Sitzt der Mann zurecht auf der Anklagebank – oder hätte er eigentlich offizielle Ehren verdient? Für den Staatsanwalt stellt sich die Frage nicht. Für ihn hat Vaclav „Wenzel“ Cerveny mit Cannabis gehandelt, „in nicht geringfügiger Menge“, wie der Mann in der schwarzen Robe sagt. Für den Angeklagten Cerveny, 64 Jahre alt, die Hände auf dem Pult vor sich verschränkt, stellt sich der Sachverhalt anders dar. „Anstatt hier zu sitzen, müsste ich eigentlich einen Orden bekommen“, sagt er, nachdem der Staatsanwalt die Anklage verlesen, Zahlen genannt und Cerveny unter anderem die „unerlaubte Einfuhr“ von Betäubungsmitteln vorgeworfen hat. Immerhin habe er viele Menschen vom Cannabis-Konsum abgehalten, damals, als Kiffen noch verboten war, sagt Cerveny. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst“.
Die potenziellen Vergehen, um die es vor dem Amtsgericht München geht, liegen mehr als sechs Jahre zurück. Cerveny verkaufte in seinen insgesamt sechs Filialen in und um München CBD-haltige Produkte: Tees, Öle, Pesto. CBD, ein Cannabinoid aus dem weiblichen Hanf, kann gegen Krämpfe und bei Entzündungen helfen. Es kann entspannend wirken. Aber es berauscht nicht, dafür müsste man absurd große Mengen konsumieren.







