Ausgewechselt in Mainz nach 87 Spielminuten, hatte Can Uzun seine Fußballschuhe schon ausgezogen. Mit Badelatschen betritt der Eintracht-Profi nun nach Spielschluss das Feld. Uzun, zweimaliger Torschütze beim Frankfurter 3:1 am Samstag, genießt den Gang zu seinen glücklichen Mitspielern.Mit Innenverteidiger Jeremiaha Maluze macht der Offensivspieler im Wechselspiel mit dem rechten Arm „die Säge“. Emotionen pur. Linksverteidiger Keita Kosugi tätschelt Uzun dann anerkennend den Kopf. Und mit Kapitän und Abwehrchef Robin Koch folgt schließlich eine herzliche Umarmung. Beide strahlen über das ganze Gesicht. Gut gemacht, drücken ihre Gesten aus. Besonders gut machte Can Uzun seine Sache am dritten Bundesliga-Spieltag als Vollstrecker.Als Letzter vom Stammpersonal kommt der türkische Nationalspieler später in den Kabinengang der Mainzer Arena. Uzun war im Nachgang besonders gefragt. Zum Beispiel vor den Fernsehkameras. „Ich bin glücklich“, sagte er. „Ich habe zwar schon schönere Tore gemacht, aber wenn meine Mitspieler mich so einsetzen, mache ich gerne auch solche Tore.“ Beim Treffer zum 1:0 (9. Minute) hatte der Deutsch-Türke leichtes Spiel in der Mitte, weil ihm Stürmer Jonathan Burkardt den Ball mustergültig zuspielte. In der 60. Minute profitierte Uzun bei seinem 3:0 wiederum von der Vorarbeit des kurz zuvor eingewechselten Mario Götze.Can Uzun ist „Man of the Match“Zwei Tore, eine Auszeichnung: Uzun durfte sich mit dem Titel „Man of the Match“ schmücken. Auf dem Weg in die Mannschaftskabine trägt er eine kleine Trophäe in den Händen. Sehr zum Wohlgefallen von Adi Hütter.Nach dem ersten Saisonsieg im dritten Anlauf sprach Frankfurts Trainer der gesamten Mannschaft „ein Sonderlob“ für ihren vorbildlichen Einsatz und ihre Geschlossenheit „von der ersten bis zur 90. Minute“ aus. Ein individuelles „Sonderlob“ vom Fußballlehrer erhielt zudem der junge Jeremiaha Maluze. Hütter setzte zum ersten Mal auf die Dreierkette – und der 21-Jährige nutzte mit Bravour seine Chance an der Seite von Koch. Maluze hatte seinen Anteil an der neuen Frankfurter Stabilität, zudem leitete er mit seinem Pass per Kopf das 2:0 (45.) von Burkardt ein. Und Can Uzun?Dessen zwei Treffer hätten ihn „sehr gefreut“, sagte Hütter. Der Vertrauensvorschuss des Trainers hatte Wirkung gezeigt. Hinterher berichtete Can Uzun davon, dass er auch in den Tagen vor dem Mainz-Spiel mit Adi Hütter gesprochen habe. „Der Trainer gibt mir das Vertrauen – und ich versuche, das zurückzuzahlen“, sagte der Matchwinner, der von vielen Seiten Anerkennung bekam.Der Erfolgsspieler in Mainz war schon ein Thema auf der Pressekonferenz zwei Tage vor der Begegnung bei den Rheinhessen gewesen. Nicht zum Vergnügen von Adi Hütter. Bei diesem Pflichttermin stand noch die Aufarbeitung der 1:4-Heimniederlage gegen Augsburg im Vordergrund. In dieser Partie fiel Can Uzun im Hinblick auf sein Leistungsvermögen mit zwei ganz unterschiedlichen Halbzeiten auf. Vernachlässigte er doch im zweiten Abschnitt seine Defensivaufgaben, und das nicht zum ersten Mal. Wohlgemerkt war Uzun dabei aber nicht der einzige Eintracht-Profi mit diesem Makel.Das habe er „auch so gesehen“, sagte Adi Hütter und ging bei seinem Statement näher auf Can Uzun ein. Dieser habe „in der ersten Halbzeit nach Ballverlusten gezeigt, dass er Zweikämpfe gewinnen kann. Er ist ein Kreativspieler, und die vergessen manchmal, dass sie nach Ballverlusten so schnell wie möglich in Zweikämpfe kommen müssen“, meinte der Trainer. Adi Hütter gab sich in diesem Moment verständnisvoll, in der Öffentlichkeit verzichtete er auf Kritik an Can Uzun.Uzun scheint die Zeichen der Zeit verstanden zu habenStattdessen waren vom Trainer den Spieler stützende Worte zu hören. Uzun arbeite „intensiv daran, dass er sich beim Ballverlust noch mehr entwickelt“, führte der Fußballlehrer aus. „Er ist in der Lage, das zu tun. Er ist ein absoluter Kopfmensch. Aber er ist auch ein junger Spieler, und man muss die Geduld haben und positiv kommunizieren.“ Gleichwohl soll sich Hütter intern gegenüber Uzun deutlicher geäußert haben. So oder so: Die Zeichen der Zeit scheint der immer mal wieder Gescholtene verstanden zu haben.Uzun machte in Mainz den Unterschied. Diesmal war er mit dem Kopf voll da und zeigte Präsenz. Der aufmerksame Offensivspieler hatte mit großer Spielfreude seine kreativen Momente. Und was eine besondere Erwähnung wert war: Uzun arbeitete auch auffallend ausdauernd gegen den Ball. „Ich gebe mein Bestes“, sagte er. Im Gesamtpaket war es von ihm ein großer Schritt in die richtige Richtung. Nur Nachlassen darf er jetzt nicht. Er muss dranbleiben auf höchstem Niveau.Auch bei seiner Nachbetrachtung des Spiels präsentierte sich Can Uzun angriffslustig. „Wir haben ein super Spiel gemacht und über 90 Minuten gezeigt, was wir vergangene Woche nur eine Halbzeit lang geschafft haben“, sagte er. „Es wurde für meinen Geschmack zu schnell negativ über uns gesprochen nach dem letzten Spiel, und wir wollten heute zeigen, dass wir das nicht verdient haben.“ Der Beweis wurde von den Eintracht-Profis auch mit ein bisschen Glück an ihrer Seite in der ein oder anderen Situation bestens geführt: „Wir haben es geschafft, über 90 Minuten bei 100 Prozent zu sein. Das war in dieser Woche die Vorgabe: alles zu tun, um zu gewinnen. Die Umsetzung war überragend“, fand Kapitän Koch.Ein Kompliment für sein Auftreten in Mainz an alter Wirkungsstätte verdiente sich auch Jonathan Burkhardt. An vorderster Stelle trat der Stürmer wie ein Führungsspieler auf: konsequent, durchsetzungs- und abschlussstark. Von seinen ehemaligen Kollegen war Burkardt in dem für ihn „besonderen und emotionalen Spiel“ kaum zu stoppen. „Ich glaube an den Prozess der Mannschaft. Wir haben einen wirklich guten Trainer und eine wirklich gute Mannschaft mit Top-Charakteren“, sagte der Angreifer. „Es braucht nicht viel, dass es in die richtige Richtung läuft.“Am kommenden Samstag treffen die Frankfurter von 15.30 Uhr an auf den SC Freiburg. Den Tabellenführer mit der Maximalzahl von neun Punkten und einem Torverhältnis von 10:1. „Wir gehen mit Rückenwind in diese Partie“, kündigte Burkardt an. „Wir haben in Mainz gesehen, wie wir erfolgreich sein können. Wir wollen die Kompaktheit und das Gemeinsame in den Vordergrund stellen.“