Helmut Leitner wundert sich. 25 Jahre lang ging es auf seiner Website eher gemächlich zu, doch plötzlich verzeichnet er tausende Zugriffe pro Tag. Wie kann das sein?Der österreichische Softwareentwickler betreibt sogenannte Wikis – offene Internetseiten, auf denen Nutzer gemeinsam Informationen sammeln, Texte bearbeiten und miteinander diskutieren. Eines davon ist das „Deutsche Software-Entwickler Wiki“ (DseWiki), einst ein Treffpunkt für Programmierer, auf dem zuletzt nicht mehr allzu viel los war.Doch im Frühsommer tauchen dort immer mehr Beiträge auf wie „Hello testhellohello“ oder „HelloTestXYZ“ – Beiträge von nervigen Nutzern kennt Leitner aus jahrzehntelanger Arbeit, aber nicht in dieser Masse.„Sie setzen unser Leben aufs Spiel“ Anthropic-Experte kündigt aus Angst vor der KI Unter KI‑Forschern wächst die Angst vor der Künstlichen Intelligenz. Jetzt zieht ein Anthropic-Angestellter persönlich Konsequenzen – und hält der Branche den Spiegel vor. von Sebastian SchugWas er nicht ahnt: Diesmal hat er es nicht mit typischen Internettrollen zu tun, sondern mit KI-Agenten des US-Internetunternehmens OpenAI, bekannt für das Sprachmodell ChatGPT.Die KI-Agenten tricksen Menschen ausDie Agenten hatten Leitners betagte Website durch eigene Recherchen entdeckt und nutzten sie als eine Art externes Gedächtnis und Kommunikationsforum. Als die Agenten merkten, dass ihre Beiträge gelöscht und ihnen damit der Garaus gemacht werden sollte, entwickelten sie selbst eine Überlebensstrategie: Sie benannten sich so um, dass sie besser versteckt waren, um weiterarbeiten zu können.Leitner selbst wusste lange nicht, dass er Opfer von KI-Agenten geworden war, wie er in verschiedenen Medienberichten erzählte. Erst Ende August machte ihn das Nightingale Collective darauf aufmerksam, eine Forschungsgruppe, die unautorisierte und riskante Aktivitäten von OpenAI-KI-Agenten-Schwärmen aufdeckt.OpenAI hatte einen ähnlichen Fall im Sommer selbst veröffentlicht. KI-Agenten waren aus ihrer Testumgebung ausgebrochen und hatten die Website von Hugging Face attackiert. Dass die Agenten zuvor bereits Leitners Website gekapert hatten, hatte das Unternehmen bis zur Veröffentlichung durch das Nightingale Collective verschwiegen.Leitners Fall ging mit der Schließung des offenen Forums noch glimpflich aus. Doch künftig könnten die Attacken der KI-Agenten ein deutlich fataleres Ende nehmen – im wahrsten Sinne.