Wenn Johannes Martin Müller in voller Montur in den Walchensee steigt, öffnet sich für ihn eine andere Welt. Fast so, als begäbe er sich in ein fremdartiges Universum, ebenso faszinierend wie lebensfeindlich. Unter der Oberfläche ist das Wasser des zweittiefsten Sees in Deutschland noch trüb, aber in 25 Metern Tiefe wird es plötzlich anders. „Da fängt eine Klarheit an ... “, sagt der 47 Jahre alte Taucher aus Bad Tölz und sucht kurz nach dem richtigen Wort. „Kristallklar im Schein der hellen Lampe.“ Aber dann werde es schnell auch dunkel. Das hält Müller jedoch nicht davon ab, tiefer und tiefer zu gehen. Auf 60 Meter will er an diesem Tag tauchen, senkrecht hinunter an der „Galerie“ genannten Steilwand, die vor dem ersten Straßentunnel hinter Urfeld auf rund 95 Meter im See abfällt. Tauchen, sagt Müller, sei „die Raumfahrt des kleinen Mannes“.