Caracas (dpa) - Knapp eine Woche nach den Erdbeben in Venezuela mit bisher mindestens 1.700 Toten nehmen die Verzweiflung und die Wut der Angehörigen zu. Videos zeigen, wie Menschen vor den Trümmern eingestürzter Gebäude verärgert ein entschlosseneres Vorgehen der Behörden verlangen. Viele haben zudem Angst vor Plünderungen beschädigter Wohnhäuser, wie die Zeitung „El Nacional“ berichtet. Die Hoffnung auf die Bergung von Überlebenden schwindet.„Es sind meine Kinder, ich möchte sie zurückhaben - ob lebendig oder tot -, aber ich will sie bei mir haben! Man wird sie nicht in ein Massengrab werfen“, fordert ein Mann in der schwer betroffenen Stadt Tanaguarena im Bundesstaat La Guaira lautstark, wie in einem Video der venezolanischen Journalistin Maryorin Méndez zu sehen ist. Ein anderes Video zeigt, wie ein Mann bewaffnete Soldaten, die dort patrouillieren, wütend auffordert, mit Spitzhacken und Schaufeln zu helfen. Daraufhin hätten die Soldaten angefangen, Trümmer wegzuräumen, berichtete die Journalistin.Ohnehin schwierige Lage vor den ErdbebenIn den vergangenen Tagen wurde Kritik an der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez laut. Nachdem sie am Freitag bei einem Rundgang in der Hauptstadt Caracas ausgebuht worden war, wurde sie am Sonntag in sozialen Netzwerken wegen eines lediglich protokollarischen Treffens mit internationalen Rettungsteams in einer kritischen Phase kritisiert.Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der größten Migrationskrisen der Welt. Im Januar führte Washington einen Militäreinsatz im Land durch, bei dem der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen wurde. Die derzeitige Staatschefin war Vizepräsidentin in der Maduro-Regierung.© dpa-infocom, dpa:260630-930-308394/2

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