PfadnavigationHomeICONISTTrendsUrlaub in FrankreichEin Frühstück besser als in Paris, ein Messer im Schaufenster – und die Frage nach HeimatVeröffentlicht am 09.09.2025Lesedauer: 3 MinutenSchimmernd wie Skarabäen: Messer in einer Auslage in Sarlat-la-CanédaQuelle: Frédéric SchwildenZwischen Trash und erotischer Pâtisserie: Urlaub in der französischen Provinz – wo Springmesser im Schaufenster glänzen, Red-Bull-Slushies in Plastikpalmen warten und die Kindheitserinnerung schöner ist als die Rückkehr nach Deutschland.Wir fahren also durchs Périgord, diese famose Fress- und Urlaubslandschaft Frankreichs. Zum Frühstück halten wir gegen acht Uhr in Sarlat-la-Canéda, einer 8000-Einwohner-Stadt. Wir gehen ins Café „Maison Lissajoux“. Es gibt ein Trüffelbrioche mit Ei, Speck und Salat, Avocado-Sauerteigbrot und Brioche Perdue, das, was man außerhalb Frankreichs French Toast nennt. Das Café wird vom überaus attraktiven und freundlichen Paar Jean und Nicolas Lissajoux betrieben.Jean begrüßt die Gäste, begleitet sie an den Platz und erklärt die Karte. Sein Mann Nicolas war früher Anwalt und Handtaschendesigner für Fendi und Louis Vuitton. Jean hat als Geschäftsführer in der Pariser Gastronomie gearbeitet. Jedenfalls ist das Frühstück hervorragend. Und in den Auslagen der Pâtisserie-Abteilung liegen Schätze, die ehrlich gesagt noch besser sind als bei „Lenôtre“ in Paris. Lesen Sie auchEin kleines Ei („Oeuf Lissajoux“) aus weißer Schokolade, gefüllt mit einer luftig aufgeschlagenen Creme aus Kokosmilch als Eiweiß und einem Mango-Püree als Eigelb. Darauf sind Federn aus brauner Schokolade. Nicht nur geschmacklich, sondern auch durch die Namen der Produkte wie „Courtisane“ entsteht eine gewisse Erotik.Die Schönheit französischer Ortschaften wie Sarlat-la-Canéda liegt in ihren Gegensätzen. Morgens, wenn sich der Geruch des Putzmittels der Straßenreinigung mit dem Urin vom Vorabend vermengt, zeigt sich das am besten. Im Cabinet de curiosités verkaufen sie Ensembles von Froschskeletten unter Glaskugeln für über 1000 Euro und nebenan Slushies in den Geschmacksrichtungen Chewinggum und Red Bull aus Plastikpalmen für sechs Euro. Und manche Obdachlose – in Frankreich werden sie würdevoll Clochards genannt – sehen aus wie eine Mischung aus Charles Schumann und Hemingway.Und dann bleibe ich vor einem Schaufenster stehen, in dem ein Butterflymesser schimmernd-irisierend wie ein Skarabäus beworben wird. Ich erinnere mich genau an das Gefühl, als ich als achtjähriger Junge vor Schaufenstern wie diesen in Frankreich stand. Oft waren da auch noch Softair-Waffen, Springmesser und Reproduktionen von Paradedolchen zu sehen. Lesen Sie auchIch wusste damals nicht, was das alles bedeutet, dass Butterfly- und Springmesser mit Messerstechereien und der dazugehörigen Klientel zwischen Reichskriegsflagge und Wolfsgruß assoziiert werden. Für mich waren das damals nur wunderschöne Gegenstände. Und ich stellte mir vor, wie ich damit auf dem Campingplatz Äpfel und Salamis schnitt. Daran denke ich, wie ich davor stehe.Irgendwann dann ruft mich mein Freund Christian an. Er fährt von Kroatien mit dem Auto zurück nach Deutschland. Und er meint, wie furchtbar Deutschland erst wird, wenn man wieder da ist. Er erzählt von den Autogrills in Italien, ich von den französischen Rasthöfen, wo es wirklich fabelhafte Baguettes gibt. Aber kaum bist du in Deutschland, gibt es nur noch Schrott und Menschen mit schlechter Laune in den Gesichtern, sagt Christian. Und ich denke, er hat recht.