PfadnavigationHomeICONISTPartnerschaftTinder führt Größenfilter einEne, mene muh - und raus, kleiner Mann, bist du!Veröffentlicht am 17.06.2025Lesedauer: 3 MinutenKleine Männer können bei der Datingapp Tinder nun knallhart aussortiert werdenQuelle: Getty Images/Roger WrightNun hat auch Tinder einen Größenfilter eingeführt, mit dem Frauen kleine Männer aussortieren können. Klar, wir haben alle Präferenzen, aber filtern wir uns nicht immer mehr in ein engeres Leben hinein, das keine Überraschungen mehr kennt? Ein Einwurf.Manchmal schenkt einem das Leben schon am Nachmittag wunderbare Freuden, von dem man am Morgen nicht mal zu träumen wagte. Man schlendert zerknittert in die Bäckerei – scheiß Wetter – doch vor einem in der Schlange eine junge Frau, die das Croissant mit so einer zarten Stimme bestellt, dass man schon wieder vergessen hat, was gerade da draußen noch das Problem war. Sie wird unauffällig gemustert, eigentlich entspricht sie ja nicht dem eigenen Beuteschema: zu blond, zu normschön. Aber diese zarte Stimme hat die sorgsam zusammen gestellten Checklisten zerrissen und die Intuition zum Schwingen gebracht. Plötzlich, und das wäre durch einen flüchtigen Blick gar nicht möglich gewesen, wirkt alles an ihr fantastisch. Die Bewegungen der Taille, die Art, wie sie ins Portemonnaie greift und ein Lächeln schenkt. Schon ist sie weg, aber die Verwunderung bleibt: Was ist hier gerade passiert?Das Leben vermutlich. Und von dem entfernen sich Dating-Apps immer mehr. Wie im Katalog wollen sich Singles eine Partnerin, einen Partner zusammensuchen. Breitschultrig soll er zum Beispiel sein, schlank soll sie sein und blaue Augen haben. Auf Hinge kann sogar die bevorzugte ethnische Zugehörigkeit ausgesucht werden. Soll er ostasiatisch aussehen? Westeuropäisch? Deshalb ist es nur konsequent, dass nun auch bei Tinder, wie bei Bumble bereits zuvor, neuerdings zahlende Single-Frauen die Mindestgröße von potenziellen Matches einstellen können. Du bist nur 1,73 m? Sorry, da ist die Tür…Fehlt nur noch der Körpergewichts-Filter.Lesen Sie auchMan muss sich nichts vormachen. Dating-Apps waren schon immer auf brutale Weise oberflächlich. Innerhalb von Sekunden müssen Gesicht und Körper des Gegenübers gescannt werden, um dann schnell eine Entscheidung zu treffen: Weg oder Like? So entstand, zumindest im digitalen Dating-Raum, eine zunehmende Ökonomisierung der Liebe, die Menschen anhand von Hautfarbe, Größe und Bildungsgrad vergleichbar macht. Alles, was nicht exakt passt, kommt nicht in den Warenkorb. Magie entsteht so natürlich nie. Die neuesten Opfer sind auf Tinder kleine Männer, die sich selbstironisch „short kings“ getauft haben. Dass sie durch einen Filter auf ihre Größe reduziert werden, trifft einer der wundsten Punkte des Mannes. Welch kognitiven Verrenkungen in den vergangenen Jahren aufseiten der Frauen im aufgeklärten Milieu vorgenommen wurden, um die eigene eingeübte Anziehung zu großen, starken Männern zu hinterfragen. Mit mäßigem Erfolg, wie es scheint. Tinder unterstützt nun schamlos den archaischen Reflex nach einem männlichen Beschützer, der wissenschaftlich belegt ist. Große Männer werden nach wie vor mit Stärke, Vitalität und Schutz assoziiert. Das hat auch dazu geführt, dass große Männer häufiger ihre Gene weitergeben durften. Die kleinen Männer bleiben auf der Strecke.Lesen Sie auchDoch für sie gibt es Hoffnung: das Leben, da draußen. Dating-Apps liegen im Sterben. Vor allem in der jungen Generation hat sich eine Online-Dating-Fatigue breit gemacht, nach Corona stagnieren die Abonnentenzahlen. Der neue Filter von Tinder darf deshalb getrost als Verzweiflungstat abgestempelt werden, die noch einmal zahlende Kundinnen locken soll. Wenn nicht noch eine Pandemie kommt, wird dieser Versuch scheitern. Die „short kings“ stehen bereit, mit Charme und Witz zu kontern. Beim Bäcker, oder wo auch immer.