PfadnavigationHomeICONISTTrendsRenault 5Der kämpferische Gallier unter den Auto-IkonenVon Thomas GeigerVeröffentlicht am 05.11.2025Lesedauer: 4 MinutenRetrodesign trifft neue Technik: am 5. Oktober 2025 zeigte Renault den neuen R5 Turbo 3E während der 25. „Tour de Corse Historique“Quelle: picture alliance/SIPA/Sanchez/Crystal PictureDer R5 ist so etwas wie die automobile Entsprechung zu Asterix: klein, aber zu erstaunlichen Leistungen fähig. Selbst der Elektroantrieb in der Comeback-Version kann ihn nicht besänftigen.Keine Ahnung, ob sie damals in Dieppe auch die Abenteuer von Asterix gelesen haben. Schließlich hatten sie in den 1980ern mit dem Aufstieg zu einem Top-Team der Formel 1 genug zu tun bei der Renault-Sport-Truppe.Doch zumindest ein bisschen vom Geist der gallischen Krieger muss auch in den Scharfmachern von Dieppe geschlummert und ein bisschen von Miraculix’ Zaubertrank in ihrem Giftschrank gestanden haben. Sonst hätten sie nicht ausgerechnet den R5 zum ultimativen „Hot Hatch“ aufgerüstet. Von den Werbern als „Kleiner Freund“ zur Ikone stilisiert und einer der meistverkauften Franzosen aller Zeiten, wurde der charmante Kleinwagen als R5 Turbo so 1980 zur rabiaten Rakete für die Westentasche. Denn während wir Deutschen uns im Golf GTI mit seinen 110 PS ganz schön halbstark fühlen durften, kitzelten die Franzosen mal eben 160 PS aus dem Winzling und rüsteten ihn zum ernsthaften Sportwagen auf. Allerdings mussten sie dafür auch gründlicher zu Werke gehen als ihre Kollegen in Wolfsburg. Sie bauten deshalb nicht nur zum ersten Mal bei einem französischen Serienauto einen Turbo ein. Sondern vor allem verpflanzten sie den 1,6 Liter großen Motor aus Platzmangel vom Bug ins Heck, warfen dafür die Rückbank raus und verbreiterten die Kotflügel um 20 Zentimeter. Als wäre er in den Topf mit dem Zaubertrank gefallen, wurde der R5 zum pausbackigen Powerknirps und sicherte sich als Posterboy in den Kinderzimmern der PS-Jugend über weite Teile der Achtziger hinweg seinen Platz neben Bravo-Starschnitt und weichgezeichnetem Halbnacktbild von David Hamilton.Lesen Sie auchZwar trieben es die Franzosen mit dem R5 Turbo ganz schön wild und schickten ihn sogar mit über 400 PS auf die Rallye-Piste. Und selbst in der Straßenversion fühlte es sich ein bisschen an wie beim Start der Concorde, wenn der Kleinwagen an den damals für einen Kleinwagen kaum vorstellbaren 200 km/h kratzte. Doch irgendwann bekamen die Controller die Oberhand, die Sorgen ums Klima wurden immer konkreter und Renault sperrte die Flaschen mit dem Zaubertrank erst mal in den Giftschrank. Beim Clio hatten sie noch einmal eine Art Rückfall, schlugen erneut über die Stränge und bauten kurz vor der Jahrtausendwende wieder einen Heckmotor ein. Der hatte sogar sechs Zylinder und kam – als hätten sie sich von Asterix bei den Briten inspirieren lassen – vom englischen Rennstall Tom Walkinshaw. Die legten das Auto tiefer, machten es breiter und streckten es. Und vor allem entlockten sie dem V6-Motor 256 PS und ermöglichten damals atemberaubende 250 km/h. Aber auch das ist mittlerweile fast ein Vierteljahrhundert her. Doch vorbei ist nicht vergessen. Im Gegenteil. Denn so, wie im Geist der Herren Uderzo und Goscinny regelmäßig neue Asterix-Bände aufgelegt werden, haben die Sportler bei Renault jetzt doch noch einmal den Panzerschrank aufgemacht und wieder ein wenig Zaubertrank herausgeholt. Kaum war der R5 2024 als elektrischer Kleinwagen zurück und hat mit seinem Charme wieder die Herzen der Großstädter erobert, haben sie ihn mit ein paar Tropfen des – in diesem Fall – elektrischen Elixiers zum Alpine A290 aufgepäppelt. Mit seinen maximal 220 statt sonst 150 PS schafft es der Stadtflitzer heute zwar nicht mehr zum Traumwagen, weil Leistung mit dem Elektroantrieb fast inflationär geworden ist. Aber er sieht ein wenig frecher und forscher aus als sein braver Bruder – und vor allem hat er intern offenbar die Lust geweckt auf einen wilden und deshalb würdigen Nachfolger für den R5 Turbo. Einen, der am Zaubertrank nicht nur nippt, sondern ihn sich auf ex in den Rachen kippt. Einen wie den R5 Turbo 3E, der sich gerade für den Serienstart im Frühjahr 2027 warmläuft. Genau wie beim Alpine A290 kochen sie das Elixier nicht auf dem Benzinbrenner, sondern im elektrischen Thermomix. Doch das Rezept bleibt das gleiche: Leistung satt und vor allem eine Portion Irrsinn. 555 PS leisten seine zwei E-Motoren, 3,5 Sekunden dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h und erst bei 270 Sachen ist Schluss. Und damit der wie ein Bodybuilder beim Flexen aufgeblasene Ballermann vollends zum Wirbelwind wird, gibt’s eine entsprechende Handbremse am langen Hebel und jede Menge elektrischer Drifthilfen.Eines ist indes zu beachten: der Preis. War der R5 Turbo schon damals kein Schnäppchen, stehen jetzt etwa 160.000 Euro auf der Rechnung. Auch die Gebrauchtwagenportale im Netz oder die Kleinanzeigen in der Tageszeitung spenden keinen Trost: Das Original wird teilweise sogar für 200.000 Euro gehandelt. Kurz vor Erscheinen seines neuesten Abenteuers „Asterix in Lusitanien“ (erscheint am 23. Oktober) kommt es zu einer Weltpremiere: eine ganze WELT AM SONNTAG, die ausschließlich mit Bildern von Albert Uderzo und seinem Nachfolger Didier Conrad illustriert wird. Leser finden in dieser Ausgabe die gewohnte Mischung aus Nachrichten, Analysen und Unterhaltung, aber auch Geschichten, die selbst die behäbigen Bewohner eines gallischen Dorfes interessieren könnten.Sie können diese ganz besondere Ausgabe der WELT AM SONNTAG, ein Sammlerstück, gern hier bestellen.