In China und den USA wächst die Sorge, dass künstliche Intelligenz ausser Kontrolle gerät. Beim geplanten Treffen von Xi Jinping und Donald Trump dürfte das Thema in den Fokus rücken.Sabine Gusbeth, Peking14.09.2026, 11.34 Uhr4 LeseminutenSicherheitspersonal bewacht eine Konferenz zur künstlichen Intelligenz in Schanghai.Aly Song / ReutersChinas oberster Geheimdienstvertreter hat eine der bislang deutlichsten Warnungen Pekings vor den Gefahren künstlicher Intelligenz (KI) ausgesprochen. Die rasanten Fortschritte bei der Technologie könnten die politische Stabilität und die kritische Infrastruktur bedrohen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der missbräuchliche Einsatz von KI durch Gegner könne «direkt die politische, die institutionelle und die ideologische Sicherheit Chinas bedrohen», schrieb der Minister für Staatssicherheit, Chen Yixin, in einem am Sonntag veröffentlichten Beitrag auf einer Social-Media-Plattform der chinesischen Internetaufsichtsbehörde CAC. Er verwies zudem auf die zunehmenden Fähigkeiten von KI, Schwachstellen in Systemen aufzuspüren und Schadsoftware oder Programme zu entwickeln, die diese Schwachstellen ausnutzen.Namentlich erwähnt Chen in seinem Beitrag die führenden amerikanischen Modelle Claude Mythos von Anthropic und GPT-5.5-Cyber von Open AI.Zu den grössten Sorgen Pekings zählt nach Chens Darstellung die Möglichkeit, dass «feindliche Kräfte» sogenannte Meinungskriege führen und eine «kognitive Kriegsführung» betreiben. Deepfakes, KI-generierte Texte und Bilder sowie Social-Media-Bots könnten eingesetzt werden, um politische Gerüchte zu erfinden, schädliche Informationen zu verbreiten und gesellschaftliche Spaltungen zu schüren.Der Artikel ist eine der bislang explizitesten Äusserungen dazu, wie China die von KI ausgehenden Gefahren einschätzt. Er erschien fast zeitgleich mit dem Aufruf führender amerikanischer KI-Unternehmen, die KI-Entwicklung zu verlangsamen. Hinweise darauf, dass der Zeitpunkt abgestimmt war, gibt es jedoch nicht, zumal sich die Interessen Chinas und der amerikanischen Konzerne fundamental unterscheiden. Auf die Forderungen von Anthropic und Open AI ging Chen nicht ein.KI-Wettbewerb im Zentrum des geopolitischen MachtkampfsIm Vorfeld des geplanten Treffens zwischen Chinas Staatschef Xi Jinping und dem US-Präsidenten Donald Trump am 24. September in Washington kocht damit die Diskussion über die Regulierung von KI hoch. Zwar hat China den Termin noch nicht offiziell bestätigt. Doch die Delegationen der beiden Länder, die den Gipfel vorbereiten, haben das Thema KI-Regulierung auf der Agenda.Neunzig Prozent der führenden Modelle kommen aus China und den USA. Experten fordern deshalb bereits seit langem eine Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Regulierung der Technologie.Der Wettbewerb um die Vorherrschaft bei KI ist ins Zentrum des geopolitischen Machtkampfs zwischen China und den USA gerückt. Finanzminister Scott Bessent hatte vergangene Woche davor gewarnt, dass, sollte China bei KI in Führung gehen, «nichts anderes von Bedeutung» wäre.Chinesische KI-Labore wie Alibaba, Deepseek, Moonshot und Zhipu AI haben im August grosse Sprachmodelle vorgestellt, die in vielen Bereichen mit den führenden amerikanischen Modellen mithalten können. Das ist ihnen gelungen, obwohl die USA den Export der fortschrittlichsten Hightech-Chips des amerikanischen Konzerns Nvidia sowie von Maschinen zu deren Herstellung nach China untersagt haben. Damit wollen sie die technologische Aufholjagd der Volksrepublik bremsen.USA werfen China illegale Zugriffe auf amerikanische Technologie vorDie USA werfen chinesischen Unternehmen jedoch vor, bei der Entwicklung ihrer Modelle unrechtmässig auf amerikanische Technologie zurückzugreifen. Am vergangenen Dienstag beschuldigten das FBI, die NSA und die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (Cisa) in einer gemeinsamen Stellungnahme mehrere chinesische Unternehmen – darunter Alibaba, Deepseek und Moonshot –, ihre KI-Modelle mithilfe amerikanischer Modelle schneller zu trainieren. Dies geschehe «wahrscheinlich mit Kenntnis der chinesischen Regierung», erklärten die US-Behörden.Das Aussenministerium in Peking wies die Vorwürfe als unbegründet zurück. Chinas Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz seien «das Ergebnis seiner hohen Eigenständigkeit und der unabhängigen Weiterentwicklung von Wissenschaft und Technologie», erklärte das Ministerium. Zugleich profitiere das Land von der «offenen Zusammenarbeit».Anders als die meisten amerikanischen Anbieter stellen chinesische Unternehmen ihre Modelle häufig offen und vergleichsweise günstig zur Verfügung. Dadurch verbreiten sie sich in China und weltweit schnell. Experten führen den raschen Fortschritt der chinesischen KI-Branche auch auf diesen offenen Ansatz zurück: Die Modelle bauen vielfach aufeinander auf.KI «made in China» soll sich global ausbreitenChinas Staatschef Xi hatte im Juli auf der Welt-KI-Konferenz in Schanghai in einer Grundsatzrede betont, «die KI-Entwicklung sollte kein Alleingang eines einzelnen Landes sein». Peking bietet anderen Ländern an, bei der Entwicklung und Regulierung von KI zu kooperieren. Zu seinen Konditionen, wohlgemerkt. Auch beim Gipfeltreffen der Brics-Staaten am Wochenende warb Xi für die von China initiierte Organisation zur Kooperation bei der Entwicklung und Regulierung von KI (Waico).Während die Staatsführung eine globale Verbreitung von KI «made in China» forciert, wollen die führenden amerikanischen Konzerne ihre Führungsrolle und ihr Geschäftsmodell schützen.Deutlich wird dies auch in den Meinungsbeiträgen vom Wochenende.Der Anthropic-Mitgründer Dario Amodei hatte am Samstag in einem Blog-Beitrag argumentiert, dass die Fähigkeiten von KI schneller voranschreiten würden als die Schutzvorkehrungen. Er schlug eine stärkere Abstimmung zwischen Unternehmen, den USA und anderen Demokratien vor.Passend zum Artikel