PfadnavigationHomeICONISTFitness & WellnessBeautytrendFünf Minuten – länger sollte eine Dusche beim Microdosing nicht dauernVon Claudia HerwigVeröffentlicht am 19.09.2025Lesedauer: 4 MinutenKurz, knapp und manchmal nur die „Hotspots“: Microdosing ist das neue Mantra im Bad – und das verspricht nichts weniger als Reinheit, Ritual und Ressourcenschonung Quelle: Getty Images/Olga RolenkoEinen kurzen Moment unter der Duschen – länger gönnen sich nur Nostalgiker: Microdosing nennt sich das – klingt nach Hightech, meint aber sparsames Einseifen im Schnelldurchlauf. Prominente wie Kristen Bell oder Ashton Kutcher schwören darauf – und üben Verzicht.Der Wecker piept nach fünf Minuten – und das war’s. Wer beim Duschen auf Microdosing setzt, gönnt sich keine Tagträume unter dem Wasserstrahl, sondern Effizienz: Haare waschen, Körper reinigen, abspülen. Klingt nach Verzicht, fühlt sich für Fans wie ein bewusstes Ritual an – kurz, frisch, nicht verschwenderisch. Und: gut für die Gesundheit. „Microdosing“ bezeichnet den bewussten Einsatz sehr kleiner Mengen – beziehungsweise den Verzicht auf große Mengen –, um positive Effekte zu erzielen. Der Begriff kommt aus der Psychopharmakologie, wo er die Einnahme extrem geringer Mengen einer Substanz – meist Psychedelika – beschreibt, um subtile, positive Effekte auf Stimmung, Kreativität oder Konzentration zu erreichen. Inzwischen findet er auch Anwendung im Wellness- und Lifestyle-Bereich. Beim Duschen bringt dieser Minimalismus-Trend klare Vorteile.Bekannt gemacht haben diese Form der Duschroutine prominente Anhänger derselben: US-Schauspielerin Kristen Bell etwa erklärte in einem Interview, sie beschränke ihre Duschen auf fünf Minuten oder weniger, um Wasser zu sparen und die Hautfeuchtigkeit zu erhalten; zugleich betonte sie, Wassersparen sei Teil ihres Engagements für ökologische Nachhaltigkeit. Die Schauspieler Ashton Kutcher und Mila Kunis hingegen schwören darauf, nur kritische Körperstellen täglich zu waschen – statt den ganzen Körper einzuseifen.Ähnlich halten es auch die Sängerin Taylor Swift oder Moderatorin und Schauspielerin Chelsea Handler: Sie wasche nur ihre „Hotspots“ – Vagina, Po und Achseln – täglich; den Rest seltener. Sie fragte, warum ihre Beine überhaupt schmutzig sein sollten, sie steckten schließlich den ganzen Tag in Jeans, und ergänzte, der Schaum von Shampoo und Spülung laufe beim Haarewaschen eh über den Körper – das reinige den Rest ja mit.Lesen Sie auchUnstrittig ist, kurz duschen schont den natürlichen Schutzmantel der Haut. Sie trocknet weniger aus, reagiert seltener mit Reizungen oder Juckreiz. Dermatologen empfehlen deshalb eine Duschdauer von vier bis fünf Minuten – maximal. Nach dem Sport oder bei starker Verschmutzung darf es allerdings auch länger sein. Nichtsdestotrotz zählt auch die Temperatur: Zu heißes Duschen kann die Haut strapazieren – und die Gefäße.Die Hamburger Dermatologin Susanne Steinkraus erklärt: „Zu lange und auch zu warme Brausebäder sowie viele konventionelle Pflegeprodukte greifen den natürlichen Säureschutzmantel der Haut an. Beim Duschen spülen wir deshalb nicht nur Keime, Schmutz und Hautschüppchen ab, sondern auch körpereigene Fette, die uns eigentlich schützen sollen. Die Hautbarriere kann dadurch gestört werden.“ Lauwarm bis kühl zu duschen schone hingegen, schließe die Poren und kurbele Durchblutung sowie Kreislauf an. Ergebnis: erfrischend, belebend – ein kleiner Energiekick.Außerdem schont es Ressourcen, Energie – und die Rechnung. Ja, Wasser sparen ist Basic – überraschend jedoch ist, wie deutlich die Kürze wirkt: Fünf Minuten entsprechen rund 60 Litern, zehn Minuten rund 120 Litern. Also: halbe Zeit, halbe Wassermenge.Wellness, aber kompaktWer trotz Effizienz Sinnlichkeit nicht missen will, setzt auf ätherische Öle – idealerweise über einen Dusch-Diffuser, der die Düfte direkt im Wasserdampf verteilt. So wirken die Aromen im Duschnebel, ohne dass man Öl auf die Haut geben muss. Wenige Tropfen reichen; die kurze Duschzeit hält die Intensität hoch.Welche Noten passen? Zitrusdüfte wie Orange oder Grapefruit wirken belebend und frisch – ideal für einen energiegeladenen Start in den Tag. Eukalyptus öffnet die Atemwege und vermittelt Klarheit, während Lavendel beruhigt und sich eher für den Abend eignet, um runterzufahren.Lesen Sie auchWichtig: Wer sehr empfindliche Haut, Atemwegsprobleme oder Allergien hat – oder stark auf intensive Düfte reagiert –, sollte vorsichtig dosieren oder ganz darauf verzichten. Ätherische Öle können Hautreizungen oder Unverträglichkeiten auslösen.Kurzduschen im Microdosing-Stil sind aber nicht nur gut für Haut und Umwelt, sie wirken auch mental. Die klare Begrenzung auf fünf Minuten macht aus dem Alltagsschritt ein Mini-Ritual, das Achtsamkeit fördert: Fokus auf Körper, Atem, die Sinneseindrücke von Wasser und Duft. Solche kurzen Routinen können Stress senken, die Stimmung stabilisieren und helfen, den Tag fokussiert zu starten oder bewusst abzuschließen – ein Effekt, der in einer schnelllebigen und reizüberfluteten Zeit keineswegs zu unterschätzen ist.Waschlappen – aber vor dem DuschenSmartes Vorgeplänkel beim Microdosing: Statt lange unter fließendem Wasser zu stehen, werden beanspruchte und sensible Stellen wie Gesicht, Intimzone, Achseln und andere Schweißzonen schon vorher kurz gesäubert – so verkürzt sich die Duschzeit noch einmal.Erinnerungen an den Sommer 2022? Damals empfahl Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann angesichts steigender Energiepreise genau das – öfter mal einen Waschlappen zu nutzen, statt immer zu duschen. Die Debatte, die daraufhin entstand, zeigt, wie eng persönliche Rituale, Ressourcenschutz und gesellschaftliche Erwartungen zusammenhängen. Und dass ein kleines, bestenfalls flauschiges Textilstück manchmal Erstaunliches bewirken kann.