DEIN SPIEGEL: Sie gelten als große KI-Kritikerin. Die Technologie kann uns lästige Aufgaben abnehmen. Kann das im Alltag nicht auch nützlich sein?Whittaker: Es gibt manchmal Aufgaben, für die du auf Anhieb keine Lösung findest. Du grübelst den ganzen Tag, und erst spätabends denkst du: Oh, jetzt verstehe ich es. Lässt du dir die Antwort aber sofort von einem Bot geben, verkümmern deine geistigen Muskeln. Ein Video von einem joggenden Menschen anzuschauen, ist nicht dasselbe, als würdest du selbst nach draußen gehen und ins Schwitzen kommen. Frag dich also immer: Was ist eigentlich mein Ziel, und hilft mir die Technologie, dieses Ziel zu erreichen?
DEIN SPIEGEL: Was ist die größte Gefahr, die von der KI ausgeht?Whittaker: Dass wir KI mit einem wirklich intelligenten System verwechseln. Dass wir sie für einen mechanischen Gott halten, dem wir uns unterordnen. Wir dürfen der KI nicht erlauben, lebenswichtige oder politische Entscheidungen für uns zu treffen. Wir müssen uns fragen: Wer kontrolliert die KI? Wer darf sie entwickeln? Wer profitiert von dieser Technologie, wofür wird sie eingesetzt und an wem? Wem schadet sie, wessen Arbeitsplätze werden verdrängt, wer wird überwacht? Für die KI gibt es zu wenige Regeln. Und ich finde: Die Menschen, die am stärksten davon betroffen sind – weil ihre Jobs in Gefahr sind oder weil sie durch die KI diskriminiert werden –, sollten beim Aufstellen der KI-Regeln am meisten mitentscheiden dürfen.











