PfadnavigationHomeICONISTPartnerschaft„Bumble“So stoppten Männerrechtler eine feministische Dating-AppVeröffentlicht am 25.03.2026Lesedauer: 4 MinutenViele Männer senden wahllos Nachrichten – und erfahren nur Ablehnung. „Bumble“ wollte das ändernQuelle: Getty Images/Luis AlvarezNur Frauen dürfen auf der Datingapp „Bumble“ den Kontakt zu Männern initiieren – ein ungerechter Vorteil? Ein Männerrechtler fühlte sich davon diskriminiert. Mit einem juristischen Trick setzte er die Frauen-App unter Druck.Es war eine kleine Revolution im Dating-Leben, 2014, zur Hochzeit der Dating-Apps. Whitney Wolfe gründete die App „Bumble“, die eine „Plattform der Liebenswürdigkeit“ sein sollte, denselben Wischmechanismus verwendet wie Tinder und doch einen ganz anderen Ansatz verfolgte. Es war nur eine vermeintlich kleine Änderung im lang gelernten Dating-Spiel, die Großes bewirken sollte: Auf Bumble musste die Frau den ersten Schritt machen. Nach einem erfolgreichen Match (sowohl Mann als auch Frau wischen das Profilfoto des anderen nach rechts und signalisieren einander Interesse) hatte die Frau 24 Stunden Zeit, dem Mann eine erste Nachricht zu schreiben. Tat sie das nicht, verfiel die Paarung. Es sollte um Wertschätzung, Respekt und Resultate gehen. Und um eine Machtverschiebung.„Der Mann, dem gesellschaftlich die Rolle als Eroberer zugeschrieben ist, hat traditionell in dem Spiel die ganze Macht – aber viele von ihnen erfahren immer wieder Zurückweisung“, erklärte Wolfe damals im Interview mit WELT. „Darunter leidet sein Selbstbewusstsein, er fühlt sich unsicher, ist traurig. Diese Gefühle kann er aber nicht zulassen, man erwartet ja vom Mann, dass er stark ist. Also muss er seine Empfindungen anders kompensieren.“ Was wiederum zu aggressivem Verhalten, unhöflichen Nachrichten, Respektlosigkeit führen würde.Mit der Bumble-Frauenregel dreht sich die Dynamik der Interaktion um, aber nicht, um Männer kleinzumachen – „Nein, genau damit stabilisiert man die Dynamik und sorgt für einen Ausgleich!“, sagte Wolfe. „Wir nehmen so viel Druck. Männer können sich entspannen. Frauen haben die Macht. Und bekommen nicht zig unpersönliche oder anstößige Nachrichten.“So der Ansatz, so das Marketing, mit dem die App einige Jahre lang große Erfolge hatte – 2014 war die Zeit des „Girl Boss“, den Gründerin Wolfe perfekt verkörperte, der Firmenwert von „Bumble“ lag zwischenzeitlich bei mehr als sieben Milliarden US-Dollar, die App hatte mehr als 40 Millionen aktive Nutzer. Doch zehn Jahre nach Gründung, im April 2024, wurde alles anders. Plötzlich wurde genau das Feature, das als „Bumble“-Alleinstellungsmerkmal galt, abgeschafft. Nun waren es nicht mehr die Frauen, die zwingend die erste Nachricht schicken sollten, „make the first move“, sondern auch den Männern war das nun möglich. Man verkaufte den Nutzern, vor allem den weiblichen, diese substanzielle Veränderung als bewusste Entscheidung, um ihnen „mehr Wahlfreiheit“ zu geben. In Wahrheit, so berichtete es der „Observer“ 2025, stand „Bumble“ unter juristischem Druck. Zwischen Juni und August 2023 soll das Unternehmen mehr als 20.000 Klageandrohungen erhalten haben, von Männerrechtlern, die angaben, dass sie sich vom Ansatz der Dating-App diskriminiert fühlten.Die aktuellste Klage, die auch vor Gericht gelangte, stammt von Alfred Rava, einem in Kalifornien ansässigen Rechtsanwalt und Superstar unter den Männerrechtlern auf Reddit. Er fühlt sich von allem diskriminiert, was speziell für Frauen angeboten wird – und hat Hunderte Klagen eingereicht. Er klagt, wenn Bars „Ladies‘ Nights“ anbieten und Frauen dort spezielle Cocktails bekommen, er klagt, wenn in Läden oder bei Veranstaltungen Muttertagsgeschenke nur an Frauen verteilt werden oder wenn Firmen Netzwerkveranstaltungen unter dem Motto „Women only“ anbieten. Ein familiengeführtes Restaurant in San Francisco musste vergangenes Jahr schließen, weil es sich die gerichtliche Auseinandersetzung mit Rava nicht mehr leisten konnte – er hatte auch gegen die dortige „Ladies‘ Night“ geklagt, die Frauen Rabatt auf Getränke anbot.Lesen Sie auch„Bumble“ warf er konkret vor, dass es Frauen als „permanente Opfer“ darstelle, die „besonderen emotionalen und psychologischen Schutz“ benötigten, und Männer als „unhöfliche, sexuell aufdringliche Ungeheuer“ stereotypisiere. Schon 2018 hat ein anderer Mann „Bumble“ mit ähnlicher Begründung verklagt, das Unternehmen zahlte damals drei Millionen US-Dollar im Rahmen einer Abfindungsvereinbarung und verpflichtete sich, ein Feature einzuführen, mit dem Männer per Emoji zuerst Interesse signalisieren dürfen.Doch mit den 20.000 Klageandrohungen von 2023 war klar: In dieser Größenordnung wird „Bumble“ sich solche Vergleiche nicht leisten können – und so begann man, Features vorzubereiten, die Männern die Kontaktaufnahme ermöglichen sollten. 2024 trat Whitney Wolfe als CEO zurück, so musste nicht unter ihrer Führung verkündet werden, dass „Bumble“ sein Alleinstellungsmerkmal aufgab, das streichen musste, wofür es stehen wollte. Auch intern sorgten die juristischen Auseinandersetzungen, der Kurswechsel, Entlassungen sowie technische Probleme für Unruhe, die App verlor User, ihren guten Ruf in Sachen „female empowerment“ und ihren Marktwert.Inzwischen ist Wolfe wieder zurück an der Spitze. Und still und leise wurde in diesen Tagen in bestimmten Ländern die „Opening Moves“-Funktion, mit der Männer Frauen kontaktieren konnten, wieder gestrichen. Bisher geht es um Mexiko und Australien, wo die rechtliche Lage für „Bumble“ weniger riskant ist. Offiziell heißt es, man würde Features „testen“, um weiterhin die „women first“-Mission erfüllen zu können, bevor man sie „weiter ausrollt“. Und das Vertrauen der ursprünglichen Zielgruppe zurückgewinnt. Das darf dann nur Alfred Rava nicht mitbekommen. Der vertrat kürzlich zwei Männer, die an einem Golfkurs für Frauen nicht teilnehmen durften. Die Klage wurde abgewiesen.