenknechtQuelle: ZDF/Markus LanzIn der Sendung von Markus Lanz beschwert sich Sahra Wagenknecht über die Einladungspolitik des ÖRR. Im Umgang mit Russland zeigt sie sich hingegen nachsichtig – im Gegensatz zu einer Pussy-Riot-Aktivistin. Wegen ihrer Darstellungen kämpft der Moderator mit den Tränen.Er habe sie länger nicht gesehen, sagte Markus Lanz einleitend. „Wo waren Sie?“ Eine ungewöhnliche Frage an Sahra Wagenknecht, die – wie der Moderator es selbst ausdrückte – als „Medienfigur“ bekannt sein dürfte. „Wenn Sie mich nicht einladen, sehen Sie mich nicht“, antwortete die BSW-Vorsitzende. Es folgte ein Klagelied auf die Einladungspolitik der öffentlich-rechtlichen Sender. Lanz habe sie ein Dreiviertel Jahr „nicht haben wollen“. Insgesamt sei ihre Partei seit der Bundestagswahl nur dreimal bei ARD und ZDF präsent gewesen, während Vertreter der FDP zwölf Auftritte absolviert hätten. „Wir werden schon deutlich ausgegrenzt“, behauptete Wagenknecht. Aus ihrer Sicht liege das an der zunehmend eingeschränkten Meinungsvielfalt. So säßen in den Talk-Shows zumeist vier Gäste – mit einer Meinung. „Wir haben tatsächlich einen ziemlich harten Block in unserem Land, der nennt sich ‚die Demokraten‘, die wollen aber Cancel Culture“, führte die ehemalige Linken-Politikerin weiter aus. Haltungen, die jene für falsch befinden, sollte demnach nicht mehr stattfinden. „Da darf man sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen wütend auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind.“„Jetzt sind wir ja richtig hart im Kulturkampf“, entgegnete Lanz. Ob er das leugnen wolle? „Hören Sie auf! Ich habe gar nichts geleugnet. Ich muss mich erstmal erholen von dem, was da gerade kam.“ Entgegen ihrer Darstellung sei ihre Partei im Bundestagswahlkampf zwölfmal eingeladen worden und damit viermal häufiger, als es anteilig ihren Sitzen im Bundestag entsprochen hätte. Er bekomme häufig Anfragen, warum er ständig Sahra Wagenknecht einlade. Lesen Sie auchAls es inhaltlich um die Drohnensichtungen der vergangenen Wochen ging, sprach Lanz sie auf ihre Angewohnheit an, Russland in Schutz zu nehmen. „Es geht darum, dass wir nicht in eine Hysterie hineingeredet werden mit Vorfällen, die wahrscheinlich gar nicht von Russland ausgehen“, erklärte Wagenknecht. „Hier entsteht aber im Hinterkopf das Geraune, Russland greift uns an und irgendwann sind wir mit Russland im Krieg. Ich möchte nicht, dass wir mit Russland im Krieg sind.“ Es gebe „natürlich“ Spannungen und Spionage zwischen dem Staat und dem Westen, aber sie stelle sich gegen das vermittelte Bild, „wenn irgendwo was in die Luft fliegt, wenn irgendwo was stinkt, dann waren es die Russen.“„Frage mich oft, was aus den jungen Leuten geworden ist“Das Gegenprogramm zu Wagenknecht lieferte die Pussy-Riot-Aktivistin Maria Aljochina mit ihren emotionalen Schilderungen über die Zustände in ihrer Heimat Russland. Lanz kämpfte mit den Tränen, als die im Exil lebende Mitgründerin des Künstlerkollektivs Pussy Riot von den Repressionen in ihrer Heimat erzählte. Sie selbst habe keine Angst vor Kremlchef Wladimir Putin, sagte die 37-Jährige. „Ich habe nie nach Sicherheit gesucht.“ Sie habe zwei Jahre im Straflager verbracht und eineinhalb Jahre eine elektronische Fußfessel tragen müssen.Lesen Sie auchNach längerer Pause sagte Lanz mit brüchiger Stimme: „Mich berührt das gerade sehr, weil ich 2018 in Sankt Petersburg junge Frauen getroffen habe, die wie Sie für Freiheit gekämpft haben.“ Er wisse nicht, was aus ihnen geworden sei. Seine damaligen Gesprächspartnerinnen hätten den Traum von einem besseren Russland gehabt.Lesen Sie auch„Ich frage mich oft, was ist aus den jungen Leuten, die wir damals interviewt haben, geworden? Die damals Kopf und Kragen riskiert haben, um mit uns zu reden“, sagte Lanz. „Wenn man sich die Bilder von damals anschaut, dann kriegt man ein Gefühl dafür, wie unglaublich mutig diese russischen Oppositionellen – zu denen Sie auch gehören – sind.“Aktivistin: Wahrheit wird in Russland bestraftAljochina sagte, es gebe viele solcher Künstler und andere mutige Russen in Europa. Über eine Million seien es. „Das ist dieses Russland, das Sie vielleicht nicht kennen, aber so etwas gibt es trotzdem. Wir alle sind ausgereist, um die Wahrheit zu sprechen, die Wahrheit, die in Russland so drastisch bestraft wird.“Aljochina war 2012 nach einer gegen Putin gerichteten Protestaktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zu zwei Jahren Haft im Straflager verurteilt worden. Im Mai 2022 gelang ihr trotz Hausarrests die Flucht von Moskau über Belarus nach Litauen. Erst kürzlich wurde sie in Russland in Abwesenheit zu einer 13-jährigen Haftstrafe verurteilt, weil sie in Deutschland Anti-Kriegs-Lieder gesungen hatte.dol mit dpa
Markus Lanz: „Hören Sie auf“, entgegnet Lanz Wagenknecht – dann wendet er sich mit brüchiger Stimme an Aktivistin - WELT
In der Sendung von Markus Lanz beschwert sich Sahra Wagenknecht über die Einladungspolitik des ÖRR. Im Umgang mit Russland zeigt sie sich hingegen nachsichtig – im Gegensatz zu einer Pussy-Riot-Aktivistin. Wegen ihrer Darstellungen kämpft der Moderator mit den Tränen.






