Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt war zu erwarten und ist unfassbar zugleich. Wie jetzt weitermachen?

S eit der Wahl in Sachsen-Anhalt denke ich jeden Tag an ein Gespräch mit der Autorin Mely Kiyak zurück. Anfang 2024 gingen gerade Millionen Menschen in Deutschland gegen die AfD auf die Straße. „Wir sind die Brandmauer!“, riefen sie. Viele Menschen schöpften Hoffnung. Für einen Moment gingen sogar die Umfragewerte der AfD zurück.

Aber Mely Kiyak sagte: „Politisch ist das, was aktuell passiert, unumkehrbar. Wir erleben eine entsolidarisierte, sich gegenseitig zutiefst mit Niedertracht begegnende Gesellschaft. Wenn ein Land nicht früh genug anfängt, zerstörerische Kräfte einzudämmen, wird es ein hartes Land mit einem harten Leben. Nach den Kipppunkten können Sie noch eine Weile protestieren und skandalisieren, dann werden diejenigen an die Macht kommen, die auch diese Möglichkeit tabuisieren werden.“

Wenn die AfD regiert, wolle sie mal sehen, wer noch offene Briefe unterschreibe, sich also weiter engagiere. Tatsächlich gibt es gerade wieder Straßenproteste, aber längst nicht mehr so viele wie vor anderthalb Jahren – obwohl die AfD in Sachsen-Anhalt so nah an der Macht ist wie nie. Sind die Kipppunkte also schon erreicht?