In München kursiert die liebevolle Verschwörungstheorie, der Österreicher Jürgen Wolfsgruber arbeite an dem Plan, die komplette Gastronomie der Stadt zu übernehmen. Hier mischt sich (neidischer) Spott mit Bewunderung, ist dieser Mythos doch der äußerst realen Tatsache geschuldet, dass Wolfsgruber zuletzt ein Restaurant nach dem anderen eröffnet hat und das – entgegen allen Gastrokrisen – mit Erfolg: Aus der Terrine, früher die kleine Schwester des Tantris, hat er das ebenfalls längst besternte Sparkling Bistro gemacht, nur ein paar Meter weiter in der Amalienpassage hat sich sein alltagstauglicheres Tschecherl schnell etabliert, und obwohl die Eröffnung des Südtirol-Lokals Das Obers im gediegenen Gern erst gute vier Monate zurückliegt, soll Wolfsgruber schon am nächsten Restaurant mit Östro-Konzept tüfteln, wie er das nennt.

Ein erstes Zwischenfazit lautet: Sollte München tatsächlich irgendwo österreichisiert werden müssen, dann wäre die Gastronomie nicht das schlechteste Ziel dafür. Denn obwohl die Restaurants alle verschieden sind, eint sie doch ein kluger kulinarischer Markenkern, der sofort zum Erfolgsrezept wurde: Es geht um transparente, gute Produktküche, alpenländisch geerdet, aber modern interpretiert; gehoben, aber noch gerade bezahlbar und ohne jeden falschen Schnörkel.