PfadnavigationHomeGeschichteKönigsmord in Monza 1900Der dritte Anschlag auf Umbertos Leben war tödlichVeröffentlicht am 01.08.2025Lesedauer: 5 MinutenGaetano Bresci erschießt am Abend des 29. Juli 1900 den italienischen König Umberto I. in MonzaQuelle: picture-alliance/Mary Evans Picture Library/Rights ManagedAm Abend des 29. Juli 1900 krachten in Monza drei Schüsse. Sie trafen Italiens König Umberto I., der seinen Verletzungen erlag. Zuvor hatte der Monarch zwei Attentate überlebt. Den Täter erwartete ein hartes Schicksal.Der Täter hatte eine denkbar weite Anreise zum Tatort. Der Arbeiter Gaetano Bresci, geboren in der Toskana, aber ausgewandert in die USA, nahm eine neuntägige Dampferfahrt von New Jersey über den Atlantik bis nach Le Havre und die weitere Reise bis nach Monza auf sich, um seine imaginierte Lebensaufgabe umzusetzen: den Mord an Italiens König Umberto I.Attentäter brauchen immer dreierlei: den unbedingten Willen zu töten, eine geeignete Waffe – und die passende Gelegenheit, bei der sie nahe genug an ihre Zielperson herankommen, um sie mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu töten. Den Willen hatte Bresci schon durch den Aufwand seiner Anreise bewiesen. Die passende Waffe brachte er aus den USA mit: einen Revolver der Marke Harrington & Richardson, Modell „Massachusetts“, im Kaliber .38 Smith & Wesson. Die Gelegenheit bot sich ihm durch die Präsenz des Monarchen bei der Jahresfeier eines traditionsreichen Sportvereins am Abend des 29. Juli 1900 in Monza, einer Stadt nordöstlich von Mailand.Mit Rücksicht auf die tagsüber herrschende „unerträgliche Hitze“ (so zeitgenössische Zeitungen) war die Veranstaltung auf den Abend verlegt worden. König Umberto erschien um 21.30 Uhr am Veranstaltungsort in der Via Matteo da Campione. Sportler wie Zuschauer brachten ihm Ovationen dar. Der Monarch genoss es: „Inmitten dieser fähigen jungen Männer fühle ich mich wie neugeboren“, soll er einem Vertrauten gesagt haben. Nachdem er die Preisverleihung verfolgt hatte, stieg er wieder in seine Kutsche, um zur Villa Reale zurückzufahren; es war etwa 22.30 Uhr. Doch kaum hatte sich das königliche Gespann in Bewegung gesetzt, krachten kurz nacheinander drei Schüsse. Mit Schrecken verfolgten viele Augenzeugen, wie ein „anständig gekleidetes Individuum, das sich hinter den Spalier bildenden Soldaten aufgestellt hatte“, auf den Monarchen feuerte: „Man sah noch, wie der Oberkörper des Königs sich nach vorne neigte, dann aber verschwand der Wagen.“ In höchstem Tempo zogen die Pferde zum kaum einen Kilometer entfernten Palast aus habsburgischen Zeiten, doch es war zu spät – Umberto wurde als Toter aus dem Wagen hineingetragen.Die Königin stürzte sich verzweifelt auf seine Leiche; die sofort herbeigerufenen Ärzte hatten Schwierigkeiten, das Opfer zu untersuchen. Schließlich stellten sie fest, dass eine Kugel Umbertos Herz getroffen hatte; die beiden anderen Geschosse (eines hatte seine Schulter durchschlagen, eines steckte in der Lunge) wären wohl lebensbedrohlich, aber nicht unbedingt tödlich gewesen. Lesen Sie auchLesen Sie auchUmgehend wurden alle Telegrafen- und Telefonverbindungen aus Monza für private Mitteilungen gesperrt – auf diese Weisen sollte das Aufkommen von Gerüchten in Rom und Süditalien verhindert werden. Das klappte natürlich nicht, denn es gab genügend Augenzeugen des Attentats, von denen viele noch am selben Abend Richtung Mailand zurückfuhren; dort aber waren die Telegrafenämter nicht entsprechend instruiert. Nach den Schüssen waren empörte Menschen über Gaetano Bresci hergefallen und wollten ihn lynchen. Nur mit großer Mühe konnten die Carabinieri den Attentäter festnehmen. Schon gegen 23 Uhr fand das erste Verhör statt, in dem sich Bresci als Anarchist bezeichnete; er habe aus Hass gegen die Monarchie als Institution gehandelt, allein und ohne Unterstützer. Auf alle weitere Fragen antwortete er kaltblütig: „Lassen Sie mich in Ruhe schlafen, im gegebenen Moment werde ich mich äußern.“ Lesen Sie auchMonza trug am 30. Juli 1900 Trauer, der Mörder war im Gefängnis mit „großem Zynismus“. Das Volk sei „furchtbar ergriffen“ und verschlinge jeden neuen Bericht, meldeten gleichermaßen Schweizer wie deutsche Zeitungen: „Den Lesern stehen die Tränen in den Augen.“ Auf allen öffentlichen Gebäuden und zahlreichen Privathäusern wehten Flaggen auf halbmast. Mittags wurden in allen Garnisonsstädten hundert Artilleriesalven abgegeben.Das einzige Kind von Umberto und seiner Frau Margarethe von Savoyen, der 30-jährige Prinz Viktor Emanuel bestieg den Thron. Bald gab er die Errichtung einer Sühnekapelle und eines Gedenkparks auf dem Areal des Sportplatzes in Auftrag, den sein Vater als letzte Amtshandlung aufgesucht hatte. Der Mörder Gaetano Bresci, der übrigens genau einen Tag älter war als der neue König, wurde in Mailand vor ein Gericht gestellt und erhielt lebenslange Einzelhaft – die Todesstrafe war 1889 unter Umbertos Regentschaft mit Ausnahme der Militärstrafbarkeit abgeschafft worden. Eigens für ihn wurde im Zuchthaus auf der Insel San Stefano eine besondere Zelle von drei mal drei Metern gebaut – ohne Mobiliar. Seine Füße steckten stets in Ketten, seinen täglichen Hofgang von einer Stunde musste er auf einer abgelegenen Terrasse absolvieren, wenn die anderen Häftlinge in ihren Zellen waren, um jeden Kontakt zu vermeiden. Als Verpflegung erhielt er täglich eine Schüssel dünne Suppe und einen Laib Brot.Am 22. Mai 1901 fand man Bresci tot in seiner Zelle; ob er Suizid beging, den fraglos harten Haftbedingungen erlag oder von Wärtern umgebracht wurde, blieb umstritten. Der offizielle Untersuchungsbericht einschließlich der Notizen über die Leichenschau verschwand; stattdessen verbreiteten sich Gerüchte, die bis ins 21. Jahrhundert fortwirken.König Umberto übrigens hatte vor den tödlichen Schüssen Brescis in Monza bereits zwei Attentate verletzt überlebt. Das erste beging der Anarchist Giovanni Passannante am 17. November 1878 in Neapel, das zweite der geistesgestörte Schmied Pietro Acciarito.Anarchisten waren eine Art modischer Gewalttäter im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Ihren wirren Ansichten zufolge ging es ihnen um die Bestrafung von Königen oder politischen Herrschern sowie um die „Propaganda der Tat“. Neben Umberto fielen ihnen etwa 1898 Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn und 1901 US-Präsident William McKinley zum Opfer.Passannante wurde zum Tode verurteilt, obwohl die Höchststrafe nur für den Tod des Königs galt; deshalb wandelte Umberto das Urteil in lebenslange Zuchthaus um. Der gescheiterte Mörder war jahrelang in einer nur 1,4 Meter hohen Zelle und mit 18 Kilogramm schweren Kette eingesperrt; er starb 1908 schließlich in einem (wie es damals hieß) Irrenhaus. Acciarito, der während seines Prozesses ein (falsches) Bekenntnis zum Anarchismus abgegeben hatte, saß zunächst in harter Einzelhaft wie Bresci, kam aber 1904 in ein Gefängniskrankenhaus und später in eine Anstalt für geisteskranke Gewalttäter; hier lebte er bis 1943.Sven Felix Kellerhoff ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Schon seit 1995 befasst er sich intensiv mit Attentaten, also Mordanschlägen auf einzelne prominente Personen aus tatsächlich oder vermeintlich politischen Gründen. Sein Buch „Attentäter. Mit einer Kugel die Welt verändern“ erschien erstmals 2003.
Königsmord in Monza 1900: Der dritte Anschlag auf Umbertos Leben war tödlich - WELT
Am Abend des 29. Juli 1900 krachten in Monza drei Schüsse. Sie trafen Italiens König Umberto I., der seinen Verletzungen erlag. Zuvor hatte der Monarch zwei Attentate überlebt. Den Täter erwartete ein hartes Schicksal.







