KommentarPro ArtikelDie Präsidenten Chinas, Russlands und Irans treffen sich – doch sind sie eine schlagkräftige Allianz gegen den Westen?Die Brics-Gruppierung ist über die Jahre gewichtiger geworden. Doch es fehlt an Entscheidungsfähigkeit. In dem von Autokraten dominierten Klub driften die Interessen zu weit auseinander.12.09.2026, 05.10 Uhr3 LeseminutenSie werden am Wochenende im Rampenlicht stehen: Wladimir Putin, Narendra Modi und Xi Jinping.Newscom / Eye Press / ImagoAm Wochenende werden Bilder aus Delhi mächtige Männer beim Händedruck zeigen: Chinas Präsident Xi Jinping, sein russisches Pendant Wladimir Putin und der iranische Regierungschef Masud Pezeshkian werden erwartet. Als Gastgeber fungiert der indische Premierminister Narendra Modi.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Angesagt ist das Gipfeltreffen der Brics-Staaten, der losen Formation, die 2006 von Brasilien, Russland, Indien und China gegründet wurde und mittlerweile auf elf Mitglieder angewachsen ist: Heute gehören auch Südafrika, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudiarabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indonesien dazu.Mehr oder weniger direkt wird die Botschaft lauten: «Seht her: Wir sind die Zukunft: Es geht auch ohne den Westen.»Die Brics-Staaten haben GewichtDie Brics-Staaten haben einiges in die Waagschale zu werfen. In diesen elf Ländern lebt fast die Hälfte der Weltbevölkerung, kaufkraftbereinigt kommen diese Volkswirtschaften für 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf.Das stellt die G-7 in den Schatten, die lange wirtschaftlich die Welt angeführt haben. In den USA, Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Italien und Japan leben weniger als 10 Prozent der Menschheit. Der Anteil der sieben führenden Industrieländer am weltweiten Bruttosozialprodukt beträgt rund 30 Prozent, wenn die Kaufkraft berücksichtigt wird. Das wird sich weiter zugunsten der Brics-Gruppe verschieben – sie wachsen im Schnitt rund dreimal so schnell wie die G-7-Staaten.Doch Brics ist ein Zufallsprodukt; das zeigt sich schon daran, dass der Begriff nicht aus einem der Gründungsländer stammt. Es war ein britischer Ökonom, der 2001 Brasilien, Russland, Indien und China als langfristige Motoren des globalen Wachstums so zusammenfasste. Seine These: Sie würden bis 2050 die globale Wirtschaft dominieren. Der Einfachheit halber kreierte er das Kürzel Brics (Südafrika kam erst nachträglich dazu).Eine politische Note bekam der Begriff erst fünf Jahre später, als sich die Aussenminister der vier Gründungsländer erstmals trafen. Organisiert ist die Gruppe bis heute nur lose: Es gibt keine Gründungsakte, keinen Hauptsitz, kein festes Sekretariat. Ein Land übernimmt jeweils für ein Jahr den Vorsitz, gegenwärtig Indien.Das gemeinsame Interesse der Gründungsmitglieder lag darin, dass sie in der Weltordnung mehr zu sagen haben wollten. Wie diese weniger westlich geprägte Zukunft aber aussehen sollte, wurde nie klar. Das demokratische Indien war von Anfang an in einer merkwürdigen Gesellschaft mit den beiden grossen Diktaturen China und Russland. Delhi ist nicht zuletzt deswegen dabei, weil es verhindern will, dass sich Russland und China gegen Indien verbünden: Es ist sicherer, bei Brics dabei zu sein und mitzureden.In jüngerer Zeit kommt dazu, dass Donald Trump keine Gelegenheit auslässt, das stolze Indien zu düpieren und die über lange Jahre sorgsam aufgebauten amerikanisch-indischen Beziehungen zu demontieren. Der Brics-Gipfel ist für Modi die perfekte Gelegenheit, den Amerikanern zu demonstrieren, dass er Alternativen hat.Lange Verhandlungen, kleiner gemeinsamer NennerMit der Aufnahme zusätzlicher Mitglieder wurde Brics gewichtiger und gewann an Prestige. Doch auch die Bandbreite der Interessen nahm zu. Da im Konsens entschieden werden muss, ist die Gruppe weniger entscheidungsfähig. Das Resultat: Nach langen Verhandlungen bleibt vielfach nur der kleinste gemeinsame Nenner.Der Gipfel in Delhi wird den Beteiligten die Gelegenheit bieten, sich als Alternative zu einer von den USA und dem Westen geführten Welt darzustellen. Doch die grosse, schlagkräftige antiwestliche Allianz, als die die Brics-Staaten immer wieder dargestellt werden, ist der Verbund nicht. Und er wird es wohl auch nie sein. Dafür fehlt eine kollektive und kohärente Vision.Passend zum Artikel