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Fan-Trost bei St. Paulis Abstieg - Wolfsburger Hoffnungen

Hamburg (dpa) - Die Ehrenrunde wurde für die Spieler des FC St. Pauli zur emotionalen Abschiedsrunde. Als der Abstieg des Kiezclubs aus der Fußball-Bundesliga feststand, feierten die Fans ihre Spieler auf ihrem Weg an den Tribünen vorbei. Mit der Hymne „You'll never walk alone“ trösteten die Anhänger ihre traurigen Helden nach dem 1:3 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg. „Ich glaube, dass die Fans einfach einen unfassbaren Job gemacht haben, nicht nur in den letzten Jahren, sondern vor allem in dieser Saison“, sagte Hauke Wahl. Der Abwehrchef hatte nach dem Schlusspfiff lange mit gesenktem Kopf und Tränen in den Augen auf dem Rasen gestanden, einige seiner Teamkollegen lagen erschöpft und enttäuscht auf dem Boden, während von den Zuschauerrängen „St. Pauli, St. Pauli“-Rufe schallten. „Es tun unfassbar weh“, sagte Wahl. Blessin: „Totale Leere“Zwei Jahre nach dem Aufstieg ins Fußball-Oberhaus endete die Bundesliga-Party auf dem Hamburger Kiez. Der VfL Wolfsburg darf nach dem Sieg indes über die Relegation weiter auf die Erstklassigkeit hoffen.„Ich habe eine totale Leere im Kopf. Es tut weh“, sagte St. Paulis Trainer Alexander Blessin. Auch sein Kapitän Jackson Irvine war zutiefst getroffen, blieb aber auch selbstkritisch. „26 Punkte sind nicht genug für die Liga“, sagte der Australier bei Sky. „Wir waren nicht gut genug.“Gute Leistung beim Bundesliga-AbschiedDabei hatten die Hamburger gegen Wolfsburg lange mitgehalten. Beide Teams hatten beste Chancen zur Führung. Auch im zweiten Abschnitt waren die Gastgeber mit dem VfL lange auf Augenhöhe. Erst nach dem 1:3 machte sich Resignation breit.Vor 29.546 Zuschauern am ausverkauften Hamburger Millerntor hatte Konstantinos Koulierakis (37.) die Wolfsburger in Führung gebracht. Dem nach der Pause eingewechselten Abdoulie Ceesay (57.) gelang für die Gastgeber der Ausgleich.Ein Eigentor von St. Pauli-Torwart Nikola Vasilj (64.) sorgte für die Vorentscheidung. Wolfsburgs Kapitän Christian Eriksen (77.) konnte es sich erlauben, einen Handelfmeter nur an die Latte zu schießen. Dzenan Pejcinovic (80.) setzte für den VfL den Schlusspunkt.Wolfsburg wartet auf seinen Relegations-GegnerDas 0:2 (0:2) des 1. FC Heidenheim gegen Mainz 05 hatte keine unmittelbaren Folgen mehr für die Nordclubs. Die Heidenheimer stiegen als Tabellen-17. gemeinsam mit dem FC St. Pauli (18.) ab. Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli waren punktgleich in den letzten Spieltag gegangen. In der Saisonverlängerung geht es für den VfL am Donnerstag und Pfingstmontag gegen den Zweitliga-Dritten um den 18. Startplatz der neuen Bundesliga-Spielzeit. Gegner werden entweder die SV Elversberg, Hannover 96 oder der SC Paderborn sein, die am Sonntag punktgleich um den direkten Aufstieg oder die Relegation kämpfen. „Ich bin noch gar nicht bei morgen, und ich bin auch noch nicht beim Relegationsspiel“, sagte VfL-Trainer Dieter Hecking auf die Frage, wen er sich als Gegner wünsche. Wegen seiner Hannover-Vergangenheit wolle er aber nicht den Nachbarn aus Niedersachsen, räumte er ein. An Trainer bis zum Ende festgehaltenSo bitter der Abstieg für Trainer Blessin, die Mannschaft und die Fans war, überraschend kam er nicht. Zwar waren die Hamburger in dem Abstiegstriell mit dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Heidenheim nach Punkten gleichauf, doch die Tordifferenz und der Trend sprach gegen sie. Mit der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg blieben sie zum zehnten Mal nacheinander ohne Sieg. Schon in der Hinrunde hatten die Kiezkicker eine Serie von neun Niederlagen erlebt. Dass die Verantwortlichen des Clubs um Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann an Trainer Blessin festhielten, war angesichts des sonst üblichen Aktionismus von Bundesliga-Vereinen in vergleichbaren Lagen bemerkenswert.Blessin in der Vorsaison noch Garant für den Klassenverbleib Blessin war es in der Vorsaison immerhin gelungen, mit bescheidenen finanziellen Mitteln den Verein nach dem Aufstieg in der Bundesliga zu halten - erstmals seit 1996. Doch in dieser Saison lief vieles nicht mehr.Mit 29 Toren stellte der FC St. Pauli die harmloseste Offensive der Liga. Zwar hatte der Club viele schnelle Spieler für das Umschaltspiel geholt, ein Torjäger war nicht darunter. Im Transferfenster im Winter wurde nicht reagiert. Auch war die Abwehr nicht mehr der Garant wie in der Saison 2024/2025. Damals hatten die Hamburger die zweitwenigsten Tore (41) kassiert, diesmal waren es 18 mehr. Dazu kam in der Saison noch Verletzungspech. Zahlreiche Leistungsträger wie Kapitän Irvine fehlten über mehrere Wochen. Kiezclub vor dem Umbruch Klar ist, der FC St. Pauli steht nach dem Abstieg vor einem Umbruch. Der Weggang von Blessin wird erwartet. Auch wenn Göttlich vor dem Spiel noch abwiegelte. „Wir haben überhaupt keinerlei andere Signale erhalten und gesendet“, hatte er bei Sky gesagt. „Es werden Gespräche geführt“, meinte Blessin nach dem Spiel. Aber das sei für ihn in diesem Moment kein Thema. Auch im Kader wird es einen Aderlass geben. Kiez-Helden wie Torwart Vasilj, Abwehrchef Wahl oder der gegen Wolfsburg erkrankt fehlende Defensiv-Allrounder Eric Smith werden von anderen Clubs begehrt. Vasilj kündigte bereits an, dass das Spiel gegen den VfL nach „fünf wunderbaren Jahren“ sein letztes für den FC St. Pauli gewesen sei. Kapitän Irvine will hingegen weiter vorangehen.© dpa-infocom, dpa:260516-930-88352/2

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