In den gesammelten Werken „A. Riera / Eintracht Frankfurt / Februar – Mai 2026“ findet sich ungefähr auf Seite zwölf eine interessante Passage. Riera sagt hier: „Ich möchte nicht, dass meine Spieler rumlaufen wie Hühner, ohne Kopf.“Das war Teil seines Fauna-Frühwerks, bei dem es zuvor um Blut riechende Haie und eine Löwenherde ging. Es war nicht ganz klar, welchen seiner Spieler er mit dem Hühner-Vergleich meinte. Die Exegeten hatten aber eine erste Idee: Es könnte Can Uzun sein.Ein paar Wochen später sprach schon mehr für diese Interpretation. Auch der Wortschöpfer selbst. Denn er sagte, angesprochen auf Uzuns Platz auf der Bank: „Wenn du unter Albert ohne den Ball nicht gut bist, wirst du nicht spielen.“Uzun hatte sich gerade von einer Verletzung kuriert. Er hätte schon wieder spielen können, tat es aber nicht. Im März und April wechselte Riera ihn viermal ein. Seit der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler wieder von Beginn an spielen darf, hat er in jedem Spiel ein Tor geschossen oder vorbereitet. Gegen Augsburg, Hamburg und Dortmund.Er war in all diesen Partien der gefährlichste Frankfurter Spieler. Die Debatte um Uzun ist eine auf Wiedervorlage: Schon Rieras Vorgänger Dino Toppmöller hatte seine liebe Mühe, Uzun zum Verteidigen zu ermuntern. Irgendwann fanden sich beide in der Mitte: Der Spielmacher engagierte sich etwas mehr. Toppmöller ließ ihn spielen, Uzun traf.Die beste Phase der Eintracht-Saison: Uzun trifft an Spieltag eins gegen Bremen.Picture AllianceDenn schon heute ergibt eine kurze Literaturrecherche: Allzu viele kreative Spielmacher mit präzisem Torschuss gibt es nicht in Europa. Auf Uzuns Position im offensiven Mittelfeld sind nur drei Spieler seiner Altersklasse weltweit wertvoller. Die Eintracht will ihn halten, auch nach der WM.In den vergangenen Jahren verließen ihre besten Spieler die Frankfurter immer dann, wenn gerade der Zyklus einer neuen Eintracht-Mannschaft angebrochen war. Omar Marmoush ging, als die Frankfurter mit ihrem Konterspiel die Europa League hätten gewinnen können. Hugo Ekitiké ging, als sie in der Champions League angreifen wollten.Jetzt steht die Eintracht vor einem Jahr der Neuorientierung. Sie hat das Glück, dass noch nicht jeder in Europa weiß, welches Potential in Uzun schlummert. Er war lange verletzt, seine Konkurrenten in der türkischen Nationalmannschaft sind stark.Das Gesicht der neuen Eintracht sollte also Can Uzun werden. Das große Geld können andere, leichter ersetzbare Spieler einbringen wie Nathaniel Brown oder Nnamdi Collins. Ihre Offensive aber sollte die Eintracht rund um Uzun bauen. Auch, weil Arnaud Kalimuendo nur ausgeliehen ist und schwer zu halten sein wird. Auch, weil Jonathan Burkardt (vgl. Körperfett-Kontroverse, Torjubel + Tränen in Dortmund) mit sich selbst beschäftigt ist. Aber vor allem: weil Uzun ihr bester Spieler ist.