PfadnavigationHomePanoramaWortgefecht bei „Markus Lanz“FDP-Debatte eskaliert – „Hören Sie sich eigentlich reden?“, blafft Strack-Zimmermann Lauterbach anStand: 10:07 UhrLesedauer: 5 MinutenDie Runde bei Markus Lanz (v.l.): SPD-Politiker Karl Lauterbach, WELT-Autor Robin Alexander, Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen und FDP-Politikerin Agnes Strack-ZimmermannQuelle: Screenshot WELT/ZDFBei „Markus Lanz“ sind FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und SPD-Politiker Karl Lauterbach heftig aneinandergeraten. Der ZDF-Moderator witzelte sogar, ob er nicht besser einen Therapeuten holen sollte.Wolfgang Kubicki hat zwar die Kampfabstimmung gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann gewonnen und seiner Konkurrentin gezeigt, wo der „Hammer hängt“. Doch die eigentliche Auseinandersetzung beginnt erst jetzt. Denn in der FDP wird darüber gestritten, ob der neue Parteichef die Liberalen stärker nach rechts führen will und wie strikt die Partei künftig an der Abgrenzung zur AfD festhält. Schließlich will die FDP bei den kommenden Landtagswahlen nicht schon wieder an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.Für Karl Lauterbach erinnert die Debatte an die letzten Monate der gescheiterten Ampel-Koalition. Bei „Markus Lanz“ sprach der SPD-Politiker gar vom angeblichen „Lügengerede“ des früheren FDP-Chefs Christian Lindner und zog eine direkte Parallele zum Machtkampf der Liberalen. „Genau diesen Zirkus haben wir in der Ampel all die Zeit erlebt“, sagte Lauterbach – und es war offensichtlich, dass ihm das Ampel-Aus noch immer nachhängt. „Es war lange schon geplant, dass er die Koalition platzen lässt.“ Der Parteitag, so Lauterbach, offenbare „den unseriösen Charakter dieser Partei“, der sich hier aufdränge. „In der jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Zeit brauchen wir so eine halbseitige Partei wie die FDP zumindest in der Regierung nicht“, legte er nach.Strack-Zimmermann, die aus Brüssel zugeschaltet war, ließ diese Attacke nicht auf sich sitzen. Als Lauterbach ihr vorwarf, ihre Kampfkandidatur als spontane Entscheidung darzustellen, obwohl sie vorbereitet gewesen sei, fuhr sie ihn scharf an: „Hören Sie sich eigentlich reden?“ Nur um dann zur persönlichen Retourkutsche anzusetzen. „Was Sie sich gerade hier erlauben, finde ich völlig überflüssig.“ Dann wurde sie noch deutlicher: „Sie waren mal Gesundheitsminister, sind es auch nicht mehr. Ich käme nie auf die Idee, Ihnen vorzuwerfen, dass man Sie schlichtweg nicht mehr als Minister wollte, weil Sie allen auf den Geist gegangen sind.“„Können Sie machen“, wollte Lauterbach noch dazwischenfahrenDoch Strack-Zimmermann redete sich in Fahrt. Lauterbachs Kritik sei „völlig unstatthaft“. Zudem habe sie nach ihrer Kampfkandidatur sogar Zuspruch aus den Reihen der SPD erhalten. Mehrere Sozialdemokraten hätten ihr geschrieben, sie würden sich wünschen, dass auf Parteitagen wieder offener und kontroverser diskutiert werde, statt dass alles „stromlinienförmig“ vorbereitet werde. Die Resonanz auf ihre Kandidatur sei weit über die FDP hinaus groß gewesen. „Ich bin sichtlich irritiert darüber, was Sie für ein Demokratieverständnis haben“, hielt sie dem Lauterbach entgegen.Der SPD-Politiker versuchte daraufhin, den Streit wieder auf die Sachebene zurückzuführen. Er habe sich sogar gefreut, wenn Strack-Zimmermann gegen Kubicki gewonnen hätte, beteuerte er. Seine Kritik richte sich nicht gegen die Kampfkandidatur selbst, sondern gegen deren Darstellung. „Es geht hier nur um den Stil“, so Lauterbach. Die Geschichte erinnere ihn an Vorgänge aus der Ampel-Zeit: „Das macht auf mich den Eindruck, wie wir es auch in der Regierung erlebt haben, dass Sie etwas Spontanes vortäuschen, was in Wirklichkeit geplant gewesen ist. Nur darum geht es.“Doch Strack-Zimmermann ließ nicht locker. Sie sei „ein bisschen überrascht“ von Lauterbachs Einlassungen, konterte sie spitz. Sie maße sich schließlich auch nicht an, die Personalentscheidungen der SPD zu kommentieren. Die Kampfkandidatur sei vielmehr aus einer echten Unruhe in der Partei entstanden. Viele Mitglieder hätten sich an sie gewandt, nachdem Kubicki und sein Umfeld mit Aussagen zur Brandmauer für Irritationen gesorgt hätten. „Ihr Kompass ist inzwischen auch irgendwo verloren gegangen“, warf sie Lauterbach vor. Umso mehr bedaure sie seine Vorwürfe, „weil ich Sie persönlich nämlich schätze“.Unterstützung bekam die FDP-Politikerin von WELT-Autor und „Machtwechsel“-Podcaster Robin Alexander, der der Darstellung eines angeblichen Hinterhalts widersprach. Kampfkandidaturen seien demokratische Normalität. Zudem habe es im Kubicki-Lager kurz vor dem Parteitag eine erkennbare Kursverschiebung gegeben. Kubicki habe zunächst jede Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen, später aber Formulierungen zur Brandmauer verwendet, die viele Liberale alarmiert hätten. Daraufhin hätten sich Parteimitglieder zusammengesetzt und über ein Signal gegen diesen Kurs beraten.Lauterbach blieb dennoch bei seiner Kritik. Er wiederholte, dass er Strack-Zimmermanns Position in der AfD-Frage sogar teile und ihre Wahl bevorzugt hätte. Dennoch habe ihn die Art und Weise der Kandidatur an frühere Konflikte erinnert. „Ich bin da auch gebrannt. Wir haben unter der Situation mit Lindner sehr stark gelitten“, sagte er an Lanz gerichtet. Sobald etwas als spontan dargestellt werde, obwohl es vorbereitet gewesen sei, reagiere er empfindlich.Lesen Sie auchStrack-Zimmermann widersprach erneut. Gerade in einer Demokratie müsse es möglich sein, offen zu streiten, statt „wie Lemminge hinterherzulaufen“. Dass sie auf dem Parteitag fast 40 Prozent der Stimmen erhalten habe, zeige schließlich, dass ein erheblicher Teil der FDP ihre Sorgen teile. Den Blick zurück auf alte Ampel-Konflikte hielt sie ohnehin für überholt. Einordnungen wie „Was mal war vor den Freiheitskriegen“ interessierten viele junge Menschen längst nicht mehr. Die FDP müsse nun nach vorn schauen und über ihren künftigen Kurs diskutieren. Zudem widersprach sie Lauterbachs Darstellung der Ampel-Jahre. Der Streit in der früheren Bundesregierung sei „deutlich später“ gekommen. „Wir haben relativ lange ausgehalten, bevor der Krach kam“, erinnerte sie. Mit Blick auf die aktuelle schwarz-rote Koalition fügte sie hinzu, dass die Spannungen zwischen Friedrich Merz und SPD-Chef Lars Klingbeil inzwischen deutlich schneller sichtbar würden. „Was ich gerade sehe, hat jetzt Herr Merz und Herr Klingbeil deutlich an Tempo aufgenommen.“Irgendwann konnte sich selbst Lanz eine bissige Bemerkung nicht verkneifen: „Ich weiß auch nicht, sollen wir den Therapeuten anrufen? Ich habe das Gefühl, gerade ampelmäßig ist hier noch einiges aufzuarbeiten.“kami