PfadnavigationHomeICONISTEssen & TrinkenGenießerregion PfalzFranzosen kommen nun öfter als Gäste. Nur des Essens wegenVon Wolfgang FassbenderVeröffentlicht am 26.08.2025Lesedauer: 5 MinutenSternekoch Benjamin Pfeifer betreibt mit seiner Ehefrau Bettina Peifer-Thiel das Restaurant „Intense“ in der PfalzQuelle: Enrico MarkxDie Krise der Gastronomie geht auch an der Pfalz nicht spurlos vorbei. Doch in dieser von Weinbau, Lebensfreude und mildem Klima geprägten Region finden Wirte immer wieder neue Wege, um ihre Gäste zu begeistern.Eigentlich ist Anette Berberich ja ausgelastet mit ihrer „Eselsburg“. Vor 17 Jahren übernahm die Gastronomin das damals schon legendäre Weinlokal im Pfälzer Winzerdorf Mußbach, ergänzte die Weinkarte mit spannenden Champagnern und Südafrikanern, behielt den urigen Charakter des Ladens bei. Mit Erfolg. Aber dann kam das Angebot, nebenbei Teilhaberin einer neuen Adresse in Wachenheim zu werden, ein paar Kilometer weiter an der Weinstraße. Das „Fauerbach“ soll im Herbst 2025 eröffnen, wird in einer ehemaligen Apotheke Platz finden und will eher unkomplizierte Gastronomie bieten – inklusive einiger Außensitzplätze, etwa auf den Fenstersimsen.Lesen Sie auchVon einer Bistrothek spricht Berberich. „Mein neues Konzept wird ein weltläufiges Speisenangebot und eine kleine, aber nicht nur regionale, sondern auch weltoffene Auswahl an Weinen haben.“ Klappt alles wie geplant, verwandelt Wachenheim sich endgültig zu einem Epizentrum der pfälzischen Gastronomie. „Wachenheim ist ein Hotspot geworden mit vielen Konzepten nah beieinander“, sagt Anette Berberich. Hier finden sich bereits jetzt mehrere etablierte oder neue Adressen – etwa das gerade mit zwei Michelin-Sternen gekürte Restaurant „Intense“. Der dortige Küchenchef Benjamin Peifer ist einer, der neue gastronomische Wege sucht und findet, Pfalz mit Japan verknüpft, den Gast durch mehrere Stationen leitet, dynamische Preise anbietet (am Wochenende kostet das Menü 250, unter der Woche 210 Euro).Gastfreundschaft seit 1160Dass sich so etwas etablieren kann, hat auch mit dem Ruf und der Lage der Pfalz zu tun. Landschaft und Weinberge locken, Großstädte wie Frankfurt und Mannheim liegen in Reichweite, französische Lebensart schwappt über die Grenze. Weil die Stimmung gut ist, bleiben die Talente. So wie Daniel Schimkowitsch, der im Deidesheimer „L.A. Jordan“ mit essbaren Raritäten wie Entenmuscheln und Kinmedai avantgardistische Menüs zaubert. So etwas spricht sich rum. Franzosen kämen nun öfter einmal als Gäste, sagt der gebürtige Bayer, Skandinavier auch. Nur des Essens wegen. Irgendwie logisch, dass sich das älteste Lokal der Pfalz nur ein paar Schritte weiter befindet: Das Gasthaus „Zur Kanne“ empfing schon im Jahr 1160 hungrige Kunden, wurde bereits vom später in Shanghai zu Ruhm und drei Michelinsternen gekommenen Stefan Stiller geführt. Inzwischen geht es hier, gegenüber Kirche und Weinkulturmuseum, um eine Mischung aus Pfälzer Klassik und weiter Welt. Saumagen, Bratwurst und Leberknödel, die deftige Dreifaltigkeit der regionalen Küche, aber ein dry-aged Tomahawk-Steak für zwei: Die Mischung scheint’s zu machen.Während allerdings Hotspots an warmen Wochenenden Trauben von Menschen anziehen und auch sonst gern angesteuert werden, müssen Gastgeber außerhalb der Zentren kämpfen – da ist die Pfalz keine Ausnahme in der gebeutelten deutschen Gastronomielandschaft. Liz und Marco Grenningloh, die vor rund zehn Jahren das Hofgut in Gönnheim pachteten, hören demnächst auf. Gerade die letzten Monate waren hier problematisch, aber bergab geht es schon seit Jahren. „Die Situation in der Gastronomie ist nach der Pandemie schwieriger geworden“, sagt Marco Grenningloh. „Viele Firmen verzichten auf Weihnachtsfeiern, und viele Gäste kommen nicht mehr so häufig wie früher.“ Auch Anette Berberich weiß, dass selbst in der Pfalz nicht alles rosig aussieht. So mancher etablierte Weinstubenwirt fände keinen Nachfolger. Anderswo drücken Personalkosten – der steigende Mindestlohn löst wenig Freude aus – und zurückzuzahlende Coronahilfen auf Gemüt und Budget. In Bad Dürkheim tut sich die Gastronomie schwer, und in Schweigen hält die „Weinstube Jülg“ die Fahne der anspruchsvollen Küche fast allein hoch.Oder die volle DröhnungDennoch bleibt die Dichte der empfehlenswerten Lokale in diesem Teil Deutschlands beeindruckend – zumal immer wieder neue Ideen und Konzepte aus der Pfälzer Erde schießen. Die Deidesheimer Weinhandlung und Weinbar „Rohstoff“ wurde unter der Leitung von Johannes Lochner rasch zum Treffpunkt aller, denen klassische Weinstuben zu bieder sind. Und in Haßloch betreiben Oliver Uphues und Tom Mücke seit rund zwei Jahren das „Event Taste“, eine Mischung aus Catering, Eventlocation und Restaurant. „Wir haben einen großen Pool von Stammgästen“, sagt Uphues. Auch deshalb, weil die Karte zwar klein ist und lediglich zehn Speisen umfasst, aber monatlich wechselt und zum Wiederkommen animiert. Fünf Gänge nach Wahl – vielleicht Jakobsmuschel mit Vanilleschaum oder Crispy Spitzkohl – kosten erschwingliche 84 Euro; wer es krachen lassen will, kann mit Kaviar zu 40 Euro aufstocken. „Young Casual Fine Dining“ nennt Uphues das.Lesen Sie auchEine halbe Autostunde weiter nördlich, in Asselheim, spricht Christian Saul lieber von „Sharing is Caring“. In seinem vor wenigen Monaten eröffneten Lokal namens „Ungezwungen“ geht es tatsächlich maximal locker zu. Alle Gerichte können als Vorspeise, Zwischen- oder Hauptgang gewählt werden, für 75 Euro bekommt man, ab zwei Personen, von allem etwas, von Graupen mit Ziegenkäse bis zum Riedgockel mit Salzzitrone. „Die volle Dröhnung“, so Saul. Mindestens ebenso ungezwungen geht es auch im neu eröffneten „Alten Engel“ in Speyer zu. Wer will, kann hausgebackenes Brot mit einer verblüffend fair kalkulierten Flasche Champagner der besseren Art kombinieren; richtig gekocht wird aber auch.Merken sollten sich kulinarisch affine Pfalzreisende zudem noch eine ganz andere Adresse. Im Bad Dürkheimer Salinarium, einer Freizeitattraktion, tritt Marco Grenningloh demnächst seine Stelle als gastronomischer Leiter an, wird die Komplettverantwortung für Essen in Therme, Sauna und Spaßbad übernehmen und aus seiner alten Wirkungsstätte nicht nur Erfahrungen, sondern auch den Smoker mitnehmen. Vom Kochen und von der Pfalz scheint Grenningloh noch lange nicht genug zu haben.
Gastronomie: „Wir haben einen großen Pool von Stammgästen“ - Warum die Pfalz so beliebt ist - WELT
Die Krise der Gastronomie geht auch an der Pfalz nicht spurlos vorbei. Doch in dieser von Weinbau, Lebensfreude und mildem Klima geprägten Region finden Wirte immer wieder neue Wege, um ihre Gäste zu begeistern.






